Sauber verstärkt Werben um Schumi
Von Tobias Wiltschek
München - Die ersten Entscheidungen im herbstlichen Vertragspoker sind gefallen.
Mercedes setzt nach dieser Saison Michael Schumacher vor die Tür und ersetzt ihn durch Lewis Hamilton. McLaren verpflichtete gleichzeitig den Mexikaner Sergio Perez.
Doch was wird nun aus Schumacher?
Das Mercedes-Team hat in den vergangenen Monaten offensichtlich den Glauben an die Siegfähigkeit des 43-Jährigen verloren ( BERICHT: Schumis Aus besiegelt).
In eimem mittelmäßigen Auto
Allerdings saß Schumacher in den letzten Jahren auch nur in einem mittelmäßigen Auto.
Das könnte sich in der kommenden Saison ändern, auch wenn der Rekord-Weltmeister noch gar nicht entschieden hat, ob er überhaupt weiter macht ( BERICHT: Schumi lässt seine Zukunft offen).
Bei Sauber basteln sie zumindest offenbar schon an einem Angebot für Schumi. "Natürlich sind das reizvolle Gedanken, und natürlich überlegt man, ob man einen siebenmaligen Weltmeister holen kann, wenn er auf dem Markt ist", erklärte Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn in der "Bild"-Zeitung.
Schumacher sei jedoch bislang nur für große Herstellerteams gefahren, mit denen sich Sauber nicht vergleichen könne.
Gestiegene Ansprüche
An den gestiegenen Ambitionen des Schweizer Rennstalls, der sich bislang vor allem als Ausbilder für Talente profilierte, ändere das aber nichts.
"Wir müssen den Fahrern eine attraktivere Plattform bieten", forderte Kaltenborn. "Es ist der einzige Weg, der endlich verhindern kann, dass wir Piloten immer nur ausbilden und sie dann an die Konkurrenz verlieren."
Auch Peter Sauber zeigt sich von der Idee begeistert, seinen ehemaligen Juniorfahrer Schumacher nach Hinwil zu holen. "Ich glaube, viele Teams wären interessiert, mit ihm zu sprechen. Auch wir", betonte der Teamchef.
Schumi könnte Sponsoren locken
Die Voraussetzungen für eine Verpflichtung des Rekord-Champions sind nicht so schlecht, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Der Rennstall ist finanziell besser ausgestattet als die meisten anderen Privat-Teams und könnte mit Schumi als Zugpferd weitere potente Geldgeber anlocken.
Zumal ihm trotz des Abgangs von Perez der mexikanische Groß-Sponsor "Telmex" erhalten bleibt (Fahrerkarussell: Perez zu McLaren).
Dass Sauber für Schumacher attraktiv sein könnte, hat aber auch sportliche Gründe. Mit Perez feierte das Team in dieser Saison schon drei Podiumsplatzierungen. In der Konstrukteurs-Wertung liegt es nur 35 Punkte hinter Mercedes auf Platz sechs.
Optimistischer Teamchef
Dazu haben die Schweizer schon früher als sonst mit der Entwicklung des Autos für die nächste Saison begonnen. "Die Daten sagen uns, dass es noch einmal deutlich besser wird als das aktuelle", sagte der Teamchef.
Schumi selbst wollte schon beim Italien-GP vor drei Wochen einen Wechsel zu Sauber nicht ausschließen. "Warum nicht", entgegnete er auf eine entsprechende Frage von "auto, motor und sport".
Was er damals noch mit einem Augenzwinkern kommentierte, könnte nach seiner Ausbootung bei Mercedes mittlerweile eine realistische Option geworden sein.
Doch er ist nicht der einzige Pilot, der mit dem Team in Verbindung gebracht wird.
Auch Hülkenberg im Gespräch
Wie der "Blick" erfahren haben will, könnte es auch in absehbarer Zeit eine Einigung mit Schumis Landsmann Nico Hülkenberg geben. Der 25-Jährige pokert immer noch um einen neuen Vertrag bei Force India, obwohl der Rennstall lieber heute als morgen mit ihm verlängern will.
"Es gibt eine recht gute Chance, dass Nico bei Force India bleibt. Sicher ist das aber noch nicht", sagte Hülkenbergs Berater Timo Gans bei SPORT1.
"Wir sind noch nicht so weit, dass wir etwas vermelden könnten."
Gans räumte aber ein, dass sich auch sein Schützling nach möglichen Alternativen umschaut.
"Hülk" setzt sich keine Frist
Hülkenberg hatte sich mit starken Leistungen in dieser Saison auch schon bei Ferrari als möglicher Nachfolger für Felipe Massa ins Gespräch gebracht.
Nun erscheint Sauber als wahrscheinlichste Option für den Deutschen, falls er bei seinem jetzigen Team nicht verlängert.
Eine Frist für eine Entscheidung gebe es bei "Hülk" nicht, so Gans.
Sollte es aber eine Tendenz Richtung Sauber geben, müssten sie sich eventuell doch bald entscheiden.
Ansonsten könnte ihnen Schumacher das Cockpit noch wegschnappen.