Massa, Hülk, di Resta: Das Karussell dreht sich weiter
Von Tobias Wiltschek
München - Nach der spektakulären Rochade um Lewis Hamilton und Sergio Perez steht fest:
Mercedes und McLaren können personell für die kommende Saison planen.
Damit gehören die beiden Teams aber zur Minderheit im Formel-1-Zirkus. Außer ihnen hat bislang nur Red Bull sein Fahrerduo für 2013 bestätigt.
Bei allen anderen Rennställen könnten sich in der nächsten Zeit noch einige Änderungen ergeben.
SPORT1 gibt einen Überblick über den aktuellen Stand bei allen Teams und verrät, wer wo derzeit im Gespräch ist.
• Red Bull:
Das Weltmeister-Team kann das hektische Treiben bei der Konkurrenz derzeit ganz entspannt betrachten.
Sebastian Vettel ist bis 2014 gebunden. Mark Webber hat sich nach einem kurzen Flirt mit Ferrari im Sommer ebenfalls dazu entscheiden, weiter für die "Bullen" zu fahren.
Der Australier verlängerte seinen Vertrag um ein Jahr bis 2013.
• McLaren:
Das ewige Rätselraten um die Zukunft von Lewis Hamilton hat in der vergangenen Woche ein Ende gefunden. Er verlässt das Team nach 14 Jahren und macht Platz für Sergio Perez.
Der Mexikaner nimmt seine Geldgeber von Sauber zu McLaren nicht mit. "Wir bezahlen ihn gut und es gibt keine weiteren Vereinbarungen", wird Teamchef Martin Whitmarsh im "Telegraph" zitiert.
Dem Vernehmen nach erhält Perez, den das Team aus Woking mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet hat, neun Millionen Euro im Jahr (DIASHOW: Das Fahrerkarussell).
Jenson Button hatte seinen Kontrakt Ende des letzten Jahres bereits bis 2014 verlängert.
• Ferrari:
Um das Team aus Maranello ranken sich derzeit die heißesten Spekulationen.
Darf Felipe Massa trotz einer mäßigen Saison weitermachen oder bekommt Fernando Alonso einen neuen Piloten an seine Seite gesetzt?
Das Zögern der Ferrari-Oberen lässt vermuten, dass der Brasilianer zumindest noch in den kommenden beiden Rennen in Japan und Südkorea die Chance hat, seinen Aufwärtstrend der letzten Wochen zu bestätigen und sich so für einen neuen Vertrag zu empfehlen.
Alonso setzte sich zuletzt stark für seinen Teamkollegen ein und dürfte damit auch eigene Interessen verfolgen.
Massa hat er im Griff. Ob das bei Nico Hülkenberg oder Paul di Resta auch so wäre, müsste sich noch zeigen.
Beide Force-India-Piloten gelten derzeit als aussichtsreichste Anwärter auf den zweiten Platz hinter Alonso.
"Auto, motor und sport" vermutet, dass dessen schlechte Laune beim vergangenen Rennen in Singapur etwas mit der Besetzung des zweiten Cockpits zu tun gehabt habe. Womöglich plant Ferrari also doch den Rauswurf des für Alonso genehmen Massa.
Die "BBC" zitiert einen Informanten "mit guten Kenntnissen des Fahrermarkts" schon damit, dass Ferrari mit Hülkenberg schon einig sei.
• Lotus:
Die Schwarz-Goldenen werden nicht müde, zu vermelden, dass Kimi Räikkönen auch 2013 für sie fahren wird. Demnach habe sich der Vertrag bereits durch die Erfüllung von sportlichen Vorgaben automatisch verlängert.
Der schweigsame Finne äußerte sich dazu bislang nicht, er hat aber auch keine echten Alternativen zu Lotus. Die einzige Option, mit der er sich verbessern würde, wäre Ferrari. Doch dort müsste er sich hinter Alonso anstellen, ein Tabu für den "Iceman".
Die Zukunft von Romain Grosjean ist ebenfalls noch nicht in trockenen Tüchern. Der Franzose hat aber mit Teamchef Eric Boullier einen starken Fürsprecher.
• Mercedes:
Mit der spektakulären Verpflichtung von Lewis Hamilton wollen die Silberpfeile nach drei erfolglosen Jahren endlich an die Spitze. Dafür haben sie den Briten mit 75 Millionen Euro für drei Jahre von McLaren weggelockt.
Die Nummer 1 im Team ist für den Weltmeister von 2008 aber nicht reserviert. Nico Rosberg, der mindestens noch im kommenden Jahr für Mercedes fährt, will seinem Kumpel Hamilton einen packenden teaminternen Fight liefern.
• Sauber:
Die Schweizer könnten im kommenden Jahr mit einer komplett neuen Fahrer-Kombination antreten.
Sergio Perez ist schon weg. Und ob Kamui Kobayashi bleibt, hängt wohl damit zusammen, wer dem Mexikaner nachfolgt.
Nach der Rücktrittserklärung von Michael Schumacher ( Bericht) werden die Karten bei den Schweizern völlig neu gemischt. Sowohl Teamchef Peter Sauber als auch Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn hatten ihr Interesse an Schumi bekundet, der von Mercedes geschasst wurde.
Im Gespräch bei Sauber sind offenbar Hülkenberg und der Mexikaner Esteban Gutierrez, den Groß-Sponsor "Telmex" ins Cockpit hieven will.
Auch der Spanier Jaime Alguersuari wird mit Sauber ins Gespräch gebracht. Laut "motorsport-total.com" soll er schon unterschrieben haben.
• Force India:
Auch im Team des Inders Vijay Mallya ist noch nichts fix, auch wenn man gerne mit den jetzigen Fahrern weitermachen würde.
Doch Hülkenberg und di Resta gehören derzeit zu den begehrtesten Piloten auf dem Markt und liebäugeln mit einem Wechsel zu erfolgreicheren Teams.
Sollte einer von beiden den Rennstall verlassen, wäre das die Chance von Adrian Sutil - derzeit TV-Experte - auf ein Comeback bei seinem ehemaligen Arbeitgeber.
• Williams:
Pastor Maldonado dürfte seinen Platz nach dem sensationellen Triumph beim Spanien-GP sicher haben. Zumal mit dem Venezolaner und dessen finanzstarken Sponsor auch weiterhin viele Millionen ins Team gesteckt werden können.
Für Bruno Senna sieht es da schon weniger günstig aus. Zwar pumpt auch der Brasilianer über seine Sponsoren viel Geld in die Kassen. Sportlich kann er dem derzeitigen Testfahrer Valltteri Bottas aber nicht das Wasser reichen.
Der Finne wird wohl mit Maldonado das Fahrerduo 2013 bilden.
• Toro Rosso:
Daniel Ricciardo und Jean-Eric Vergne fahren beide ihre erste volle Saison und konnten sich auch schon den einen oder anderen Punkt sichern.
Da es auch sonst keine ernstzunehmenden Anwärter auf die Cockpits gibt, dürfte Toro Rosso den beiden Talenten auch 2013 eine Chance geben.
• Marussia:
Timo Glock wird aufgrund fehlender Alternativen wohl auch im kommenden Jahr für den russischen Rennstall ins Cockpit steigen. Sein Vertrag läuft dort noch bis Ende 2013.
Allerdings wird er aller Voraussicht nach nicht mehr mit Charles Pic ein Team bilden, sondern mit Max Chilton. Der Brite, der noch als Testfahrer im Team eingesetzt wird und einen zweistelligen Millionenbetrag mitbringt, soll laut "motorsport-total.com" zum Stammpiloten aufsteigen.
• Caterham:
Glocks jetziger Kollege Pic soll angeblich schon bei Caterham unterschrieben haben, wo der Russe Witali Petrow auf dem Abstellgleis stehen soll.
Heikki Kovalainen wird sich wohl mangels eigener Sponsoren nicht verbessern können und im Team bleiben. Als mögliche Alternative für den Finnen wird Alguersuari gehandelt.
• HRT:
Auch beim spanischen Formel-1-Projekt ist Alguersuari im Gespräch. Er könnte mit Pedro de la Rosa ein iberisches Duo bei HRT bilden.
Jedoch spricht auch vieles für einen Verbleib von Narain Karthikeyan, der sein Sponsorengeld dem Vernehmen nach regelmäßig und zuverlässig abdrückt.