Schumi abgeschoben? Mercedes wehrt sich
Suzuka - Michael Schumacher schweigt weiter.Der Rekord-Weltmeister wird sich erst am Donnerstag zu den Umständen der Trennung von Mercedes äußern.
Dafür sprachen in den Tagen vor dem Großen Preis von Japan (Qualifying, Sa., ab 6.45 Uhr im LIVE-TICKER) andere.
Der Vorwurf an die Bosse in Stuttgart: Schumacher wurde im Ringen um einen neuen Vertrag einfach abgeschoben.
Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug wehrt sich vehement gegen diese Version. "Michael hatte eine lange Bedenkzeit und war sich selbst nicht schlüssig, ob und wie es weitergehen soll", sagte Haug.
Der Kerpener sei stets darüber informiert gewesen, dass mit Lewis Hamilton verhandelt wurde. Alles sei fair und mit offenem Visier abgelaufen.
Schumacher unschlüssig
Dennoch konnte sich Schumacher einfach nicht entscheiden, und irgendwann wollte Mercedes nicht länger warten. (DIASHOW: Das Fahrerkarussell)
Planungssicherheit geht in einem Formel-1-Team immer vor - selbst wenn einer wie Michael Schumacher involviert ist. ( BERICHT: Schumi lässt seine Zukunft offen)
"Er versicherte uns, dass er Lewis' Verpflichtung gerade auch im Hinblick auf ihre lange Laufzeit vollkommen versteht", sagte Haug. Hamilton unterschrieb für drei Jahre. ( BERICHT: Hamilton geht volles Risiko)
Zetsche verteidigt Schumacher
Mercedes-Chef Dieter Zetsche hat derweil das Auto für Michael Schumachers enttäuschendes Formel-1-Comeback verantwortlich gemacht. ( BERICHT: Zetsche nimmt Schumacher in Schutz)
"Wir haben beiden Fahrern in den vergangenen drei Jahren nicht das Auto zur Verfügung stellen können, das in der Mehrzahl der Rennen siegfähig gewesen wäre. Mit dem Motor waren wir vorn, aber nicht mit dem Fahrzeug", sagte Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, im Gespräch mit der "Bild":
"Es wäre also völlig falsch, jetzt Nico Rosberg oder Michael Schumacher einen Vorwurf zu machen. Unser Ziel ist jetzt, das Auto schneller zu machen."
Keine Spannungen
Haug bekräftigte diese Aussagen von Zetsche: "Zu selten in unserer bisher zweidreivierteljährigen Aufbauzeit konnte wir Michael und Nico ein erstklassiges Auto zum Gewinnen geben. Wäre das regelmäßig der Fall gewesen, hätte Michael Rennen gewonnen."
Das Verhältnis zu Schumacher sei aber keinesfalls zerrüttet:
"Es gibt keine Spannungen zwischen Michael und unserem Team, wir können uns eine weitere Zusammenarbeit absolut vorstellen."
Viel Lob für Hamilton
Dass Mercedes mit der Hamilton-Verpflichtung ein großer Coup gelungen ist, bestreiten noch nicht einmal die größten Rivalen des Briten. ( BERICHT: Das Karussell dreht sich weiter)
"Lewis ist der einzige, der auch ohne Topmaterial die Fähigkeit hat zu gewinnen", sagt Alonso.
Und Niki Lauda, der neue starke Mann bei Mercedes, meint: "Ich denke, Lewis ist der beste Fahrer der Welt. Er ist unglaublich schnell und macht keine Kompromisse."
Lauda geht voran
Lauda fädelte den Millionen-Deal mit Hamilton maßgeblich mit ein und räumte auch auf einer anderen Baustelle für Mercedes die Brocken aus dem Weg.
Den zähen Verhandlungen mit Bernie Ecclestone über das neue Concorde Agreement, dem Grundlagenvertrag zwischen dem Chefpromotor und den Formel-1-Teams, verhalf der Österreich zum Durchbruch.
Er sicherte Mercedes mehr Geld aus dem Vermarkter-Topf - und damit auch mehr Macht.
Gutes Verhältnis zu Ecclestone
Lauda wird als Vorsitzender des Aufsichtsgremiums des Teams eine überwachende Funktion innehaben und seine langjährige Erfahrung bei wichtigen Entscheidungen in das Formel 1-Team einbringen.
Der dreimalige Weltmeister aus Österreich ist der perfekte Ansprechpartner für Bernie Ecclestone.
Sein gutes persönliches Verhältnis zu "Mr. E." dient als nützliche "Brücke" zwischen Daimler und dem für die Vermarktung der Formel 1 zuständigen Formula One Management (FOM).
Vettel hofft auf Schumi-Verbleib
Weltmeister Vettel hofft dennoch, dass sein Kumpel Schumacher auch in der nächsten Saison weiterfährt.
"Ihn dabei zu haben, hilft uns und dem Sport enorm, um wahrgenommen zu werden", sagte der Red-Bull-Pilot:
"er ist der größte Name, den es in der Formel 1 gibt. Es macht immer Spaß gegen ihn zu fahren, es wäre schön ihn im nächsten Jahr wiederzusehen. Ich würde mich freuen. Aber das ist Michaels Entscheidung, das muss er sich überlegen."
Nur nicht zu lange.