Der Feind im eigenen Lager?
Von Felix Götz
München - Von einer Stallorder will er nichts wissen, den Konkurrenten des eigenen Teamkollegen redet er stark, und in Indien verließ er kopfschüttelnd die Pressekonferenz, als Sebastian Vettel sprach.
Mark Webber droht dem Weltmeister im Kampf um den erneuten Titel noch gefährlich zu werden.
"Wir appellieren an die Vernunft unserer Fahrer", hofft Red-Bull-Motorsportboss Helmut Marko, dass sich seine "Bullen" in den verbleibenden drei Rennen nicht ins eigene Knie schießen.
Der 69-jährige Österreicher ist optimistisch, weil "beide Piloten in den vergangenen Wochen gezeigt haben, dass sie konstruktiv zusammenarbeiten und sich respektieren".
Es sei nun wichtig, "dass nichts auf Kosten des Teams geht".
Markos halbherzige Erklärung
Doch genau das scheint nicht mehr auszuschließen zu sein, wie ein ungewöhnlicher Vorfall bei der Top-3-Pressekonferenz nach Vettels Sieg in Noida zeigte. ( BERICHT: Seriensieger Vettel)
Als Vettel Alonso nach der Frage, was jeder der beiden WM-Aspiranten am liebsten vom anderen hätte, den Tausch der Baseball-Mütze vorschlug, stand Webber einfach auf und verließ kopfschüttelnd das Podium.
"Mark hatte eigentlich einen frühen Flug zurück und war schon spät dran. Weil die letzte Frage nicht an ihn ging, ist er aufgestanden", erklärte Marko halbherzig in der "Bild".
Immer wieder ein Seitenhieb
Gerade in den vergangenen Tagen lässt Webber keine Möglichkeit aus, um seinem Teamkollegen einen Seitenhieb zu verpassen.
Trotz seines riesigen Rückstands in der Fahrerwertung, der mittlerweile 73 Punkte beträgt, werde er nicht für Vettel zur Seite fahren, hatte der Australier vor dem Großen Preis von Indien erklärt. ( DATENCENTER: WM-Fahrerwertung)
Kurz darauf folgte der nächste Affront gegen Vettel. "Natürlich kann Fernando Alonso den Titel holen, er ist ein zweimaliger Champion. Alonso hat sehr, sehr gute Chancen", gab Webber zu Protokoll.
Freunde gibt es im Fahrerlager nicht
Teamwork sieht anders aus.
Aber davon scheint der WM-Dritte von 2010 und 2011 ohnehin nicht viel zu halten.
"Wenn du im Fahrerlager einen echten Kumpel suchst, dann solltest du dir einen Hund kaufen", ist so ein Satz von Webber, der diese Annahme unterstreicht.
Bereits 2010 brodelte es
Dass er und Vettel eher schlecht als recht miteinander auskommen, ist nicht neu.
Bereits 2010, als der Heppenheimer nach einer überragenden Aufholjagd erstmals Weltmeister wurde, brodelte es permanent zwischen den beiden.
"Wir werden wohl nie gute Freunde", war Vettel schon damals bewusst.
"Beide sind routiniert genug"
Immerhin: Bisher hat Webber seinen Teamkollegen keine Punkte gekostet.
"Wir reden eindringlich darüber, dass sich unsere Fahrer in der ersten Runde nicht behindern", meinte Red-Bull-Teamchef Christian Horner:
"Doch beide sind routiniert genug und wissen, was für das Team auf dem Spiel steht."
Lauda beschwichtigt
Formel-1-Legende Niki Lauda kann sich nicht vorstellen, dass Webber Vettel um den Titel bringt. "Keine Sorge: Webber wird dem Sebastian sicher nicht ins Gehege kommen und ihm in die Kiste fahren", sagte der dreimalige Champion der "Bild".
Er glaubt sogar, dass Webber seinem 25-jährigen Teamkollegen den Titel wünscht: "Rennfahrer haben eine gewisse Intelligenz. Das war bei mir schon so. Wenn ich damals keine Chance mehr hatte, den Titel zu holen, war ich motiviert, meinem Teamkollegen zu helfen."
Webbers Verhalten ist für Lauda nicht überraschend, weil dieser keine Schwäche zeigen wolle: "Aber lieber gewinnt der eigene Kollege als jemand anders."
Ob Webber das auch so sieht...