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Sebastian Vettel bedankt sich nach seinem Titelgewinn bei seinem Team © getty

Eine grandiose Teamleistung und die eigenen Fähigkeiten bescheren Vettel den dritten WM-Triumph in Folge. Die Analyse.

Von Tobias Wiltschek

München - "Ich bin immer noch der Meinung, dass der Fahrer am Ende Weltmeister wird, der es am meisten verdient hat".

Das hatte Sebastian Vettel vor dem vorletzten Rennen der Saison in Austin gesagt.

Nach dem spektakulären Finale in Sao Paulo (Nacbericht) darf sich der Red-Bull-Pilot als Champion feiern lassen - und in seiner Meinung bestätigt fühlen.

Niemand behauptete anschließend, Vettels WM-Triumph sei unverdient gewesen (DATENCENTER: WM-Endstand).

Rückschläge am besten weggesteckt

Er hat - zusammen mit seinem Team - die Rückschläge in den 20 Grands Prix am besten weggesteckt und am Ende der bislang längsten Formel-1-Saison drei Punkte Vorsprung auf Fernando Alonso ins Ziel gerettet.

Die Gründe für die erfolgreiche Titelverteidigung sind gleichermaßen beim Piloten und bei seinem Team zu suchen.

"Klar fahre ich das Auto, aber ich bin nicht wichtiger als die anderen. Ich bin ein Teil des Teams und der Erfolg ist nicht nur mir zu verdanken, sondern auch dem großartigen Job, den das Team über die Saison hinweg gemacht hat", stellte Vettel klar (STIMMEN: "Das hat es noch nie gegeben").

Ohne eine permanente, fieberhafte Entwicklungsarbeit am Auto wäre Vettels Titel-Hattrick nicht möglich gewesen. Auch der dritte Konstrukteurstitel der "Roten Bullen" ist Beweis dafür.

[kaltura id="0_higdppgq" class="full_size" title="Heppenheim feiert Vettel Hattrick"]

Grenzen des Erlaubten ausgereizt

In dem Entwicklungssektor präsentierte sich der Rennstall einmal mehr weltmeisterlich, auch wenn - oder gerade weil - Red Bull die Grenzen des Machbaren und Erlaubten immer wieder ausreizten.

So musste das Team die Motoreneinstellung des RB8 beim Großen Preis von Deutschland wieder zurückbauen, weil nach Meinung der Rennkommissare durch die künstliche Erzeugung von Auspuffgasen die Aerodynamik des Autos regelwidrig unterstützt wurde.

Zum allem Überfluss vergrößerte sich der Rückstand von Vettel auf Alonso nach dem Rennen auf dem Hockenheimring auf 44 Punkte. So viele waren es vorher und nachher nicht.

Red Bull ließ sich davon aber nicht entmutigen und entwickelte weiter. Bis vor den Asienrennen der entscheidende Coup gelang.

Neweys entscheidender Coup

Das von Design-Genie Adrian Newey entwickelte Doppel-DRS führte zu einer zusätzlichen Reduzierung von Anpressdruck und Luftwiderstand. Damit bekam Vettels Team endlich die Schwäche auf langen Geraden und in schnellen Kurven in den Griff.

Die Folge war vor allem eine Dominanz in den Qualifyings, in denen das DRS uneingeschränkt genutzt werden kann.

Diesem Entwicklungsschritt konnte Ferrari nichts entgegensetzen. Wie auch, wo der Windkanal in Maranello mittlerweile so veraltet ist, dass er keine verlässlichen Daten mehr lieferte und deshalb vorübergehend geschlossen musste?

Alonso genervt

Die Scuderia nutzte deswegen den Hightech-Windtunnel des ehemaligen Formel-1-Teams Toyota in Köln. Doch auch dieser Umzug brachte nicht die von Alonso so sehr geforderten Fortschritte.

Der Spanier war schließlich so genervt, dass er sich zu der Aussage hinreißen ließ: "Im Moment kämpfen wir vor allem gegen das Auto von Adrian Newey."

Diese Einschätzung wiederum wird den fahrerischen Qualitäten von Vettel in dieser Saison nicht gerecht. Wer sich, wie in Abu Dhabi, vom letzten Platz bis auf Rang drei verbessert, hat allemal das Prädikat "Weltklasse" verdient.

Und dass Vettel auch bei schwierigsten Verhältnissen das Auto perfekt im Griff hat, bewies er bei seinem bravourösen Ritt vom 22. auf den sechsten Platz in Sao Paulo (643404DIASHOW: Bilder des Rennens).

Vettel hält dem Druck stand

Nicht zuletzt hat der Heppenheimer in dieser Saison bewiesen, dass er sehr wohl mit Druck umgehen kann.

Der lastete in der Tat schwerer auf seinen Schultern als bei seinen bisherigen Siegen. 2010 ging er mit 15 Punkten Rückstand ins letzte Rennen und hatte nichts mehr zu verlieren. 2011 war er so überlegen, dass er im Titelkampf nie unter Druck geriet.

Diesmal aber wehrte er alle Attacken von Alonso ab und verteidigte seinen Vorsprung bis zur letzten Zielflagge. In Sao Paulo ließ er sich auch von einem Funk-Problem nicht aus dem Konzept bringen. Seinem Team entging seine Ankündigung, in die Box zu kommen und stattete ihn deshalb erst mit Verzögerung mit den Intermediate-Reifen aus.

Vettel entgeht Startkollisionen

Auf dem Weg zu seinem dritten Triumph in Serie hatte der 25-Jährige aber auch das berühmte Quäntchen Glück.

Im Gegensatz zu Alonso wurde er nicht einmal das Opfer von Startkollisionen.

Und als er im letzten Grand Prix von Bruno Senna doch getroffen wurde, konnte er nach einem Dreher das Rennen fortsetzen. Hätte ihn der Brasilianer nur etwas heftiger erwischt, wäre er ausgeschieden und hätte Alonso wohl doch noch zum Titelgewinn gratulieren müssen.

Im vorletzten Rennen in Austin streikte nicht bei ihm, sondern bei seinem Teamkollegen Mark Webber die Lichtmaschine und zwang den Australier zur Aufgabe.

Verdienter Weltmeister

Doch auch Vettel kam im Laufe der Saison zwei Mal aufgrund der defekten Lichtmaschine nicht ins Ziel.

"Hätte, Wenn und Aber ist wurscht. Am Ende ist wichtig, dass wir es geschafft haben", strahlte der Heppenheimer.

Es sind die Worte eines hoch verdienten Weltmeisters.

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