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Mark Webber (r.) feiert mit Adrian Newey seinen zweiten Platz in Südkorea © getty

Red-Bull-Star Mark Webber schwärmt in höchsten Tönen von Design-Ass Adrian Newey - und heizt eine Diskussion aus dem WM-Kampf an.

Von Marc Ellerich

München - Wie der Neujahrsgruß wohl bei Red Bull ankommen wird?

Bullen-Pilot Mark Webber hat im Gespräch mit "autosport.com" die außergewöhnliche Rolle von Design-Guru Adrian Newey im Weltmeister-Team hervorgehoben - und damit kaum verhohlen die Meinung von Sebastian Vettels WM-Widersacher Fernando Alonso bestätigt. (DATENCENTER: WM-Fahrerwertung)

"Er gibt hier den Takt vor und ragt heraus, wenn es um das Design des Autos geht und die Auffassung von seiner Entwicklung zu einem bestimmten Zeitpunkt", sagte der Australier.

So eine Persönlichkeit brauche ein Formel-1-Rennstall, um erfolgreich zu sein, fügte Vettels Teamkollege hinzu.

Außergewöhnliche Rolle

In der Formel 1 gehe es darum, hinter den Kulissen des Teambetriebs die schnellste Rennmaschine zu bauen, so Webber: "Adrian verliert das nie aus dem Blick und hat einen enormen Einfluss."

Die außergewöhnliche Rolle des englischen Aerodynamik-Genies ist den Konkurrenten des österreichisch-englischen Erfolgsteams seit langem bewusst. Mehrfach hatten fremde Teams versucht, Red Bull seinen Design-Direktor abspenstig zu machen.

Und auch im spektakulären WM-Kampf der vergangenen Saison kam Newey wieder eine mitentscheidende Rolle zu. Zumindest sah das Vettels heftigster Widersacher so.

"Im Moment kämpfen wir vor allem gegen das Auto von Adrian Newey", bemerkte Ferrari-Star Fernando Alonso nach dem Qualifying des Indien-GP. Vettel war dort auf die Pole-Position gefahren, sein Gegenspieler aus Oviedo hatte sich mit Platz fünf begnügen müssen.

Vettel: Keine One-Man-Show

Alonso war die Überlegenheit des RB8 ein gewaltiger Dorn im Auge, das war seinen kaum kaschierten Spitzen in Richtung der Konkurrenz deutlich anzumerken.

"Die Red Bulls sind in jedem Rennen Erster und Zweiter. Es ist nicht nur Vettel, sondern auch Webber", sagte er und fügte dann hinzu: "Wenn alle das gleiche Auto hätten, würden wir in der WM vorne liegen."

Alonso erntete umgehend Widerspruch, nicht nur von Vettel selbst, der die Bedeutung des Teamworks im Red-Bull-Rennstall hervorhob.

"Adrian ist Teil der Mannschaft, und jeder trägt seinen Teil zum Erfolg bei", sagte der Heppenheimer: "Wir fahren gegen die anderen nicht als One-Man-Show."

Titelschmied Newey

Auch Formel-1-Legende Niki Lauda trat Alonso entgegen.

"Was nützt Newey, wenn es der Fahrer nicht umsetzen kann?", meinte der Österreicher im SPORT1- Interview.

Und am Ende dürfte zählen, was der hochgelobte Chef-Aerodynamiker zur Diskussion beitrug.

Newey, Konstrukteur der Williams-Weltmeister-Boliden von Nigel Mansell, Alain Prost, Damon Hill und Jacques Villeneuve sowie der McLaren, in denen Mika Häkkinen 1998 und 1999 zum Titel raste, lobte nicht sich, sondern Weltmeister Sebastian Vettel in den höchsten Tönen.

Newey begeistert von Vettel

"Sebastian ist ein cleverer Junge, der sehr viel über den Rennsport nachdenkt und aus seinen Fehlern lernt", sagte Newey zu "Sky Sports F1".

"Er ist oft noch spät am Abend in der Box, schaut sich die Daten an und arbeitet mit den Ingenieuren", erklärte er.

"Sebastian sieht sich auch oft seine eigenen On-Board-Aufnahmen an und vergleicht seinen Fahrstil mit dem der anderen Fahrer. Er versucht jede noch so kleine Information für sich zu nutzen. Das ist genau das, was ich auch bei anderen großartigen Fahrern, mit denen ich zusammengearbeitet habe, gesehen habe."

Webbers jüngste Worte dürften dem Mann, der wie Literatur-Genie William Shakespeare aus dem englischen Stratford-upon-Avon stammt, vermutlich schmeicheln. Gefallen werden sie ihm kaum.

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