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Alonso (l.) war 2005 und 2006 Weltmeister, Vettel von 2010 bis 2012 © getty

Der neue SPORT1-Kolumnist Hans-Joachim Stuck bewertet die Chancen der Favoriten und nimmt die deutschen Piloten unter die Lupe.

Aufgezeichnet von Tobias Wiltschek

München - 74 Formel-1-Rennen, zwei Podiumsplatzierungen, zwei Mal Gewinner der 24 Stunden von Le Mans, drei Mal Gewinner der 24 Stunden auf dem Nürburgring, Langstrecken-Weltmeister, DTM-Sieger:

Hans-Joachim Stuck war nicht nur in der Königsklasse des Motorsports erfolgreich unterwegs.

Als SPORT1-Kolumnist kehrt "Striezel" nun in die Formel 1 zurück und wird nach jedem Rennwochenende die Geschehnisse im PS-Elitezirkel fachmännisch begleiten.

"Der Cocktail für eine spannende Saison ist gut angemixt", sagt der Motorsport-Experte bei SPORT1. Vor dem Auftakt in Melbourne (Fr., Freies Training, ab 6 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) schätzt er im SPORT1-Powerranking die WM-Chancen der Top-Piloten und nimmt alle deutschen Fahrer unter die Lupe.

Sebastian Vettel (Red Bull):

Er ist in der absoluten Hochphase seines fahrerischen Könnens. Mit drei WM-Titeln im Rucksack ist er abgeklärt und souverän. Er weiß, dass er in einem Team ist, wo sie wirklich hundertprozentig für ihn arbeiten. Die Testfahrten sind auch gut gelaufen. Er bringt eine Riesenerfahrung mit. Für ihn ist es das Ziel, als jüngster Vierfach-Weltmeister in die Geschichte einzugehen. Das wird aber schwierig werden. In diesem Jahr werden wieder einige versuchen, ihm ein Bein zu stellen. Die Saison ist mit 19 Rennen sehr lang (DATENCENTER: Der Rennkalender).

Fernando Alonso (Ferrari):

Der Spanier wird sicherlich der schärfste Rivale von Vettel werden. Alonso hat sein Auto ja ziemlich gelobt und meinte, es sei 200 Prozent besser als im letzten Jahr. Das nehmen wir ihm mal nicht ganz ab. Aber wenn man ihm in die Augen schaut, braucht man sich um seine Motivation keine Sorgen zu machen. Er ist ein totaler Kämpfer. Im letzten Jahr war es ja wirklich knapp. Im letzten Rennen ging es hin und her. Ich glaube, dass man Alonso auf der Liste ganz oben haben muss. Er wird es Red Bull und Vettel extrem schwer zu machen. Dafür braucht er aber auch die nötige Unterstützung. Ferrari ist eines der Traumteams. Die geben sich auch Mühe, aber es ist auch immer ein bisschen chaotisch dort.

Kimi Räikkönen (Lotus):

Dem Finnen im Renault traue ich es am ehesten zu, die beiden Top-Favoriten zu gefährden. Von ihm haben wir im letzten Jahr schon tolle Vorstellungen gesehen. Ich nehme an, dass sie auch gut weiterentwickelt haben (NEWS: Alles zur Formel 1) .

Lewis Hamilton (Mercedes):

Der Weltmeister von 2008 wollte mal eine andere Luft schnuppern. Er war lange genug bei McLaren. Ich glaube, die Zeit war reif für einen Neuanfang. Er weiß, was er an Mercedes hat. Aber der Silberpfeil hat für ihn auch unbekannte Seiten. In den letzten Jahren war Mercedes nicht vorne. Aber er wird versuchen, unter Ross Brawn das Team zum Erfolg zu bringen. Wenn ihm das gelingt, ist er natürlich der Größte.

Nico Rosberg (Mercedes):

Das teaminterne Duell wieder sicherlich mega-spannend. Rosberg ist dafür bekannt, dass er - ähnlich wie Jenson Button - ein Reifenflüsterer ist. Hamilton zeigt ja allerletzten Einsatz bis zur letzten Rille. Da bin ich mal gespannt, wer am Ende die Nase vorne hat. Für Mercedes ist das eine tolle Ausgangsbasis.

Jenson Button (McLaren):

Wenn der Brite ein gutes Auto hat, ist er vorne mit dabei. Läuft das Paket so weiter, wie es am Schluss der letzten Saison gewesen ist, kann Button auch den WM-Titel einfahren.

Nico Hülkenberg (Sauber):

Der Sauber-Zugang kann die große Überraschung der Saison werden. Selbst die Konkurrenz, die ja selten Lob verteilt, ist von dem neuen Sauber-Auto in Barcelona ganz angetan gewesen. Da es aber auch extrem schmal ist, muss man sehen, wie das mit den Kühlanordnungen im heißen Melbourne funktioniert. Aber der Nico ist ein Top-Mann. Da kann einiges passieren.

Adrian Sutil (Force India):

Bei ihm freut es mich, dass er wieder mit dabei ist. Allerdings ist er vom Team her schon ein wenig limitiert. Ich glaube nicht, dass der Rennstall mit seinen technischen und finanziellen Möglichkeiten zu den drei, vier, fünf Spitzenteams aufschließen kann.