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Vettel (r.) durfte bisher drei WM-Titel feiern (2010, 2011, 2012), Alonso zwei (2005, 2006) © imago

Herausforderer Alonso will den Champion endlich stürzen und überlässt vor dem Saisonstart nichts dem Zufall. Vettel bleibt cool.

Von Tobias Wiltschek

München/Melbourne - Die Freizeitbeschäftigungen der beiden Titelrivalen könnten unterschiedlicher kaum sein.

Während Sebastian Vettel in einer ruhigen Minute gern mal mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone Backgammon spielt, ist Fernando Alonsos Leidenschaft das Twittern.

Seine 1,5 Millionen Follower versorgt er über den Kurznachrichtendienst regelmäßig mit Neuigkeiten aus seinem Leben. Auch über seine Gefühlswelt erteilt er häufig freimütig Auskunft.

Mit gezwitscherten Kampfansagen an Titelverteidiger Vettel hielt er sich - im Gegensatz zum vergangenen Jahr - vor der neuen Saison aber zurück.

Austausch von Nettigkeiten

Stattdessen gab einen Tag vor dem ersten Duell auf der Strecke beim Training zum Australien-GP in Melbourne (Fr., ab 6 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und 6.30 Uhr im LIVE-TICKER) Nettigkeiten - zunächst.

"Seb hat alle Rekorde gebrochen. Das lag nicht nur am Auto. Er ist ein starker Fahrer und großer Herausforderer für die nächsten Jahre", sagte Alonso über den Mann, der ihm in drei Jahren zweimal die WM-Krone vor der Nase weggeschnappt hat.

An seiner Entschlossenheit, endlich den jüngeren Rivalen zu schlagen, ändert das freilich nichts. Der Ferrari-Star nutzte in letzter Zeit zwar kein Twitter, allerdings hielt ihn das nicht davon ab, trotzdem sein Selbstbewusstsein auszudrücken.

Alonso selbstbewusst

"Das vergangene Jahr war das beste meiner Karriere, aber ich bin besser als letztes Jahr", sagte der 31-Jährige vor dem Auftakt zur neuen Saison in Melbourne. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

Doch nicht nur er, auch sein Fahrzeug sei deutlich schneller als zum vergleichbaren Zeitpunkt der vergangenen Saison. "Wir haben jetzt eine bessere Ausgangsposition als 2012", versicherte der Asturier. (NEWS: Alles zur Formel 1)

Ein schlechteres Auto als vor zwölf Monaten hätten sie in Maranello aber auch kaum bauen können. 1,6 Sekunden war der F2012 beim Australien-GP langsamer als Vettels Red Bull.

Nie wieder wollte Alonso so ein Fahrzeug vorgesetzt bekommen. Dafür hat er seinem Team im Winter Feuer gemacht. "Es war nicht schwer, besser zu werden als letztes Jahr. Es wäre schwieriger gewesen, noch schlechter zu sein", sagte Alonso.

Verkorkster Start kostet Titel

Denn der verkorkste Saisonauftakt hat ihm im Nachhinein wohl den Titel gekostet, auch wenn er sich zwischenzeitlich einen Vorsprung von 44 Punkten auf Vettel hatte erkämpfen können.

Am Ende musste er sich - wie schon 2010 und 2011 - dem Heppenheimer geschlagen geben. Nach dem letzten Rennen in Sao Paulo trennten ihn vom alten und neuen Weltmeister gerade einmal drei Punkte.

Vier lächerliche Zähler waren es am Ende der Saison 2010, als Vettel in Abu Dhabi zum ersten Mal die WM-Führung übernahm und damit Weltmeister wurde.

Für Alonso, dessen Team beim damaligen Saisonfinale auf eine falsche Boxenstopp-Strategie gesetzt hatte, war es das erste einschneidende Frusterlebnis im Kampf gegen seinen sechs Jahre jüngeren.

2012 tut weh

Nach dem klaren Sieg von Vettel im Jahr darauf folgte 2012 die dritte und wohl schmerzlichste Niederlage des stolzen Spaniers.

Eine vierte Schmach will der Weltmeister von 2005 und 2006 nun unter allen Umständen verhindern.

"Wir haben den Titel zweimal im letzten Rennen verloren, das ist natürlich eine Extra-Motivation für mich", lautete seine Kampfansage.

Das weiß natürlich auch Vettel. Der jüngste Dreifach-Champion der Formel-1-Geschichte hält sich aber mit Kommentaren in Richtung seines Konkurrenten zurück.

Vettel legt Fokus auf sich

Er konzentriert sich - wie in den vergangenen Jahren auch - ausschließlich auf sich und sein Team. Eine Taktik, die ihm auf dem Weg zu seinen drei Weltmeister-Titeln nicht geschadet hat.

Auf der Pressekonferenz sparte Vettel ebenfalls nicht mit Lob ("Fernando ist einer der am meisten respektierten Fahrer in der Welt"), ließ sich dann aber doch noch auf einen kleinen verbalen Schlagabtausch ein.

"Wir sind eine andere Generation, sind nicht zusammen Kart gefahren", antwortete Alonso auf die Frage nach Gemeinsamkeiten und fügte an: "Aber er sieht wie ein normaler Typ aus."

"Ich kann dich auf ein Red Bull einladen"

Vettel lächelte und erwiderte: "Ich trinke keinen Kaffee, also lade ich Dich nicht zum Kaffee ein, aber ich kann Dich auf ein Red Bull einladen, wenn Du reden willst."

Der Heppenheimer lässt sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen. Nicht einmal von Meldungen, dass sein sportlich bislang unterlegener Herausforderer mehr Geld bekommt als er selbst.

Mit einem angeblich angehobenen Jahressalär von jetzt 22 Millionen Euro soll er Schätzungen zufolge immer noch eine Million weniger verdienen als Alonso.

Stören tut ihn das nicht. "Geld ist nur Mittel zum Zweck, mehr nicht. Mir ist meine persönliche Freizeit wichtiger und dass ich Zeit habe für die wirklich wichtigen Dinge im Leben."

Twittern gehört nicht dazu. "Da bin ich wohl eher altmodisch. Ich verstehe das Mitteilungsbedürfnis nicht so recht", sagte der Red-Bull-Pilot.

Reifen als Fragezeichen

Sportlich bleibt der dreimalige Weltmeister noch vorsichtig, besonders weil die Reifen den Teams wie bereits zu Beginn der vergangenen Saison etwas Kopfzerbrechen bereiten.

"Wir wissen nach den Wintertests alle nicht genau, wo wir stehen. Die Reifen haben in den Tests nicht lange gehalten. Ich hoffe, dass es hier besser wird, sonst kann es richtig lustig werden", sagte Vettel zu den Pneus seiner "Hungry Heidi", wie er seinen neuen RB9 genannt hat.

Die Saison wird laut Vettel alles andere als eine Selbstläufer, seine drei Titel zuvor spielen dabei keine Rolle.

"Wir haben null Punkte wie alle anderen. Die Autos haben sich nicht sehr verändert. Es wird wieder ein langes Jahr und sehr eng", sagte Vettel ? und hofft auf den gleichen Ausgang wie 2012.

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