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Kimi Räikkönen fuhr in der Formel 1 bisher für Sauber, McLaren, Ferrari und Lotus © getty

Der Finne bekommt für seine "überragende Kontrolle" Lob vom Lotus-Boss. Sein Renningenieur stellt Räikkönen gar über Häkkinen.

Von Christoph Lother

München - Seine Vorliebe für ausgiebige Partys ist hinlänglich bekannt, und doch ist Kimi Räikkönen eher ein Vertreter der leisen Töne.

Seine Aussagen sind meist kühl und trocken, den Lautsprecher spielt der "Iceman" nur selten.

Doch diese Charakterzüge beschränken sich keineswegs auf die Privatperson Räikkönen.

Auch auf der Rennstrecke scheinen sie dem Finnen in der laufenden Saison ganz besonders in die Karten zu spielen.

Räikkönen als neuer "Reifenflüsterer"

So schickt sich der 33-Jährige seit seinem überraschenden Auftaktsieg in Australien und Rang sieben beim Großen Preis von Malaysia an, McLaren-Pilot Jenson Button als "Reifenflüsterer" abzulösen.

Button hatte sich diesen Spitznamen durch seine extrem reifenschonende Fahrweise in den vergangenen Jahren erarbeitet, hinkt den Erwartungen mit McLaren nach den ersten zwei Saisonrennen aber weit hinterher.

Stattdessen sorgte Räikkönen durch seine geduldigen und besonnenen Auftritte in Melbourne und Kuala Lumpur nun für allgemeine Begeisterung in der Szene - und will es auch im dritten Saisonrennen in China (Training, Freitag 8 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) so halten.

Lob für Geduld

"Die Verlockung wäre dagewesen, sie zu jagen und so schnell wie möglich aufzuschließen, denn das Auto war schnell, und er fühlte sich darin wohl", sagte Räikkönens Technischer Leiter bei Lotus, James Allison, bei "JA on F1" mit Blick auf die in Melbourne eigentlich schnelleren Boliden von Red Bull und Ferrari.

"Das hat er aber nicht gemacht, er entschied sich dagegen", führt Allison weiter aus.

Und ergänzt: "Stattdessen kroch Runde für Runde ein bisschen näher an sie heran. Diese Geduld, die Reifen wirklich zu konservieren, war entscheidend."

"Überragende Kontrolle"

Überhaupt gerät der Brite angesichts des gefühlvollen Fahrstils seines Piloten regelrecht ins Schwärmen.

Den gesamten Australien-Grand-Prix über habe Räikkönen eine "absolut überragende Gaspedalkontrolle" gehabt.

"Das gilt auch für die Bremsen. Er verlor nicht öfter als zweimal die Traktion im gesamten Grand Prix. Das heißt etwas", so Allison.

Größeres Talent als Häkkinen

Fahrerische Ausnahmequalitäten bescheinigt Räikkönen auch Mark Gillan, der ehemalige Technischen Direktor von Williams.

"Er hat ein einzigartiges Naturtalent als Fahrer. Der Renningenieur, der mit Mika (Häkkinen, Anm. d. Red.) und Kimi gearbeitet hat, hat mir gesagt, dass sein Naturtalent wahrscheinlich besser ist als das von Mika", so Gillan, der einst bei McLaren mit dem Finnen zusammenarbeitete.

Räikkönen selbst lassen diese Lobeshymnen gewohnt kalt.

Räikkönen bleibt cool

"Ich bin nicht hier, um jemanden zufriedenzustellen. Ich versuche, mein eigenes Ding zu machen", sagt er dem Blog des Formel-1-Reporters James Allen, offenbar gänzlich unberührt.

Aktuell macht Räikkönen sein Ding gut.

Immerhin liegt der Champion von 2007 vor dem dritten Grand Prix in China in der Fahrer-WM nur neun Punkte hinter Sebastian Vettel auf Rang zwei - eine starke Bilanz für jemanden, der erst im vergangenen Jahr sein Comeback in der Königsklasse feierte.

Entspanntes Klima führt zum Erfolg

Großen Anteil an seinem derzeitigen Hoch hat nach Räikkönens Ansicht vor allem das Klima innerhalb seines Rennstalls.

"Jedes Team ist anders. Britische und italienische Teams haben eine unterschiedliche Arbeitsweise als das Schweizer Team, wo ich begonnen habe", blickt er auf seine Engagements bei Sauber, McLaren und Ferrari zurück.

Sein derzeitiges Team sei "ein sehr entspanntes. Es ist etwas offener, und es gibt nicht so viel Politik. Die Leute scheinen dort gerne zu arbeiten."

Räikkönen selbst momentan wohl ganz besonders.

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