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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Vettel (l.) holte von 2010 bis 2012 den WM-Titel, Räikkönen 2007 © getty

Der Deutsche und der Finne pflegen eine enge Freundschaft. Die könnte mit zunehmendem Erfolg des "Iceman" aber bedroht sein.

Von Tobias Wiltschek

München - Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen sind dicke Kumpels.

Das bewiesen sie einmal mehr bei der Siegerehrung nach dem Großen Preis von Bahrain.

Auf dem Podest bespritzten sie sich nicht nur mit der Pulle Rosenwasser, das im islamischen Königreich aufgrund des Alkoholverbots den sonst üblichen Champagner ersetzt.

Sie klopften sich auch anerkennend auf die Schulter und tauschten Nettigkeiten aus: Vettel als Sieger und Räikkönen als Zweiter (DATENCENTER: Renn-Ergebnis).

Räikkönen: Wir sind Freunde

"Es ist grundsätzlich schwierig in der Formel 1, mit jemandem befreundet zu sein. Aber wir beide sind es", erläutert Lotus-Pilot Räikkönen in der "Sport-Bild".

Vettel wiederum mag die unaufgeregte Art des Finnen, der ihn im Gegensatz zu Fernando Alonso nicht ständig mit martialischen Kampfansagen nervt.

"Er redet keinen Unsinn", lobt der Heppenheimer den "Iceman", der den Weltmeister nach dem Rennen in Bahrain in seinem Privatjet mitgenommen hat.

Wie lange aber werden die beiden noch so locker miteinander umgehen?

Nur zehn Punkte Vorsprung

Schließlich könnte Räikkönen in dieser Saison zum härtesten Konkurrenten des Deutschen im Kampf um den Titel werden. Nach vier Rennen beträgt der Vorsprung des Red-Bull-Piloten auf den zweitplatzierten Finnen gerade einmal zehn Punkte (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

"Bullen"-Motorsportchef Helmut Marko hat höchsten Respekt vor der Leistung des 33-Jährigen und dessen Rennstalls. "Uns war schon lange klar, dass Lotus der schärfste Gegner sein wird. Lotus fürchten wir momentan mehr als Ferrari", sagte er der "Kleinen Zeitung".

Vor allem der schonende Umgang des E21 mit den Reifen lässt den Österreicher staunen. "Was die Lotus im Rennen so schnell macht, ist uns ein Rätsel", räumte Marko ein.

Iceman braucht weniger Stopps

Wie schon zum Saisonauftakt in Melbourne, als er gewann, konnte sich Räikkönen auch auf dem Wüstenkurs in Sakhir im Vergleich zu Vettel einen Aufenthalt in der Boxengasse sparen.

"In den ersten vier Rennen waren sie sehr schnell. Sie haben die Reifen ganz gut im Griff", zollte auch der dreimalige Champion dem Team aus Enstone Respekt. Dabei scheinen die Lufttemperaturen für die Performance der Lotus-Renner keine Rolle zu spielen.

Beide Lotus-Piloten auf dem Podium

Bei relativ kühlen Bedingungen wie in Melbourne und Schanghai fuhr Räikkönen genauso aufs Podium wie im heißen Bahrain, wo auch Teamkollege Romain Grosjean als Dritter überzeugen konnte.

Räikkönens Teamchef Eric Boullier stachelt den Zweikampf schon mal mit markigen Worten an. "Er wird Vettel definitiv unter Druck setzten", kündigte der Franzose an. "Vielleicht bricht Sebastian ja unter diesem Druck zusammen".

Die einzige Schwäche des "Iceman" ist bislang das Qualifying. Bis auf den China-GP, als er Zweiter wurde, konnte er sich nie für die ersten drei Startreihen qualifizieren.

Probleme mit den Medium-Reifen

Boullier will von einer grundsätzlichen Schwäche der Schwarz-Goldenen auf einer schnellen Runde jedoch nichts wissen. Man habe lediglich bei den Medium-Reifen ein Problem mit der Balance, meinte er bei "Autosport".

Ansonsten hat Lotus mit den Pirelli-Pneus bislang weitaus weniger Probleme als Red Bull, weshalb sich Räikkönen und Vettel auch ausnahmsweise einmal nicht einig sind.

Während sich der 25-jährige Hesse uns sein Team über die weichen Reifenmischungen beschweren, wünscht sich der acht Jahre ältere Finne keine Veränderungen: "Ich denke, Pirelli wird es nie allen recht machen können. Das sollten sie auch wirklich nicht versuchen."

Wechsel-Gerüchte

Gut möglich, dass sie das Thema im kommenden Jahr als Teamkollegen besprechen. Schon seit Wochen kursieren Gerüchte, wonach der "Iceman" 2014 zu Red Bull wechseln wird. Marko wird aber nicht müde, zu betonen: "Fahrerentscheidungen fallen bei uns frühestens im August."

Fährt Räikkönen auch weiterhin so stark, könnte sich bis dahin bereits aus der Freundschaft eine Rivalität entwickelt haben.

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