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Sebastian Vettel (l.) hat nach vier Rennen 30 Punkte Vorsprung auf Alonso © getty

In Barcelona will Vettel den Siegen der deutschen Klubs gegen Spanien den nächsten folgen lassen. Alonso baut auf den Heimvorteil.

Von Tobias Wiltschek

München - Im Fußball haben die Spanier zuletzt bittere Niederlagen gegen Deutsche hinnehmen müssen.

Nach den Siegen des FC Bayern gegen den FC Barcelona und von Borussia Dortmund gegen Real Madrid wird bereits der Abgesang auf die spanische Kicker-Dominanz intoniert.

In der Formel 1 fährt der stolze Asturier Fernando Alonso auch in dieser Saison dem Hessen Sebastian Vettel bislang nur hinterher. Nach vier teilweise unglücklich verlaufenen Rennen beträgt der Rückstand des zweimaligen Weltmeisters auf den Champion der vergangenen drei Jahre satte 30 Punkte (DATENCENTER: Die Fahrerwertung).

Ehre der Spanier

In Barcelona (Training, Fr., ab 10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) aber bietet sich für den Ferrari-Star die Möglichkeit, vor eigenem Publikum die Ehre der Spanier wieder herzustellen.

Obwohl er bekennender Real-Fan ist, genießt er in Katalonien jedes Jahr die große Unterstützung der Zuschauer.

"Von der ersten Runde am Freitag an spürt man die Leidenschaft der Fans. Das motiviert einen, das gewisse Extra zu geben, um sicherzustellen, dass sie feiern können", sagte Alonso. "Das Gefühl hier ist immer sehr speziell."

Eine besondere Atmosphäre erwartet auch Vettel, allerdings nicht die freundlichste. Schließlich hatte sich sein Wunsch vor dem Halbfinal-Spielen der Champions League erfüllt.

Vettel hofft auf kalten Empfang

"Ich drücke den deutschen Klubs natürlich die Daumen und hoffe, dass wir dann in Barcelona nicht ganz so höflich empfangen werden", hatte der Heppenheimer in der vergangenen Woche noch frech verkündet.

Nun will er den Spaniern die dritte sportliche Niederlage innerhalb von wenigen Tagen beifügen.

Dass ihn Gegenwind dabei eher motiviert als hindert, hat der Red-Bull-Pilot erst kürzlich unter Beweis gestellt. Nachdem er für die Missachtung der Stallorder beim Malaysia-GP auch teamintern heftig kritisiert worden war, verteidigte er in China die WM-Führung und baute sie in Bahrain mit einem überlegenen Sieg aus.

Zehn Punkte vor dem Iceman

Mit einem Vorsprung von zehn Punkten auf den zweitplatzierten Kimi Räikkönen reist Vettel dorthin, wo er 2011 nach einem harten Kampf gegen Lewis Hamilton triumphieren konnte.

Doch nicht nur deshalb freut er sich auf die Strecke: "Sie vereint alle Arten von Kurven und macht daraus einen tollen Mix. Mein liebster Teil ist aber immer noch der erste Sektor, weil er echt schnelle Ecken hat."

In den schnellen Kurven war Red Bull bislang dank des überragenden Abtriebs den Konkurrenten voraus. Allerdings sorgte dieser Abtrieb zuletzt auch immer wieder dafür, dass sich die Reifen stark abnutzten.

Wie sich die von Pirelli veränderte harte Mischung in diesen Bereichen verhält, kann erst ab dem freien Training am Freitag beurteilt werden.

Chefdesigner nicht zufrieden

Alonsos Ferrari ist bislang schonender mit den Gummiwalzen umgegangen. Dennoch sind die Roten nicht zufrieden mit den Ergebnissen der ersten vier Rennen.

"Einiges deutet daraufhin, dass wir um Siege und um den WM-Titel kämpfen können", sagte Chefdesigner Nikolas Tombazis. "Dennoch würde ich uns bei der Bewertung unserer allgemeinen Performance nur sechs von zehn Punkten geben."

Neben dem Ausfall in Malaysia schmerzt die Scuderia immer noch das DRS-Problem bei Alonsos F138 in Bahrain, wo er nur auf dem achten Platz landete und 21 Punkte auf Sieger Vettel verlor.

Erster Heimsieg seit 2006?

Damit sich das nicht noch einmal wiederholt, hat man bei Ferrari zuletzt hart gearbeitet. "Heute haben wir die Vorbereitungen abgeschlossen. Es waren sehr positive Tage", twitterte Alonso am Dienstag.

Am Sonntag will er dann die Früchte ernten. Mit dem ersten Erfolg in Barcelona seit 2006 könnte er nicht nur sich selbst, sondern auch viele spanische Sportfans wieder etwas glücklicher machen.