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Peter Sauber schaut Hülkenberg hinterher: Der Deutsche ist bei Lotus im Gespräch © imago

Trotz immenser Schulden glaubt das Schweizer Team an seine Zukunft. Perez' Wechsel schmerzt, Rettung könnte aus Russland kommen.

München - Ein Blick auf Nico Hülkenberg erzählt eigentlich schon die ganze Geschichte.

Die vielen freien Werbeflächen auf seinem Rennanzug und Wagen verraten: Sauber steckt in akuter Not, Sauber kämpft ums Überleben.

Weil die Sponsorensuche stockt, steht der Schweizer Traditionsrennstall in der Formel 1 vor dem finanziellen Kollaps.

Sauber kämpft "wie ein Löwe"

Angeblich wird Sauber von einer Schuldenlast von rund 100 Millionen Euro nahezu erdrückt, Zwangsvollstreckungen drohen, weil Lieferanten nicht mehr bezahlt werden können.

Die Lage ist ernst. Es ist eine der schwierigsten Situationen, seit ich im Motorsport bin", sagte Temgründer Peter Sauber in einem Interview mit dem "Blick": "Es tut extrem weh."

Der 69-Jährige leidet unter der Situation - und ringt hinter den Kulissen um sein Lebenswerk. "Ich kämpfe wie ein Löwe", sagte Sauber und verspricht: "Wir werden in einigen Tagen eine Lösung haben. Wir kommen zurück."

Rückkauf ein finanzieller Kraftakt

Ein vorzeitiges Saison-Aus des auch sportlich ins Schlingern geratenen Teams von Hülkenberg stehe nicht zur Debatte. Im Gegenteil. "Wir fahren nicht nur diese Saison zu Ende. Sondern wir werden noch viele Jahre in der Formel 1 sein", sagte Sauber, dessen Team seit 1993 in der Königsklasse des Motorsports fährt.

Doch für Sauber wurde es zuletzt immer schwieriger, die Millionensummen für einen vernünftigen Etat in der Formel 1 zusammenzukratzen. Wie es scheint, hat sich Patron Sauber beim Rückkauf seines Teams von BMW vor vier Jahren übernommen.

Das sei ein "absoluter Kraftakt" gewesen, sagte Sauber: "Ich bin kein Träumer. Ich wusste, worauf ich mich einlasse. Und dass die ganze Sache schwer zu stemmen ist."

Hülkenberg vor dem Absprung

Zudem wechselte vor der Saison der so genannte Pay-Driver Sergio Perez zu McLaren und nahm seine zahlungskräftigen Sponsoren aus Mexiko gleich mit.

Im Gegensatz zu Perez brachte Hülkenberg kein Geld mit, der talentierte Emmericher kostet welches - und wartet seit Monaten auf sein Gehalt. "Das ist keine einfache Situation. Sie belastet mich aber nicht", sagte der 25-Jährige zuletzt.

Hülkenberg soll seinen Vertrag allerdings bereits gekündigt haben, um jederzeit zu einem anderen Team wechseln zu können. Lotus ist im Gespräch (Bericht). Teamchefin Monisha Kaltenborn sagte bereits, dass sie ihm "keine Steine in den Weg legen" wird.

Rettung aus Russland?

Doch noch ist Sauber von der Rettung seines Rennstalls überzeugt. Gemeinsam mit Kaltenborn führt er Verhandlungen mit zwei potenziellen Sponsoren, die frisches Geld in die Kassen spülen sollen.

Die Gespräche stünden "kurz vor dem Abschluss. Nochmals: Ich bin überzeugt, dass uns die Rettung gelingt."

Die neuen Geldgeber könnten aus Russland kommen. Das weltweit größte Erdgasförderunternehmen Gazprom, das eng mit Präsident Putin verbandelt ist, und eine russische Bank sollen an einer Partnerschaft interessiert sein. Schweizer Medien berichten von "zwei seriösen Investoren", die Interesse zeigen, bei Sauber einzusteigen.

Nur vier Rennställe schauen nicht aufs Geld

Ohnehin sei die Situation nicht so dramatisch, wie sie in der Öffentlichkeit dargestellt werde. Die kursierenden Zahlen "stimmen nicht", meinte Sauber: "Wir haben noch niemanden entlassen und haben die Löhne immer pünktlich bezahlt."

Und doch steht Sauber beispielhaft für eine besorgniserregende Entwicklung in der Formel 1. Wie die Schweizer kämpft mehr als die Hälfte aller Rennställe ums Überleben in dem so kostspieligen Zirkus.

Die Rennserie frisst sich selber auf. Nur Red Bull (mit Toro Rosso), Mercedes und Ferrari müssen nicht auf jeden Euro schauen.

Die Schwere wird immer größer

"Man muss die Formel 1 verstehen. Die wird immer gigantischer und teurer. Es gibt viele Teams mit enormen Problemen", sagte Sauber.

Das System krankt und offenbart einen Teufelskreis. Für schlechte Resultate gibt es kaum Preisgeld von Promoter Bernie Ecclestone. Doch ohne diese Gelder lassen sich keine schnellen Autos bauen.

Die sind aber der Garant für gute Ergebnisse, damit für Erfolge, die wiederum mehr Preisgeld und Aufmerksamkeit für Sponsoren nach sich ziehen.

Und so wird die Schere zwischen Arm und Reich in der Formel 1 immer größer. Ein Blick auf Hülkenberg erzählt eigentlich schon die ganze Geschichte.

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