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Daniel Ricciardos bestes Ergebnis ist der 7. Platz beim China-GP 2013 © getty

Der Australier sticht Ex-Weltmeister Räikkönen aus. Vettel bleibt die unumstrittene Nr. 1, eine Stallorder ist aber tabu.

Hamburg - Nobody statt Ex-Weltmeister, Sonnyboy statt Grantler:

Daniel Ricciardo wird der neue Teamkollege von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel.

Red Bull beendete am Montag die Spekulationen um das begehrteste Cockpit im Rennzirkus und ernannte den Australier zum Nachfolger seines Landsmannes Mark Webber ab der Saison 2014.

"Eine logische Entscheidung"

Ricciardo wechselt vom kleineren Schwesterteam Toro Rosso zu den Bullen und erhält einen längerfristigen Vertrag über mindestens drei Jahre.

"Er war von allen Kandidaten der jüngste. Das ist eine logische und vernünftige Entscheidung. Wir sind bei Red Bull immer auf Kontinuität aus gewesen", sagte Motorsportdirektor Helmut Marko bei "Sport und Talk im Hangar-7" auf "ServusTV": "Daniel hat kontinuierlich die Leistung gebracht und sich immer gesteigert."

Ricciardo selbst meinte: "Das sind großartige Neugikeiten für mich, ein spannender Moment in meiner Karriere. Ich habe dafür hart gearbeitet. Das wird ein neuer Schritt, eine neue Herausforderung. Ich freue mich darauf."

Abfuhr für Räikkönen

Ricciardo galt schon lange als Favorit auf den Platz neben Vettel, Red Bull wollte den Deal aber bisher nicht als perfekt melden.

Neben dem Australier galt auch Vettels Kumpel und Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen (Lotus) als möglicher Anwärter auf den Job. Doch am Ende setzte sich der 24 Jahre alte Nobody gegen die namhaftere Konkurrenz um den Finnen durch (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Über seinen neuen Teamkollegen Vettel sagte Ricciardo einmal augenzwinkernd: "Ich komme echt gut mit ihm aus. Wir sind beide noch jung, er ist für einen Deutschen auch ziemlich nett."

Keine Vorteile für Vettel

Vettel ist und bleibt nach der Beförderung Ricciardos der uneingeschränkte Herrscher im Reich der Bullen, auch wenn Marko sagte: "Es gibt keine Stallorder. Sie haben den gleichen Status, das gleiche Material. Der Bessere wird gewinnen."

Eine Verpflichtung des ehemaligen Champions Räikkönen hätte den Nummer-1-Status der Vorzeigefahrers aus Heppenheim infrage gestellt.

Ricciardo schwärmt von Vettel

Ricciardo wird trotz großen Talents noch nicht zugetraut, Vettel herausfordern zu können.

Der Punk-Fan wird wissen, wo sein Platz ist und im Gegensatz zu Webber Zoff mit Vettel aus dem Wege gehen.

"Wir werden diese Woche in Monza mteiander reden", sagte Ricciardo: "Ich hoffe, wir können uns gegenseitig Druck machen. Ich kann viel von Sebastian lernen. Er ist ein unglaublicher Fahrer."

Kein Bullen-Zwist mehr

Nach drei Jahren Dauerzwist zwischen Vettel und Webber soll wieder Ruhe einkehren im Bullen-Stall.

Zudem gilt der Sonnyboy aus Perth als Idealbesetzung für den australischen Markt, der für Red Bulls Marketingmaschine immer wichtiger wird.

Webber, der sich in den vergangenen Jahren immer wieder Streitigkeiten mit Vettel geliefert hatte, gab im Sommer seinen Abschied aus der Formel 1 bekannt. Der 37-Jährige wechselt zum Jahresende zu Porsche in die Langstreckenweltmeisterschaft.

Ricciardo geht seinen Weg

Ricciardo entstammt wie Vettel der Nachwuchsförderung von Red Bull.

Motorsportdirektor Helmut Marko war Ricciardos Talent 2008 aufgefallen, als er den amtierenden Champion in der Formel Renault nach Salzburg in die viel gerühmte Rennfahrer-Akademie des Brausekonzerns holte.

2011 feierte Ricciardo, der leidenschaftlicher Sammler von Figuren des Motorrad-Stars Valentino Rossi und Anhänger von Manchester United ist, sein Formel-1-Debüt im HRT - 2012 wechselte er dann zu Toro Rosso.

"Formel-1-Pilot ein Traumjob"

Ricciardo gilt als absoluter Gute-Laune-Onkel des Fahrerlagers: Immer freundlich, immer gut gelaunt und immer höflich.

Oft spaziert er laut pfeifend und grinsend in kurzen Hosen und Badeschlappen durch die Boxengasse.

"Wir Australier sind meistens freundliche Menschen, damit wachsen wir auf", sagt Ricciardo, der schon seit jahren mit seiner Freundin Jemma Boskovich skandalfrei liiert ist, "außerdem ist Formel-1-Pilot ein Traumjob. Wenn mich der nicht glücklich macht, dann gibt's im Leben wahrscheinlich nicht viel, was mich glücklich machen würde."

Angriff auf der Strecke?

Nur im Auto verwandelt er sich - genau wie Vettel - zu einem Killer mit Babyface.

Beide suchen auf der strecke bedingungslos ihren Vorteil. Ricciardos Fahrstil wurde schon mit dem des legendären Ayrton Senna verglichen.

Doch noch ist er ein Nobody.

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