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Räikkönen (l.) liegt nach 11 von 19 Rennen auf Platz vier der WM-Wertung © getty

Trotz des geplatzten Red-Bull-Deals hat Räikkönen einige Optionen für 2014. Die Ferrari-Rückkehr könnte am Sponsor scheitern.

Von Tobias Wiltschek

München - So richtig heiß war der Flirt wohl ohnehin nicht.

Jetzt ist es amtlich, dass Sebastian Vettel bei Red Bull auch weiterhin ohne seinen Kumpel Kimi Räikkönen auskommen muss.

Wie die "Bullen" am Montag vermeldeten, wird der schon lange als Top-Favorit gehandelte Daniel Ricciardo Nachfolger von Mark Webber (Bericht).

Der "Iceman" hat indes eine Option weniger für die kommende Saison. Die Spekulationen um die Zukunft des Finnen werden deshalb aber nicht weniger werden - ganz im Gegenteil.

Pokern und Warten

Schließlich kann es sich der begehrte Weltmeister von 2007 trotz der verpassten Red-Bull-Chance erlauben, weiter zu pokern und abzuwarten, welches Team ihm im nächsten Jahr die besten Titelchancen bieten kann.

Bei seinem derzeitigen Rennstall Lotus sieht er die im Moment offensichtlich noch nicht. Ansonsten hätte er den neuen Vertrag mit den Schwarz-Goldenen schon längst unterschrieben (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Zwei Dinge aber will Räikkönen vorher geklärt wissen: Die vollständige Zahlung seines üppigen Jahresgehalts von angeblich 18 Millionen Euro und die Wettbewerbsfähigkeit seines Dienstwagens.

Hoher Schuldenberg

Trotz der bekannten Zahlungsschwierigkeiten des mit 100 Millionen Euro verschuldeten Rennstalls meint Teambesitzer Gerard Lopez, Räikkönen würde die weitere Zusammenarbeit nicht primär von der zuverlässigen Zahlung seines Gehalts abhängig machen.

"Sein Hauptanliegen ist es, dass wir auch im nächsten Jahr ein Top-Team sind. Denn in der kommenden Saison stehen bedeutende technische Änderungen an", sagte der Luxemburger bei "Autosport".

Da ab 2014 neue Turbo-Motoren eingesetzt werden, gilt ein kurzer Draht zu den Motoren-Lieferanten als wichtige Voraussetzung im Titelkampf. Daher drängt Räikkönen auf eine stärkere Zusammenarbeit seines Teams mit Renault.

Lopez bestätigt entsprechende Überlegungen, muss aber einräumen: "Ein neuer Motoren-Vertrag ist noch nicht unterzeichnet."

Ferrari im Vorteil

Wohl auch deshalb werden in nächster Zeit die Gerüchte um eine Rückkehr des "Iceman" zu Ferrari nicht abreißen. Denn die Scuderia produziert als Werksteam ihre Aggregate praktisch selbst und hat damit gegenüber den meisten anderen Rennställen einen großen Vorteil.

Bei diesen Aussichten könnten auch alte gekränkte Eitelkeiten in den Hintergrund rücken. Ende 2009 ekelte Ferrari Räikkönen bekanntlich weg, um Fernando Alonso zu verpflichten.

"Ich habe immer noch Freunde dort, mit denen ich regelmäßig spreche", betonte der 33-jährige Finne neulich.

Und Alonso twitterte am Sonntagabend vielsagend: "In den nächsten Tagen werde ich wichtige Neuigkeiten haben. Bleibt dran auf Twitter und im Internet." Die Ankündigung bezog sich aber nicht auf einen neuen Teamkollegen, sondern auf seinen angestrebten Kauf des finanziell angeschlagenen Rad-Rennstalls Euskaltel Euskadi.

Alonso soll Titel holen

Davon abgesehen, steht einem Wechsel von Räikkönen zu Ferrari vor allem das Engagement der spanischen Bank Santander im Weg. Der Sponsor pumpt nach Informationen von "Motorsport-total.com" jährlich rund 30 Millionen Euro ins Team, um den Spanier Alonso zum Weltmeister zu machen.

Ein gleichwertiger Gegner wie Räikkönen passt da weitaus weniger ins Konzept als ein "Wasserträger" wie der derzeitige Teamkollege Felipe Massa. Neben dem Brasilianer machen sich mit Nico Hülkenberg (Sauber) und Adrian Sutil (Force India) auch zwei Deutsche noch Hoffnungen auf das zweite Ferrari-Cockpit für 2014.

Hülk als Iceman-Nachfolger?

Hülkenberg ist aber auch bei Lotus im Gespräch, falls sich Räikkönen vom Team aus Enstone verabschiedet.

Bis das aber feststeht, wird noch einige Zeit vergehen. Zumal der "Schweiger von Espoo" noch zwei weitere Optionen hat.

Bei McLaren könnte er Nachfolger von Jenson Button werden, dessen Vertrag nach schwankenden Leistungen noch nicht verlängert wurde.

Oder er kehrt der Formel 1 ganz den Rücken. Das hat er nach 2009 schon einmal gemacht und ist ihm jederzeit wieder zuzutrauen.

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