Mit einem Sieg in Ferrari-Land Monza würde Vettel seinen großen Rivalen nicht nur im Titelkampf entscheidend schwächen.

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Von Tobias Wiltschek

München - Die Weltmeisterschaft ist noch nicht entschieden.

Sie wird auch nach dem Großen Preis von Italien (Training Fr., ab 9.55 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE im TV auf SPORT1) noch offen sein - zumindest theoretisch.

Selbst wenn Sebastian Vettel mit seinem sechsten Saisonsieg seinen Vorsprung auf bestenfalls 71 Punkte ausbauen könnte, wird er sämtliche Glückwünsche zum anvisierten vierten Titel in Folge dankend ablehnen (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Alle anderen Reaktionen wären unvorstellbar. Denn der Heppenheimer lässt sich von Vorschusslorbeeren genauso wenig ablenken wie durch andere Nebengeräusche im aufgeregten PS-Elitezirkel.

"Er weiß, was er will"

"Er weiß, was er will, und verfolgt seine Ziele ohne Schnörkel", schreibt einer seiner größten Förderer, Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost, in einem Gastbeitrag für "Die Welt".

Dank seiner mentalen Stärke stehe Vettel auf einer Stufe mit den erfolgreichsten Formel-1-Piloten der Geschichte, so der Österreicher: "Er besitzt das Format von Ayrton Senna, Alain Prost oder Michael Schumacher."

Unter Tost begann 2008 Vettels Erfolgsgeschichte mit dem Sensationssieg in Monza. Im Toro Rosso fuhr er damals nicht nur auf die Pole-Position, sondern verteidigte sie im Regenrennen auch noch bis ins Ziel.

"Diese Strecke ruft großartige Erinnerungen in mir hervor", sagte der mittlerweile 26-jährige Red-Bull-Pilot, "vor allem natürlich an meinen ersten Grand-Prix-Sieg 2008. Ich kann das Gefühl nicht beschreiben, erstmals ganz oben auf dem Podium gestanden zu haben - bei diesen leidenschaftlichen Fans. Ein Gänsehautmoment."

Eine der Lieblingsstrecken

Seitdem gehört der Traditionskurs in der Nähe von Mailand für den mittlerweile 26-jährigen Red-Bull-Piloten zu den absoluten Lieblingsstrecken.

"Wenn du in der Startaufstellung in Monza stehst, rechts und links von dir Menschenmauern sind, dann spürst und denkst du: Sehr viel mehr kann dir das Rennfahrer-Leben nicht mehr bieten", wird Vettel in "Motorsport aktuell" zitiert.

Ausgerechnet auf dieser Strecke, praktisch vor der Haustür von Ferrari, könnte er also seinen ewigen Rivalen Fernando Alonso demütigen und zumindest für eine Vorentscheidung im WM-Kampf sorgen (Bericht: Vettel-Rivalen rätseln).

Der Spanier will sich vor dem Heimrennen der Scuderia im WM-Kampf zwar noch nicht geschlagen geben und "hoffentlich vor Sebastian landen, um ein paar Punkte gutzumachen".

Keine Attacken von Alonso

Doch unerschütterlich daran zu glauben scheint der stolze Asturier nicht mehr. Der sonst so angriffslustige Alonso verzichtete auf die üblichen Attacken gegen Vettel auf Facebook, seine Gemeinheiten bei Twitter und die Seitenhiebe in den Presserunden.

Stattdessen säuselte er lauwarme Worte an die PS-verrückten Ferrari-Fans, die zu wieder zu zig-tausenden an die Strecke pilgern werden. "In Monza möchten wir den Tifosi ein Lächeln schenken", sagte Alonso, "es ist für uns das wichtigste Rennen des Jahres."

Der zweimalige Weltmeister hat einen Samurai-Kämpfer auf dem Rücken tätowiert - aber er schwingt das Schwert nicht mehr so entschlossen (Bericht: Samstagsfahrer aus Maranello).

Vor zwei Wochen in Belgien hatte Alonso vielleicht das beste Rennen seiner Karriere gemacht, war von Rang neun auf Platz zwei vorgeprescht, hatte dabei drei ehemalige Weltmeister überholt.

Kaum zu ertragende Qual

Doch an einem kommt er wie in Spa einfach nicht vorbei: Vettel. Für Alonso ist das eine kaum zu ertragende Qual. Vor Vettel war schließlich der mittlerweile 32-Jährige das Wunderkind der Formel 1, jüngster Weltmeister der Geschichte.

Den Heppenheimer hat Alonso ja noch als Jungen mit Zahnspange kennengelernt - und jetzt ist aus dem Bubi ein gefräßiger Rennroboter geworden, der sich schlicht weigert, zu verlieren.

Und ausgerechnet in Monza droht nicht nur Ferrari, sondern auch Alonso selbst die die nächste Demütigung: Mit einem Sieg würde der sechs Jahre jüngere Vettel nach Grand-Prix-Triumphen mit Alonso gleichziehen. Beide kämen dann auf 32 Siege.

Für Vettel wäre das wohl genauso wichtig wie die damit verbundene Vorentscheidung im WM-Rennen.

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