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Lewis Hamilton hat bereits 22 Formel-1-Rennen für sich entschieden © getty

Seine Ingenieure impfen dem Briten wieder den Glauben an den großen Coup ein. Ex-Motorsportchef Haug sieht keinen Negativtrend.

Von Tobias Wiltschek

München - Was ein Gespräch mit den Ingenieuren nicht alles bewirken kann.

Direkt nach dem Rennen zum Großen Preis von Italien (Bericht) hatte Lewis Hamilton den Traum vom Titel schon abgeschrieben.

"Als ich aus dem Auto stieg, war ich wütend und dachte mir, dass es das gewesen ist", sagte der Mercedes-Pilot nach seinem neunten Platz in Monza. "Dann aber habe ich mit meinen Ingenieuren gesprochen, und ich werde nicht aufgeben."

Theoretische Titelchance

Was sie ihm da genau gesagt haben, war zwar nicht zu erfahren. Vermutlich aber werden sie ihn darauf hingewiesen haben, dass der WM-Triumph theoretisch noch möglich ist - trotz 81 Punkten Rückstand auf WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel und nur noch sieben ausstehenden Rennen (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Die Aufholjagd muss er also schon beim kommenden Grand Prix von Singapur am 22. September starten. Hoffnung macht dem Briten, dass seinem Silberpfeil diese Strecke liegen dürfte.

Auf dem Stadtkurs wird mit ebenso viel Abtrieb gefahren wie auf dem Hungaroring in der Nähe von Budapest, wo Hamilton Ende Juli seinen ersten und bislang einzigen Sieg für Mercedes herausfahren konnte.

Wolff erhört Hamilton

"Ich hoffe, dass wir dort stark sein werden", meinte der Weltmeister von 2008, nahm im gleichen Atemzug aber auch sein Team in die Pflicht: "Hoffentlich kommen auch einige Verbesserungen."

Diesen Wunsch bekommt er erfüllt, kündigte Motorsportchef Toto Wolff an. "Es werden neue Teile für Singapur und auch für Korea kommen", sagte der Österreicher.

Erst danach werde man analysieren, wann die Entwicklung des aktuellen Autos zugunsten des 2014er Modells gestoppt werde, so Wolff: "Da sind wir ziemlich flexibel."

Einen Negativtrend wollte der 41-Jährige nach Spa und Monza nicht erkennen, obwohl die Silberpfeile mittlerweile ihren zweiten Platz in der Team-Wertung an Ferrari verloren haben.

Drei Punkte hinter Ferrari

"Man kann nicht erwarten, dass man vor jedem Rennen auf der Pole-Position und nach jedem Rennen auf dem Podium steht", betonte er: "Vor allem, wenn man bedenkt, wo wir noch im vergangenen Jahr standen."

Alle seien immer noch motiviert. "Manchmal braucht es eben einen kleinen Kick, um wieder zurück in die Spur zu finden", so Wolff.

Bei derzeit drei Punkten Rückstand auf Ferrari ist in der Konstrukteurs-Wertung tatsächlich noch alles drin im Kampf um Platz zwei.

Der würde bekanntlich dem britisch-deutschen Rennstall einen extra Bonus von zehn Millionen aus dem Prämientopf der Formel 1 sichern.

Haug sieht Silber auf gutem Weg

Dass sie Red Bull noch einholen können, wird dagegen immer unwahrscheinlicher. Stolze 107 Punkte trennen die Silberpfeile vom enteilten Vettel-Team.

"In diesem Jahr Red Bull noch zu holen, ist praktisch unmöglich", betonte Wolffs Vorgänger Norbert Haug bei "ServusTV": "Ich denke aber, dass Mercedes gut aufgestellt sein wird. Auch bei Red Bull hat es fünf Jahre gedauert, das Team aufzubauen. Mercedes ist im vierten Jahr und ich denke, es ist soweit alles im Plan."

Die jüngsten Rückschläge dürfe man nicht zu dramatisch sehen, meinte Haug.

"Ich glaube, dass das im Aufbau einfach normal ist. Es ist wie beim Bergsteigen. Man muss ab und zu mal wieder zurück ins Zwischenlager und Schwung holen."

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