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Sebastian Vettel gewann in Singapur den 33. Grand Prix seiner Karriere © imago

Vettel reagiert äußerlich gelassen auf die vielen Pfiffe gegen ihn. Doch wirklich kalt lassen ihn die Anfeindungen nicht.

Von Tobias Wiltschek

München - Locker schlendert er durchs Fahrerlager, hier ein Autogramm, dort ein freundliches Lächeln.

Ob in Monza, Singapur oder auf den anderen Kursen der großen, weiten Formel-1-Welt - überall präsentiert sich Sebastian Vettel als sympathischer, umgänglicher Typ.

Dass der blonde Hesse immer häufiger zum Ziel lautstarker Buhrufe und Pfiffe wird, kann man daher kaum nachvollziehen.

Und doch gehören die Unmutsbekundungen mittlerweile schon zum gewohnten - wenngleich nicht guten - Ton bei den Siegerehrungen (Bericht).

Viele Beweggründe

Ob nun aus Neid auf seinen Erfolg, ob aus der Rivalität zu seinem Rennstall heraus oder weil Vettel in ihren Augen als Pilot mittlerweile so egoistisch geworden ist wie sein großes Vorbild Michael Schumacher. Die Beweggründe der Fans, ihn auszupfeifen, sind vermutlich mannigfaltig.

Vettel schickt sich an, schon zum vierten Mal in Folge Ferrari-Pilot Fernando Alonso in die Schranken zu weisen. Im zweiten Saisonrennen des Jahres missachtete er die Red-Bull-Stallorder und überholte auf seinem Weg zum Sieg seinen Teamkollegen Mark Webber (BERICHT: Vettel wird zum Buhmann).

Doch wie geht der 26-Jährige damit um, nachdem ihm in seiner noch relativ jungen Karriere bislang eher Jubel und Bewunderung entgegen schwappten?

"Es ist gar nicht wert, darüber groß nachzudenken", gab sich Vettel bei "Sky Sports F1" gleichgültig, als Mann mit einem dicken Fell: "Wenn einige buhen, dann nehme ich das als Kompliment, denn das ist der Neid."

Wie beim FC Bayern

"Euer Neid ist unser Ruhm": Diesen Spruch hört man auch aus dem Umfeld des FC Bayern. Der deutsche Rekordmeister strahlt schon lange die Aura der Unfehlbarkeit aus, der seinen Spielern und Trainern das Sieger-Gen implantiert und sie zu Erfolgsmaschinen macht.

Ein SPORT1-User riet ihm: "Schau auf deinen sportlichen Erfolg! Das ist alles, was zählt. Du kannst stolz darauf sein, ausgebuht zu werden." Ein anderer meinte: "Wer ganz oben steht, und das auch noch über längere Zeit, zieht immer mehr den Hass der Neider auf sich, siehe Klitschkos, FC Bayern, usw."

Doch Vettel ist keine Maschine, er zeigt durchaus Gefühle. Erst am Sonntag bei der Siegerehrung nach seinem Triumph in Singapur liefen Tränen seine Wange entlang (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Reaktion auf Buhrufe

Auch sein Aufsehen erregender "Eier-Spruch" wäre ihm so sicherlich nicht herausgerutscht, wenn ihm die Buhrufe egal gewesen wären. "Wenn sich die anderen die Eier in den Pool hängen, dann sind wir noch da und tüfteln am Auto", erklärte er das Erfolgsrezept der "Bullen".

Red-Bull-Teamchef Christian Horner weiß, dass Vettel die Buhrufe nicht so locker wegsteckt. "Sebastian sagt immer, dass es ihm nichts ausmacht. Aber er hat auch Gefühle", sagte der Brite und nannte die Pfiffe eine "Schande".

Vergleich mit Box-Legende

In diesem Zusammenhang verglich er den Deutschen mit einem der größten Sportstars der Geschichte. "Wenn es jemanden gibt, der ein Seriensieger wird, ist es so wie bei den Leuten, die Muhammed Ali zugesehen haben und ihn verlieren sehen wollten. Das ist auch momentan der Fall - die Leute wollen sehen, wer Sebastian schlägt."

Die Konkurrenten verurteilten die Schmähungen ebenfalls. "Ich war nicht glücklich, als ich gehört habe, dass Vettel auch auf dem Podium in Singapur ausgebuht wurde", sagte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali.

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton ergänzte: "Niemand sollte jemals für seinen Erfolg ausgebuht werden, ganz gleich wie leicht oder schwer es war, dorthin zu kommen."

Dominanz? Nein danke!

So dominant zu sein wie Vettel erscheint ihm nach eigener Aussage nicht erstrebenswert: "Ich möchte nicht so weit voraus sein. Ich möchte immer in der Lage sein, gegen ihn oder wen auch immer zu kämpfen."

Vettel selbst musste schon in seiner Kindheit mit dem Neid der anderen leben. Wie "Motorsport-Total.com" berichtete, wurde er schon als Schuljunge von seinen Mitschülern gehänselt, weil er einen im Go-Kart gewonnen Pokal in seine Klasse mitgebracht hatte.

Von Erfolg zu Erfolg

Seitdem pflastern Erfolge seinen Weg: Meister in der Formel BMW, Einstieg in die Formel 1, jüngster Dreifach-Weltmeister der Königsklasse.

Mit so einer Vita lässt sich sicherlich ein schillernderes Dasein führen als es der Heppenheimer tut. Doch von einem Leben in aller Öffentlichkeit hält er so wenig wie von der Teilnahme an sozialen Netzwerken.

Er ist Profi durch und durch und lebt jeden Tag für seinen Erfolg. Es wäre verständlich, wenn er dafür einfach nur die gebührende Anerkennung bekommen wollte.

Vettel wird aber damit umgehen müssen, dass mit jedem weiteren Sieg auch die Missgunst wächst.

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