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Vettel ist viermaliger Formel-1-Weltmeister
Sebastian Vettel liegt nach sieben Rennen nur auf Rang fünf © getty

Sebastian Vettel lässt seine Zukunft offen und kritisiert sein Team zum wiederholten Mal. Aber auch er macht Fehler.

Von Tobias Wiltschek

München - Sebastian Vettel hat noch immer die höchsten Ambitionen.

Als viermaliger Weltmeister gibt er sich nicht mit weniger als dem ersten Platz zufrieden. Der aber ist derzeit unerreichbar für den erfolgsverwöhnten Hessen.

Selbst als die Überflieger von Mercedes in Kanada geschwächelt haben (Bericht), konnte Vettel davon nicht profitieren und landete nur auf dem dritten Platz (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

Der Frust darüber ist offenbar so groß, dass er erstmals über einen Abschied von Red Bull nachdenkt.

"Ich denke kurzfristig"

"Ich habe einen Vertrag. Aber ich denke kurzfristig, wenn ich jetzt nach meiner Zukunft gefragt werde", wird der 26-Jährige von der "Bild"-Zeitung zitiert.

Noch ist Vettel bis zum Ende der kommenden Saison an die "Bullen" gebunden. Ob er den Vertrag auch erfüllt, ist nach dieser Aussage jedoch unsicherer denn je.

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Der jüngste Champion aller Zeiten hat wohl ernsthafte Zweifel daran, dass er mit seinem aktuellen Auto in dieser Saison um Siege fahren kann.

Zumindest überstand er in Montreal am vergangenen Wochenende erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit einen Grand Prix ohne technische Probleme.

Zu langsam auf der Geraden

Zufrieden war Vettel dennoch nicht, was nicht nur an seinem Fahrzeug lag, das auf der Geraden immer noch zu langsam ist und von ihm deshalb als "Gurke" bezeichnet wurde (Bericht). Vor allem sein Team an der Box bekam seinen Unmut zu spüren, weil er mit der Stopp-Strategie nicht einverstanden war.

"Ich hatte mir gewünscht, dass uns etwas Cleveres mit der Strategie einfällt. Aber das war nicht der Fall. So habe ich dann noch eine Position mehr verloren", ärgerte sich Vettel über seinen zweiten Boxenstopp, den er eigentlich erst später einlegen wollte.

Teamchef Christian Horner wunderte sich über die Kritik: "Uns hat er über Funk gesagt, dass seine Reifen schon am Ende ihrer Lebenszeit gewesen sind und wir mit der Strategie handeln sollen."

Vettel verliert über 1,5 Sekunden

In der Tat lag es wohl eher an Vettel selbst, dass er die Position beim Reifenwechsel an seinen Teamkollegen Daniel Ricciardo verloren hatte. Nach Berechnungen von "auto, motor und sport" war er in der Runde vor und in der Runde nach dem Stopp mehr als 1,5 Sekunden langsamer als der Australier.

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Es war nicht das erste Mal, dass sich Vettel mit seiner Crew zoffte. Schon zwei Wochen zuvor in Monaco, als er wegen eines technischen Defekts früh ausschied, hatte er gegen das Team gestichelt: "Ich habe gehofft, dass aus der Box etwas Schlaues kommt, was das Problem löst, es kam aber nichts."

Damals schon mutmaßte der Heppenheimer, dass er derjenige sei, der die Entwicklung seines RB10 am meisten vorangetrieben habe.

Risse in der Beziehung zum Team

Das Verhältnis zu seinem Team ist danach offensichtlich nicht besser geworden. Die Risse in der Beziehung sind sicherlich auch ein Grund dafür, dass Vettel nun über eine Trennung von Red Bull nachdenkt.

Ein weiter Grund ist der angekündigte Rückzug von Chefdesigner Adrian Newey bei Red Bull (News). Das Aerodynamik-Genie, das sich ab dem kommenden Jahr aus dem Tagesgeschäft heraushalten wird, war mit seinen Entwicklungen der kreative Kopf hinter Vettels Erfolgen.

Spötter behaupten sogar, seine vier WM-Titel habe der Deutsche ausschließlich den genialen Konstruktionen des Briten zu verdanken - und sehen sich nun bestätigt.

Hinter dem Teamkollegen

Denn Vettel fährt in dieser Saison nicht nur den Silberpfeilen hinterher, sondern auch seinem neuen Teamkollegen Ricciardo, der mit dem gleichen Material ausgestattet ist.

Fünf von sieben Qualifying-Duellen entschied der junge Australier bislang für sich, in der WM-Wertung hat er 19 Punkte mehr auf dem Konto - und in Kanada durchbrach Ricciardo die Siegesserie von Mercedes, und eben nicht Vettel (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Dass er die hohen Erwartungen in dieser Saison noch nicht erfüllen konnte, lag also auch an Vettel selbst. Die besten Empfehlungen brächte er derzeit nicht mit zu einem anderen Rennstall.

Kein Platz bei Mercedes

Zumal bei Mercedes, das in absehbarer Zeit wohl als einziges Team Vettels Hunger nach Rennsiegen stillen könnte, kein Bedarf an einem neuen Piloten besteht.

Trotz der großen Rivalität zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton sind die Bosse der Silberpfeile sehr zufrieden mit ihrer Fahrerpaarung.

Bei Red Bull dürfte Vettels Ankündigung also keine allzu große Beunruhigung ausgelöst haben.

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