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Nico Rosberg (l.) führt derzeit das Fahrerklassement der Formel 1 an
Nico Rosberg (l.) landete in allen acht Rennen bislang auf dem Podium © getty

Vor dem Großbritannien-GP ist sich Nico Rosberg seiner Favoritenstellung bewusst. Die Mercedes-Bosse schlagen Alarm.

Von Tobias Wiltschek

München - "Bereit wie nie".

Das WM-Motto der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wird auch am kommenden Wochenende wieder auf dem Rennanzug von Nico Rosberg zu lesen sein.

Schließlich ist er einer der prominentesten Angestellten des DFB-Sponsors Mercedes.

Der Leitspruch könnte aber auch für ihn ganz persönlich kreiert worden sein. Denn auch er will in diesem Jahr Weltmeister werden - und er scheint dafür bereit zu sein (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Baut Rosberg Vorsprung aus?

29 Punkte Vorsprung auf Lewis Hamilton hat sich der Deutsche nach acht Rennen erkämpft. Landet er auch beim Grand Prix von Großbritannien (Training, Fr., ab 11 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) vor seinem Teamkollegen, käme er seinem ersten Titel in der Königsklasse einen weiteren großen Schritt näher.

"Natürlich denkst du bei dieser Konstellation in einer ruhigen Minute mal über den WM-Titel nach", wird der WM-Führende in der "Motorsport aktuell" zitiert. "Aber die Saison ist noch sehr lang. Es gibt noch so viele Rennen, bei denen irgendwas schieflaufen kann."

Probleme in Kanada

Rosberg spricht aus Erfahrung. Beim Kanada-GP vor knapp vier Wochen hatten die Silberpfeile mit den ersten größeren technischen Problemen in dieser Saison zu kämpfen. Bei beiden Piloten war die Energierückgewinnung beim Bremsen ausgefallen.

Während Hamilton sein Auto dennoch weiterhin bis ans Limit trieb und anschließend wegen überhitzter Bremen aufgeben musste, brachte Rosberg seinen kaum noch konkurrenzfähigen Dienstwagen mit 160 PS weniger als üblich auf Platz zwei ins Ziel.

Der Vorfall von Montreal belegt, dass Rosberg zurecht vor zu großer Euphorie warnt. Er zeigt aber auch, warum sich der 28-Jährige mittlerweile zum Top-Favoriten auf den WM-Titel aufgeschwungen hat.

Prost lobt Rosberg

"Rosberg ist schnell, wenn er schnell sein muss. Und er ist dazu noch sehr clever", sagte der viermalige Weltmeister Alain Prost in der "Sport-Bild" über Rosbergs fahrerische Glanzleistung von Montreal.

Diese Fähigkeiten machten den Unterschied aus, so der Franzose: "Mag sein, dass Lewis Hamilton einen Tick schneller ist, aber Nico hat das bessere Gesamtpaket."

Auch psychologisch sieht Prost den Deutschen im Vorteil: "29 Punkte können eine Menge sein, weil im Moment nur Nico und Lewis aus eigener Kraft gewinnen können. Das weiß Lewis, und das könnte an ihm nagen."

Die Worte kommen aus berufenem Mund. Prost lieferte sich Ende der 1980er Jahre mit Aytron Senna bei McLaren das heftigste Team-Duell der Formel-1-Geschichte.

Hamilton unter Druck

Rosbergs Gegner Hamilton steht ausgerechnet bei seinem Heimspiel extrem unter Druck. Nach dem Aus in Montreal und dem Fehler im Qualifying beim vergangenen GP in Österreich muss er zurückschlagen.

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Seine Hoffnungen ruhen dabei vor allem auf den Heimvorteil. "Die Unterstützung für mich ist dort absolut unglaublich. Die britischen Fans sind die besten der Welt. Es ist wirklich überwältigend, wenn dich Tausende Menschen unabhängig vom Wetter oder dem Ergebnis frenetisch anfeuern."

Bei den Verantwortlichen von Mercedes ist von Vorfreude auf das Rennwochenende in Silverstone dagegen wenig zu spüren. Vielmehr bereiten ihnen die zunehmende Rivalität innerhalb des Teams und die Fortschritte der Konkurrenz Sorgen.

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Wolff kritisiert mangelnde Transparenz

Nach dem Rennen in Spielberg bemängelte Motorsportchef Toto Wolff öffentlich, dass der Austausch von wichtigen Daten zwischen den Crews der beiden Piloten nicht mehr wie gewünscht funktioniert.

Der Österreicher fürchtet gar, dass die Rivalität "dem Team als Ganzes Schaden zufügen kann".

"Alarmglocken schrillen"

Wolffs Landsmann Niki Lauda sieht indes die Vorherrschaft der Silberpfeile ernsthaft gefährdet. "Bei uns schrillen die Alarmglocken", zitierte "Autosport" den Aufsichtsratschef von Mercedes.

"In Österreich mussten wir gegen Williams hart kämpfen. Sie waren am Ende nur sechs Sekunden hinter uns", sagte Lauda. "Die vorherigen Rennen haben wir mit 49 Sekunden Vorsprung gewonnen, in Österreich waren es nur sechs."

Der Fußball-Weltmeister steht schon eine Woche nach dem Großbritannien-GP fest. In der Formel 1 wird es noch etwas länger dauern - womöglich bis zum letzten Rennen am 23. November.

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