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Eine Zehntel-Sekunde: Jenson Button liegt hauchdünn vor Sebstian Vettel © imago

Auf den letzten Drücker schiebt sich Jenson Button beim Qualifying in Barcelona vor Sebastian Vettel. Favorit ist ein anderer.

Von Marc Ellerich

München/Barcelona - Das Duell der beiden Top-Piloten dieser Formel-1-Saison geht weiter - und es wird härter.

Jenson Button gegen Sebastian Vettel, so lautete die von allen Experten erwartete Konstellation, und das Qualifiying zum Großen Preis von Spanien in Barcelona (So., ab 13.45 Uhr LIVE) zementierte dieses Bild.

Button vor Vettel lautete dort das Resultat 103803(Die Bilder). Aber es hätte durchaus auch Vettel vor Button heißen können, so eng war der Abstand zwischen der Nummer eins und der Nummer drei der Fahrer-Wertung (DATENCENTER: Die Startaufstellung).

Eine Zehntel-Sekunde

Um eine Zehntel-Sekunde war Brawn-GP-Pilot Button bei der samstäglichen Zeitenjagd schneller als sein deutscher Gegenspieler im Red Bull.

Dritter der Qualifikation auf dem Circuit de Catalunya wurde Buttons Teamkollege Rubens Barrichello vor dem wiedererstarkten Ferrari-Piloten Felipe Massa.

Der Vorsprung des Schnellsten auf diese beiden war ebenfalls hauchdünn: Zwei Zehntel lag Button vor Barrichello. Vier Zehntel betrug der Vorsprung auf Massa.

"Hätte schiefgehen können"

Button wusste, dass seine Fahrt auf den ersten Startplatz nur eine Momentaufnahme war.

"Es hätte alles ziemlich schief gehen können", räumte der Brite nach der Hatz auf die Pole ein. Im letzten Umlauf hatte er Vettel die Führung entrissen, und das nur mit sehr viel Glück.

Um ein Haar wäre die erlaubte Qualifying-Zeit für ihn abgelaufen gewesen. "Ich hatte nur noch wenige Sekunden Luft, als ich über die Linie fuhr - das war mehr Glück als Verstand."

Dass es ihm dann in seiner letzten Runde gelang, Vettel und Barrichello noch aus der Führungsposition zu verdrängen, verblüffte Button selbst: "Vorher hatte ich einige Probleme mit Rubens, aber mit mehr Benzin bekam ich die Zeit hin. Das ist schon etwas überraschend."

Zufriedener Vettel

Vettel hätte also eine gute Chance auf seine zweite Pole Position in dieser Saison besessen, doch ihm unterliefen einige Patzer.

"Ich hatte in meiner Runde zwei, drei kleine Fehler", räumte der Red-Bull-Youngster ein, derzeit mit 18 Punkten Dritter der WM-Wertung hinter seinen beiden Brawn-Konkurrenten Button (31) und Barrichello (19).

Zufrieden war er dennoch - sagte er jedenfalls: "Die zweite Position ist großartig. Wir haben uns seit gestern aufgerappelt. Wir haben ein sehr starkes Auto."

Ferrari die Überaschung

Vor dem Europa-Start der Königsklasse hatten die Teams fieberhaft an den technischen Updates ihrer Boliden gearbeitet, und mancher hatte beinahe schon die letzte Hoffnung ins Aerodynamik-Tuning seines Rennwagens gesetzt.

Während sich die konkurrierenden Spitzenteams Brawn GP und Red Bull in dieser Hinsicht ganz offensichtlich egalisierten, gab es dennoch einen großen Gewinner in der Sonderwertung Teile Technik: den WM-Zweiten des Vorjahres Felipe Massa.

Ferrari war die Überraschung des Barcelona-Qualifyings, und das gleich in doppelter Hinsicht.

Lächerlicher Fehler

Zunächst musste die alterwürdige Scuderia das Scheitern ihres einstigen Vorzeige-Fahrers Kimi Räikkönen verkraften, der ausgerechnet in Barcelona vor einem Jahr seinen letzten Sieg gefeiert hatte.

Der finnische Ex-Weltmeister strich im ersten Qualifikationsdurchgang die Segel, und das nach einem lächerlichen Fehler seiner Renn-Ingenieure. Man sei davon ausgegangen, dass die Zeit für Q2 reichen würde, räumte Räikkönen anschließend ein.

"Es war mein Fehler", nahm der Iceman die Schuld auf sich.

Umso schlimmer: Derselbe Fehler war Ferrari in dieser Saison schon einmal unterlaufen: in Malaysia war Massa das Opfer mangelhafter Rechenkünste gewesen.

"Komplett neues Auto"

Heller wurden die Mienen in der roten Box erst, nachdem Massa sein Sensations-Comeback perfekt gemacht hatte.

Die Arbeitsstunden, welche die Scuderia für ihren Coup investiert hatte, dürften ungezählt sein.

Ex-Weltmeister Keke Rosberg jedenfalls staunte nicht schlecht, nachdem er den roten Boliden gesehen hatte. "Die haben ein komplett neues Auto gebaut", behauptete der Finne.

Massa mit KERS

Ob sie nun auf dem winkeligen Parcours im Norden Barcelonas tatsächlich die Trendwende schaffen, dürfte vor allem vom Start abhängen. Chancen hat Massa, denn als einziges Team der Top fünf kann er sich auf den ersten Metern vom Turbo-Boost seines KERS-Systems anschieben lassen.

Einen ähnlichen Satz nach vorne hatte sich auch das krisengeplagte BMW-Sauber-Team von seinem neuen Aerodynamik-Paket erhofft. Von einer Verbesserung um eine halbe Sekunde pro Runde sprach Motorsport-Direktor Mario Theissen vor Barcelona.

Heidfeld ernüchtert

Nach dem Qualifying fiel die Zwischenbilanz bei den Weiß-Blauen wesentlich nüchterner aus. Immerhin, Robert Kubica hatte sich auf den zehnten Startplatz gerettet. Doch Nick Heidfeld schied im zweiten Durchgang aus und geht als 13. in den Grand Prix.

"Es wäre mehr drin gewesen", sagte der Deutsche anschließend enttäuscht, wollte aber einen "Schritt nach vorne" erkannt haben.

Dennoch: Die heiß ersehnte Wende zum Besseren ist beim deutsch-schweizerischen Rennstall noch lange nicht in Sicht.

"Zumindest nicht Letzter"

Andere große Namen haben es ebenfalls schwer. Auch Lewis Hamilton stellte seinen Boliden früh in Q2 ab. "Unser Auto ist nicht schnell genug", stellte der 14. anschließend lapidar fest: "Zumindest ist es nicht der letzte Platz."

Es sind harte Zeiten für den Weltmeister.

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