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Neues Qualifying, bekannte Geste: Jenson Button jubelt auch in Monte Carlo © imago

Jenson Button sichert sich in Monte Carlo beim letzten Umlauf die Pole Position. Sebastian Vettel schimpft und hofft auf Plan B.

Von Marc Ellerich

München/Monte Carlo - Rubens Barrichello versuchte an seinem Geburtstag gute Miene zum ernüchternden Resultat zu machen.

"Ich dachte, diesmal hätte ich ihn endlich gepackt", sagte der brasilianische Brawn-Pilot, der am Qualifying-Samstag in Monte Carlo 109528(Die Bilder) stolze 37 Jahre alt wurde: "Ich hatte eine gute Runde, in der alles passte. Schade, dass ich an meinem Geburtstag nicht die Pole bekommen habe."

Mehr als dieser fromme Wunsch blieb Barrichello allerdings nicht, denn auch an seinem Ehrentag verteilte ein Teamkollege keine Geschenke.

Vierte Pole für Button

Jenson Button griff lieber selbst zu und sicherte sich in der Qualifikation zum Großen Preis in der monegassischen Metropole (So., ab 13.45 Uhr LIVE ) in 1:14,902 Minuten bereits die vierte Pole Position in diesem Jahr.

Was die Angelegenheit für Barrichello so schmerzlich machte: Button eroberte den vordersten Startplatz in Monte Carlo tatsächlich erst durch seinen letzten Umlauf. Eine gute Zehntelsekunde Vorsprung reichte ihm.

"Er hatte die Oberhand"

Eine Landung also genau auf den Punkt, und der Pole Setter im Brawn GP räumte anschließend freimütig ein, dass er nicht unbedingt mit dem neuerlichen Erfolg gerechnet hatte.

"Von außen mag es perfekt ausgesehen haben, aber ich war noch am Donnerstag weit von der ersten Position entfernt, und wir wussten nicht, wo wir stehen."

Im Qualifying dümpelte Button dann zunächst lange auf hinteren Positionen herum und machte erst ganz zum Schluss sein Meisterstück. Button: "Es war eng. Ich kämpfte das Wochenende mit Rubens, und er hatte definitiv die Oberhand."

Nur eben am Ende der für die eigenen Siegambitionen an der französischen so bedeutenden Zeitenjagd eben nicht mehr. Es zog sogar noch Ferraris "Iceman" Kimi Räikkönen am Brasilianer vorbei und gab so ein kräftiges Lebenszeichen ab (DATENCENTER: Die Startaufstellung).

"Wäre mehr drin gewesen"

Vierter wurde Sebastian Vettel. Nur Vierter, mag der deutsche Red-Bull-Pilot sich anschließend gedacht haben.

Seinen Teamkollegen Mark Webber hatte Vettel auch auf dem anspruchsvollen Straßen-Parcours fest im Griff, doch im WM-Kampf mit den beiden Brawn-Konkurrenten könnte die unglückliche Platzierung - nah dran und doch weit weg - zu wenig gewesen sein.

"Heute wäre mehr drin gewesen", sagte Vettel anschließend und gab zu, dass er mit seinem Abschneiden unzufrieden war.

Blockiert durch Nakajima

"Drei Plätze weiter nach vorne wäre ideal gewesen", gab der junge Deutsche, dem nach fünf Rennen bereits 18 Punkte auf den Führenden Button und vier auf den zweitplatzierten Barrichello fehlen, sein Wunschresultat bekannt.

Vettel schob dem Williams-Piloten Kazuki Nakajima die Schuld daran zu, dass es nicht klappte mit Platz eins. "Der hat mir den letzten Run ein bisschen versaut." Der Japaner habe die Rascasse-Kurve zu lange blockiert.

Vettel hofft

Noch zorniger war Nico Rosberg, der sich von Barrichello in Durchgang drei absichtlich um eine bessere Position als seinen sechsten Platz gebracht sah und eine Strafe für den Brasilianer forderte.

Vettel bleibt jetzt nur Plan B, von dem er selbst weiß, dass er nicht sonderlich realistisch klingt: "Ich hoffe, dass sich die ersten Drei in der ersten Kurve nicht einig werden und dass ich dann als lachender Dritter aus der Kurve herauskomme."

"Aber so wird es wahrscheinlich nicht werden", schob er grinsend nach.

Angeknockter Hamilton

Vettel bemühte sich also die Zwangslage mit Humor zu meistern. Das gelang nach der spannenden Rundenhatz in Monaco nicht mehr jedem.

Weltmeister Lewis Hamilton war nach einem Crash, der ihn früh aus dem Rennen warf, ebenso angeknockt wie sein defekter McLaren-Bolide. Den ganzen langen Weg zurück in die Box setzte der junge Brite seinen Helm nicht mehr ab, womöglich hatte er sogar Tränen zu verbergen.

Vorjahressieger Hamilton startet am Sonntag sogar nur als Letzter, da er wegen des Unfalls das Getriebe wechseln musste.

"Mein Rennwochenende ist vorbei. Es hatte so gut angefangen", sagte er später der "BBC": "Ich weiß nicht, was ich gedacht habe. Es war ein Fehler, aber durch Fehler wird man stärker."

Gerüchte um Heidfeld

Ähnlich deprimiert sprach BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld nach einem neuerlichen Debakel für die Weiß-Blauen in die Mikrofone.

Platz 16 für den Deutschen um den es Ablösungsgerüchte durch Nico Rosberg gibt (Heidfeld vor dem Aus?) , Platz 17 für seinen Teamkollegen Robert Kubica: "Wir sind meilenweit von den Punkterängen weg", stellte Heidfeld fest.

Ratloser Glock

Und viel mehr als ratlose Worte fand auch Timo Glock nicht mehr nach seinem persönlichen Toyota-Desaster in den Häuserschluchten von Monaco. "Wir haben uns mehr im Kreis bewegt, als nach vorne", sagte der Vorletzte des Qualifyings.

In Wirklichkeit, so scheint es, hat sich Toyota, dessen Ausstieg aus der Königsklasse, laut einem Medienbericht seit Winter beschlossene Sache sein soll (Toyota-Ausstieg fix?), zurückentwickelt.

Mehr als Durchhalteparolen fallen den Betroffenen des Rennstalls derzeit nicht ein.

Glock sagt: "Wir müssen schauen, dass wir den Fehler finden und den Karren wieder aus dem Dreck ziehen." So hört sich Ratlosigkeit an.

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