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Jenson Button führt in der Fahrer-WM mit 51 Punkten vor Rubens Barrichello (35) © getty

Nach seinem Sieg in Monaco wählt Jenson Button den Superlativ, sein Boss mauert. Sebastian Vettel schreibt die WM noch nicht ab.

Von Marc Ellerich

München/Monte Carlo - Den Superlativ scheute Jenson Button nach seinem Triumph ganz und gar nicht.

"Der Sieg war für uns ein großer", bekannte der Brawn-Pilot, nachdem er beim sechsten Grand Prix des Jahres in Monte Carlo als Erster die Ziellinie passiert hatte: "Es ist der beste der Saison." 109917(Die Bilder)

Es lässt sich leicht nachvollziehen, weshalb Button nach dem stark von der Taktik geprägten Rennen die großen Worte wählte: Bei fünf der bisher sechs Grands Prix war er für die Konkurrenz uneinholbar, drei Mal landeten er und sein Kollege Rubens Barrichello sogar einen Doppelsieg.

Vettel weit zurück

So auch in Monaco: Barrichello wurde dort Zweiter, hatte aber nie Aussichten Button zu gefährden (BERICHT: Button ist der König von Monaco). Dahinter belegten die erstarkten Ferraristi Kimi Räikkönen und Felipe Massa die Plätze drei und vier - vor Mark Webber im Red Bull und dem bestplatzierten Deutschen: Williams-Pilot Nico Rosberg. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Einen Fehler beging Button im Siegestaumel allerdings nicht: vom Titel zu reden, der für den 29 Jahre alten Briten nach etwas über einem Drittel der Saison immer greifbarer wird.

Buttons Vorsprung auf seinen Brawn-Kollegen ist komfortabel: 51 zu 35 lautet der Punkte-Stand. Der bisher ärgste Konkurrent, Sebastian Vettel, liegt mit 23 Zählern weit abgeschlagen.

"Dann ist viel möglich"

Doch das W-Wort ist bei den Giftgrünen trotz solch belastbarer Fakten nach wie vor verboten.

Teamchef Ross Brawn reagierte auf die Frage nach einem möglichen Titelgewinn fast schon ein wenig beleidigt: "Ich möchte darüber nicht sprechen", antwortete das Formel-1-Superhirn. Nur eine Plattitüde ließ er sich abringen: Verliefen auch die anderen Rennen so wie das an der monegassischen Riviera, "dann ist viel möglich".

Button war in Monte Carlo klug genug, die Vorsicht seines Vorgesetzten zu respektieren.

Vettels Verweigerungshaltung

Sein auf dem Papier nach wie vor ärgster Widersacher Vettel übte sich derweil ebenfalls in der Verweigerungshaltung - allerdings auf völlig andere Art und Weise.

Der junge deutsche Red-Bull-Pilot wollte seine WM-Chance nämlich noch nicht ad acta legen - trotz eines Wochenendes, für welches das Attribut "verkorkst" noch positiv gewählt wäre.

"Bei uns war der Wurm drin", so beschrieb es Vettel selbst, gab sich aber kämpferisch. Man müsse zwar nur auf die Ergebnisse schauen, um zu wissen, wer der Favorit sei.

"Aber es gibt noch genug Rennen, und es ist ja nicht gesagt, dass die Anderen immer ins Ziel kommen. Die Hoffnung sollte man nach dem einen Rennen noch nicht aufgeben."

Crash nach 16 Runden

Das eine Rennen endet für Vettel in Runde 16 - und zwar an der Leitplanke.

Anders als tags zuvor, als im Qualifying der Williams-Pilot Kazuki Nakajima ein besseres Resultat als den vierten Startplatz verhinderte, hatte der Shootingstar der Königsklasse nach dem Rennen nicht viele Ausreden.

Vettel hatte den Crash durch einen Fahrfehler selbst verschuldet. Ausschlaggebend für das Unglück war allerdings eine weitere Fehlentscheidung, die der 21-Jährige und sein Team zuvor getroffen hatten.

"Haben uns vertan"

"Wir haben uns vertan mit der Reifenwahl", gab Vettel zu.

Man beschloss mit superweichen Slicks den Startvorteil gegenüber Räikkönen zu wählen, der harte Pneus aufgezogen hatte. Der Beginn einer verhängnisvollen Kettenreaktion, wie sich schnell herausstellen sollte.

"Mit den weichen Reifen hatte ich extrem durchdrehende Räder und die Hinterreifen haben unglaublich stark abgebaut. Das hat uns das Genick gebrochen", erzählte Vettel: "Ich konnte eigentlich nur in den ersten beiden Runden attackieren. Dann war es vorbei."

Wende bleibt aus

Um den Fahrzeugstau, der sich hinter ihm gebildet hatte, zu eigenen Gunsten aufzulösen, musste der Red-Bull-Youngster auf härtere Pneus wechseln. Allerdings brachte auch das nicht die erhoffte Wende.

"Die harten Reifen waren okay. Aber da war der Zug nach vorne schon abgefahren", erläuterte der WM-Dritte weiter und übte dann sanfte Selbstkritik: "Dann kam noch ein Fehler dazu, und der wird in Monaco nun einmal sehr heftig bestraft."

Fehler verboten

Dass Vettel die WM nicht abschreibt, spricht für ihn. Ob seine Einschätzung der Lage allerdings realistisch ist, muss sich erst noch erweisen.

"Solche Tage machen es nicht einfacher", die Brawn-Konkurrenz im Titelkampf doch noch abzufangen, das weiß auch Vettel.

Viele Fehler dürfen sich der beste deutsche Pilot und sein Team jedenfalls nicht mehr erlauben.

Dazu dreht Jenson Button in seinem giftiggrünen Boliden einfach zu konstant seine schnellen Runden.

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