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Sebastian Vettel konnte 2008 den GP in Monza gewinnen. Dieses Jahr siegte er in Schanghai © getty

Pole-Setter Sebastian Vettel will beim Grand Prix in der Türkei die Statistik bestätigen, Jenson Button den Trend brechen.

Von Marc Ellerich

München/Istanbul - Auf den Paukenschlag folgte Verwunderung.

Mit einer eindrucksvollen Fahrt hatte sich Sebastian Vettel soeben im Qualifying zum Großen Preis der Türkei (So., 13.45 Uhr LIVE) die Pole Position gesichert - vor den beiden Brawn-Piloten Jenson Button und Rubens Barrichello (DATENCENTER: Die Startaufstellung).

Anschließend staunte der jugendliche Red-Bull-Chauffeur über die eigene Galavorstellung 114935(Die Bilder). Offenbar hatte er dieses gute Resultat selbst nicht erwartet.

"Schon eine Überraschung"

"Am Freitag hatten wir einen Motorschaden und konnten nicht viele Runden fahren. Deshalb ist es schon eine Überraschung, dass wir vor diesen Jungs stehen", kommentierte Vettel den Ausgang der samstäglichen Zeitenjagd.

Auch sonst ordnete der derzeitige WM-Dritte nach den jüngsten Rückschlägen in Barcelona und Monte Carlo die dritte Pole Position seiner Karriere nicht allzu überschwänglich ein (BERICHT: Vettel ist zurück) .

"Für eine Pole Positon gibt es keine Punkte", sagte der deutsche Bruchpilot des letzten Grand Prix in Monaco vorsichtig: "Wir haben ein langes und schweres Rennen vor uns, erst dann zählt es richtig."

Von der Pole zum Sieg

Natürlich weiß aber auch Vettel, dass die Statistik beim siebten Rennen dieser Saison zu seinen Gunsten ausfällt - und das gleich in zweierlei Hinsicht.

Bisher trug jeder der bisher vier Pole Setter des jungen Grand Prix am Bosporus anschließend auch den Sieg davon.

Und Vettel selbst siegte bisher jedes Mal, wenn er ein Rennen vom ersten Platz aus begann (Vorschau: Vettel fordert zwei Seriensieger).

"Diese Statistik will ich natürlich bestätigen", kündigte der junge Deutsche an und ließ sich dann doch noch zu einer Kampfansage in Richtung seiner giftgrünen Rivalen hinreißen: "Es war ein großer Tag. Jenson Button wird sich warm anziehen müssen."

Button will Spaß haben

Den WM-Führenden dürfte das mäßig beeindrucken. Fünf Siege in sechs Rennen haben sein Selbstbewusstsein in den Himmel wachsen lassen - und sein Punktekonto randvoll gemacht: 51 zu 23 steht es zwischen ihm und Vettel, dazwischen liegt mit 35 Zählern sein brasilianischer Teamkollege Barrichello.

Button jedenfalls ließ sich von Vettels Ritt zur Pole nicht entmutigen, im Gegenteil. Er will in Istanbul am Sonntag den Trend brechen: "Jeder Pole Setter hat hier gewonnen - wir wollen das ändern", kündigt Brawns Nr. 1 forsch die eigenen Ziele an - nach der Rundenhatz, in der er eine Zehntelsekunde zu langsam gewesen war: "Hier kann man überholen, also werden wir morgen Spaß haben."

Messlatte Schumacher

Zuversichtlich machte den Briten, dass er trotz anfänglicher Probleme auf dem Otodrom im Istanbul Park immer besser zurecht kam: "Das Auto hat es. Du musst es nur finden".

Mit dem sechsten Sieg im siebten Rennen könnte Button mit dem deutschen Rekord-Weltmeister Michael Schumacher gleichziehen, der dieses Kunststück in den Jahren 1994 und 2004 fertiggebracht hatte.

Bei Brawn gilt es als ausgemacht, dass einzig Vettel der Pilot ist, der ihre elitären Kreise noch stören könnte.

"Mit Vettel muss man immer rechnen. Er ist schon seit Saisonbeginn gut drauf und hatte nur ein paar Mal Rennpech", lobte Teamchef Ross Brawn den deutschen Gegenspieler.

Es wird wohl wieder auf ein Strategie-Duell zwischen dem mechanisch besten Boliden des Feldes (Brawn) und dem in Sachen Aerodynamik vorbildlichen Red Bull hinauslaufen (Vettels Teamkollege Mark Webber startet als Vierter).

Massa ernüchtert

Andere Mitbewerber sind in dem Zweikampf offenbar nicht mehr vorgesehen - oder verabschieden sich nach und nach aus dem WM-Rennen.

Die Ferrari-Crew dürfte nach den Quali-Plätzen sechs (Kimi Räikkönen) und sieben (Felipe Massa) wohl kaum den vierten Triumph seines Istanbul-Seriensiegers Massa feiern.

"Wenn du als Siebter startest, brauchst du nicht vom Sieg zu reden", sagte der WM-Zweite des Vorjahres: "Nicht einmal das Podium dürfte leicht zu erreichen sein. Red Bull und Brawn GP sind nach wie vor besser als wir."

"Mehr ist nicht drin"

Für alle anderen Konkurrenten ist die WM ohnehin längst kein Thema mehr - allen voran das McLaren-Mercedes-Team, das mittlerweile jedes Rennwochenende aufs Neue Mitleid erntet.

Zum zweiten Mal binnen einer Woche scheiterte Weltmeister Lewis Hamilton in der Türkei im ersten Durchgang der Qualifikation - in der Fahrer-WM liegt er auf dem neunten Platz.

"Mehr ist derzeit einfach nicht drin", meinte Hamilton anschließend frustriert: "Das ganze Paket ist nicht gut genug."

Mehr Kritik wollte e nicht von sich geben. Was soll er auch sagen? Böse Worte machen den Boliden nicht schneller - und für das Entsetzen sind andere zuständig.

Keke Rosberg, einst ebenfalls Weltmeister, staunte fassungslos über die Misere der Silbernen: "Es ist erschütternd, wie schlecht dieses ehemalige Top-Team ist." Siege werde die einst stolze Crew erst wieder im nächsten Jahr feiern - wenn überhaupt.

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