Formel-1-Experte Jacques Schulz sieht Sebastian Vettel im Power-Ranking vor dem Großbritannien-Grand-Prix nur auf Rang zwei.

Hallo Formel-1-Fans,

eins vorneweg: der Abschied von Silverstone ist einfach grausam. Die Formel 1 lebt bei allem progressiven Denken von den Klassikern. Und dazu gehört neben Monza und Monaco eben auch Silverstone, das Home of British Motor Racing. Donington - bei aller Wertschätzung - braucht kein Mensch.

Und das Schlimmste ist, dass diese geschichtsträchtige Strecke nur deshalb verschwindet, weil sich Bernie Ecclestone und der British Racing Drivers Club nicht grün sind. Es ist ein herber, unersetzlicher Verlust von Tradition und Geschichte, wie sie die Garagisten um Jackie Stewart und Frank Williams geschrieben haben. Ich werde den Regen und Fish 'n' Chips jedenfalls vermissen.

Hinzu kommt, dass Silverstone aufgrund des Layouts zu meinen Lieblingsbahnen gehört. Trotz mehrmaligen Umbaus über die Jahre handelt es sich immer noch um eine Mutstrecke mit schnellen Kurven - ein Wahnsinnskurs (VIDEO: Rennkalender und Kurse).

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An der Spitze des Power-Rankings gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Brawn GP und Red Bull. Unter dem Strich sollte Brawn aber die Nase vorn haben (DATENCENTER: Der WM-Stand).

Sebastian Vettel und Co. werden zwar definitiv näher dran sein als in der Türkei. Die schnellen Kurven wie Copse Corner, Maggots, Becketts und Chapel verlangen nach einer guten Aerodynamik, wie sie der RB5 hat. Auch ist der Asphalt ebener, so dass die überlegene Mechanik des Brawn-Boliden nicht so stark zum Tragen kommt.

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Zwei Faktoren sprechen jedoch für die Seriensieger: Jenson Button hat den Heimvorteil und wird alles daran setzen, zum ersten Mal vor heimischem Publikum zu siegen.

Außerdem hat er mit seinem Lauf natürlich unglaubliches Selbstvertrauen.

Vettels Fehlerkonto ist dagegen schon voll, er steht wieder und noch mehr unter brutalem Druck (DATENCENTER: Grand-Prix-Ergebnisse).

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Der Graben hinter den beiden Top-Teams ist noch tiefer geworden. Dahinter kämpfen Ferrari, Toyota, BMW-Sauber und McLaren-Mercedes um den Anschluss.

Ich sehe momentan die Scuderia am nächsten dran. Ferrari bringt im Gegensatz zu McLaren erneut ein Update an den Start. Wieder ist von einem leichteren Chassis die Rede. Und Kimi Räikkönen, der in England immer gut war, liegen die schnellen Kurven. Wenn Ferrari aus den Fehlern der Türkei gelernt hat, ist man oben dran.

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Der Toyota braucht kuschelige Temperaturen um zu funktionieren, und das ist ja in England normalerweise nicht der Fall. Auch für dieses Wochenende ist wieder mit gemischtem Wetter zu rechnen.

Sollte es richtig regnen, könnte natürlich Vettel profitieren. Der Red Bull generiert unter solchen Bedingungen mehr Temperatur und hat deswegen gegenüber dem Brawn einen Vorteil. Je schlechter das Wetter, desto größer sind also Vettels Chancen.

Zum Abschluss ein Wort zum endlosen Budget-Streit: Meine Frustration über die Politik ist momentan riesig groß. Für einen einzelnen Fußballer zahlt Real Madrid 94 Millionen. Auf der anderen Seite soll ein Formel-1-Team mit 45 Millionen über die Runden kommen - da stimmen einfach die Relationen nicht.

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

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