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Sebastian Vettel holt in Silverstone die dritte Pole Position in diesem Jahr © imago

Der überlegene Pole Setter von Silverstone traut dem Braten nicht. Der WM-Führende Button hadert mit der Leistung seines Brawn.

Von Marc Ellerich

München/Silverstone - Für eine gute Stunde hielt die Formel 1 in ihrem erbitterten Machtkampf inne und bot den Fans wieder das, weshalb sie die höchste PS-Liga in ihr Herz geschlossen haben: Motorsport auf höchstem Niveau.

Was ihnen wohl weniger gefallen haben dürfte: Motorsport vom Allerfeinsten führte am Samstag im Qualifying zum Großen Preis von England (So., 13.45 Uhr LIVE) ein Deutscher vor (DATENCENTER: Die Startaufstellung) .

Sebastian Vettel fuhr in seinem Red-Bull-Boliden in Silverstone in 1:19,509 Minuten die schnellste Runde und geht am Sonntag bereits zum dritten Mal in dieser Saison von der Pole Position aus ins Rennen 120165(DIASHOW: Bilder des Qualifyings).

"Fantastisches Wochenende"

Kein Wunder, dass Vettel nach seinem Coup in der Heimat des britischen Motorsports, wie sich Silverstone selbst bezeichnet, in allerbester Laune war (BERICHT: Pole für Vettel, Button Sechster).

"Das war die Runde des Wochenendes, sie war nahe an der Perfektion", begeisterte sich der junge Deutsche an seinem schnellen Umlauf auf der britischen Insel: "Es war von Anfang bis zum Ende ein fantastisches Wochenende, an dem wir kein einziges Problem hatten."

Noch zufriedener als seine ohnehin gute Ausgangslage vor dem achten Grand Prix dieses aus Formel-1-Sicht so turbulenten Jahres, dürfte Vettel der Blick auf die Konkurrenz gemacht haben.

Punktsieg im Stallduell

Von seinen Rivalen im Kampf um die WM-Krone rückte ihm am nächsten Rubens Barrichello auf den Pelz. Doch der Zweitplatzierte der Zeitenjagd hatte bereits gehörigen Abstand auf den Deutschen. Drei Zehntelsekunden langsamer war der Brawn-Pilot als der Deutsche in seinem frisch getunten Red Bull.

Und auch sein neuerlicher Punktsieg im stallinternen Duell mit dem drittplatzierten Australier Mark Webber dürfte Vettels Stimmung angehoben haben (Die Quali-Duelle).

Aus seiner Sicht am wichtigsten war natürlich ein anderes Resultat.

Jenson Button, überlegener WM-Führender und bisher in sechs von sieben Rennen ungeschlagen, erfuhr ausgerechnet in seiner britischen Heimat einen empfindlichen Dämpfer: Nur Startplatz sechs, fast acht Zehntel-Sekunden hinter Vettel, von soweit hinten ging der Senkrechtstarter dieses Jahres 2009 noch nie in einen Grand Prix.

"Ganz anderes Auto"

Button ging auf das Duell mit dem Deutschen später nicht weiter ein, beschwerte sich stattdessen über sein Auto.

Er habe mit dem bisher so makellosen Brawn-Boliden wirklich zu kämpfen gehabt, beklagte der WM-Leader nach unruhiger Fahrt. So als habe man den siegreichen Rennwagen des Türkei-Grand-Prix gegen einen neuen, leider deutlich schlechteren vertauscht, sei es ihm vorgekommen: "Das war hier wirklich ein ganz anderes Auto."

Zudem habe ihn eine unübliche Order aus dem Brawn-Kommandostand um eine bessere Position gebracht. "Wir hätten einen Platz gutmachen können", erläuterte Button den Funkspruch seines Ingenieurs, der ihn früher als erwartet in die Box zurückbeordert hatte: "Ich weiß nicht, ob das Team Benzin sparen wollte oder was sonst. Aber das war ungewöhnlich."

Schließlich tröstete sich der Brite mit der Aussicht, dass Qualifying und Rennen am Ende zwei Paar Stiefel sind. Natürlich habe er sich mehr erwartet, "aber das wird ein langes Rennen. Da kann viel passieren."

Vettel vorsichtig

So sieht es auch der Rivale. In Siegesgewissheit mochte sich Vettel trotztdes deutlichen Niveauunterschieds zwischen den beiden Konkurrenten jedenfalls nicht wiegen.

Zu frisch sind ihm die Erlebnisse des letzten Rennens in Istanbul in Erinnerung, als er seine Pole Position bereits in der ersten Runde durch eigene Fahrlässigkeit verlor und den pfeilschnellen Brawn-Boliden anschließend aus den Augen verlor.

"Hoffentlich reicht es aus, um die anderen dieses Mal ein bisschen zu ärgern", meinte der deutsche Überflieger in England beinahe vorsichtig.

Er scheint daran zu zweifeln, dass das Aero-Update seines Renners das überlegene Tempo des Brawn-Boliden während des Rennens auszugleichen vermag.

"Wir haben einen Schritt nach vorne gemacht", sagte Vettel und schränkte dann sofort ein: "im Qualifying."

Crash bei Tempo 290

Ein anderer Deutscher sorgte in Silverstone für den zweiten Aufreger des Tages.

Force-India-Pilot Adrian Sutil galten nach kapitalem Crash die besorgten Blicke der Journalisten.

Im ersten Qualifikationsdurchgang hatte Sutil die Kontrolle über seinen Boliden verloren und krachte ungebremst in die Reifenstapel.

"Bei Tempo 290", wie er später - zum Glück unversehrt - berichten konnte.

Plötzlich ohne Bremsen

"Ich hatte plötzlich keine Bremsen mehr, und dann ging es in die Wand", schilderte er den Unfall. Zwar habe er es noch geschafft, den Boliden seitlich einschlagen zu lassen, "es hat aber doch ganz schön wehgetan".

Sutil, als 18. noch vor Weltmeister Lewis Hamilton gewertet, will am Sonntag wieder Rennen fahren an dem Ort, der sich nur noch in diesem Jahr als die Heimat des britischen Motorsports fühlen darf.

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