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So sehen Sieger aus: Sebastian Vettel lässt sich in Silverstone feiern © getty

Mit einer Machtdemonstration verdirbt Sebastian Vettel in Silverstone das Heimspiel des WM-Führenden Jenson Button.

Von Marc Ellerich

München/Silverstone - Ross Brawn redete nicht lange um den heißen Brei herum.

Früh habe er geahnt, dass das prestigeträchtige Heimrennen in Silverstone nicht in einem Festakt seines bis dato so überlegenen Brawn-GP-Teams enden würde, bekannte der Teamchef des Honda-Nachfolgers (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Sehr früh sogar. Schon "in den ersten zehn Minuten des Freitagstrainings", als sich die Reifen nicht ausreichend erwärmen ließen, habe er erste Zweifel bekommen, gab der Boss des WM-Führenden Jenson Button zu.

Keine Chance

Zweieinhalb Tage später musste "Superhirn" Brawn mit ansehen, dass er wieder einmal recht gehabt hatte mit seiner Einschätzung (BERICHT: Vettel-Konter! Sieg in Silverstone).

"Wir haben eine schöne Abreibung bekommen", räumte er nach dem Rennen auf der britischen Insel ein 120534(DIASHOW: Bilder des Rennens).

Ohne den Hauch einer Chance mussten seine beiden Piloten ihrem größten Rivalen Sebastian Vettel den Sieg überlassen. Mehr noch: Auch gegen den zweiten Red-Bull-Piloten, den Australier Mark Webber, waren die Giftgrünen machtlos.

Button hinter Rosberg

Als bester Brawn-Pilot beendete Rubens Barrichello den achten Grand Prix dieses Jahres auf dem dritten Platz hinter den beiden Blau-Roten - ein kleiner Sieg des Brasilianers über seinen bisher so dominanten Kollegen Jenson Button, der hinter dem beeindruckenden Nico Rosberg nur Sechster wurde.

Und es ist weniger die Niederlage, die Brawn und seinem Team Kopfzerbrechen bereiten muss - es ist vielmehr der große Abstand, den der Deutsche das ganze Rennen über auf seine englischen Verfolger hatte.

Vettel fuhr seine Gegner - einschließlich des eigenen Teamkollegen Webber - am Sonntag in Grund und Boden.

"Nie leicht"

Nie war sein Sieg in Gefahr, im Ziel betrug sein Vorsprung auf Barrichello 41 Sekunden, fünf mehr waren es auf Button.

In der Anfangsphase des Rennens machte der Führende pro Runde eine Sekunde auf seinen ersten Verfolger Barrichello gut, so schnell fuhr er.

Zwar erklärte der Deutsche nach seinem zweiten Sieg in diesem Jahr pflichtschuldig, es sei "nie leicht, ein Formel-1-Rennen zu gewinnen".

Keinen mehr gesehen

Doch als der junge Senkrechtstarter nach seinem größten Problem während des Grand Prix befragt wurde, fiel ihm nur eine Antwort ein: "Ich hatte schnell einen so großen Vorsprung, da habe ich keinen Fahrer mehr hinter mir gesehen."

Seine Zeit verbrachte der spätere Sieger während der 60 Runden damit, sein Team mit Fragen zu löchern: "Wo bin ich, wer ist hinter mir?"

Vettel selbst behauptete dennoch später, erst zehn Runden vor Schluss sei er sich seines überlegenen Sieges sicher gewesen: "Da habe ich dann jede einzelne Runde runtergezählt. Von da an war es etwas einfach."

Wandel der Verhältnisse

Die Freude des Siegers wurde dadurch nicht geringer: "Auf der Strecke zu gewinnen, wo ein Held wie Nigel Mansell Geschichte geschrieben hat, ist ein absoluter Traum. Ich bin überglücklich."

Doch auch die Skepsis des deutschen Shootingstars, die seinem Jubel vorausging, ist verständlich. Noch in der Türkei, zwei Wochen zuvor, war es Vettel, der den Giftgrünen hoffnungslos unterlegen hinterherfuhr.

Und nicht nur er wird sich über den raschen Wandel der Kräfteverhältnisse gewundert haben.

Buttons Klage

"Wir waren heute in gewisser Weise ziemlich dominant", berichtete Vettel und wusste natürlich, dass er seine Überlegenheit einem neuen Aerodynamik-Paket zu verdanken hatte, welches sein Team vor dem England-Rennen installiert hatte.

"Wir haben einen schönen Schritt nach vorne gemacht", freute sich der Red-Bull-Youngster über das gelungene Update: "Es war ein Traum, dieses Auto heute zu fahren." Der Parcours auf dem ehemaligen Flugplatz der britischen Air Force habe seinem neu modellierten Boliden zudem besonders gelegen.

Button, sein Gegenspieler, hatte sich hingegen das ganze Wochenende über seinen bis dato so überlegenen Boliden beklagt und tat dies auch am Sonntag.

Er sei frustiert, sagte der Engländer nach seinem schlechtesten Saison-Resultat, und dafür gebe es mehrere Gründe. Welche, das verriet er nicht.

Komfortabler Vorsprung

Der Vorsprung des WM-Führenden auf seine Verfolger Barrichello und Vettel ist trotz der verdorbenen Party im eigenen Haus weiterhin sehr komfortabel: 23 Zähler sind es gegenüber dem Brasilianer, zwei Punkte dahinter folgt Vettel.

Und womöglich ergibt sich beim nächsten Rennen im Kampf um die WM-Krone ja schon wieder ein ganz anderes Bild.

Wohl auch deshalb mahnte Ross Brawn seinen Spitzenpiloten zur Besonnenheit.

Brawn angriffslustig

"Um die Meisterschaft zu holen, musst du nicht jedes Rennen gewinnen", beruhigte der alte Stratege seinen Vorfahrer: "Zum Titel führen Siege und solide Platzierungen. Jenson wird wieder besser sein als Sechster."

Sprach's und richtete - ganz gegen sein Naturell - eine angriffslustige Botschaft an Vettel aus.

Schon bei dessen Heimrennen, in drei Wochen am Nürburgring, werde sein Team zurückschlagen.

"Dann werden wir Vettel das antun, was er uns hier angetan hat."

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