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Flavio Briatore ist bei der FOTA zuständig für "Commercial Development" © getty

Der FIA-Boss sieht eine Einigung im Machtkampf, die Teamchefs dagegen nicht. Zwei Sitzungen könnten Klarheit bringen.

Von Julian Meißner

München - Der spektakuläre Sieg Sebastian Vettels beim Großbritannien-Grand-Prix hat für eine Atempause im Machtkampf um die Zukunft der Formel 1 gesorgt (Abreibung durch den deutschen Partyschreck).

Doch hinter den Kulissen geht der Poker verbissen weiter.

FIA-Boss Max Mosley ("Ich nehme das alles nicht so ernst") hatte am Rande des Rennens behauptet, der Automobilweltverband stehe kurz vor einer Einigung mit der Teamvereinigung FOTA.

Diese hatte am Freitag nach monatelangen Streitereien über das zukünftige Reglement der Königsklasse angekündigt, eine Konkurrenzserie ins Leben rufen zu wollen (Steht die "New Formula"?) .

Daraufhin drohte Mosley mit einer Klage, wovon er nun wieder Abstand nahm: "Es wird keine Klage geben. Wir wollen lieber reden als einen Prozess führen."

Ecclestone lässt mit sich reden

Chefpromoter Bernie Ecclestone hatte sich bereits auf die Seite der FOTA geschlagen: "Ich kann die Teams verstehen. Am Ende werden wir hoffentlich alle umsichtig und klug genug sein, diese Veranstaltung nicht kaputt zu machen."

Der 78-Jährige sagte: "Ich habe diesem Sport mehr als 35 Jahre meines Lebens geopfert, und meine Ehe ist wegen der Formel 1 in die Brüche gegangen. Ich lasse nicht zu, dass man die Formel 1 kaputt macht wegen eigentlich gar nichts."

Whitmarsh: Keine Einigung in Sicht

Doch die FOTA-Bosse wollen von dem neuen Kuschelkurs nichts wissen 120534(DIASHOW: Der Großbritannien-GP).

McLaren-Boss Martin Whitmarsh beispielsweise dementierte, dass eine Einigung bevorstehe. "Nein, ich denke nicht", sagte er auf die entsprechende Frage von Reportern am Rande des Rennens in Silverstone: "Es ist schwer, an einem Sonntag Fortschritte zu machen, wenn man sich auf das Rennen konzentriert."

Briatore hat genug

Renault-Teamchef Flavio Briatore wurde noch deutlicher: "Es ist genug. Wir werden sie (die Konkurrenzserie, Anm. d. Red.) in den nächsten Wochen fertig haben", sagte der Italiener gegenüber "Autosport": "Die Planungen laufen seit Wochen." 120774(DIASHOW: Der mögliche Rennkalender 2010)

Es habe in den letzten zwei Tagen keine Veränderungen gegeben, so Briatore am Sonntag: "Wir wollen eine Formel-1-Meisterschaft, organisiert von der FOTA."

Misstrauensvotum gegen Mosley?

Offenbar hatte Mosley auf ein Treffen mit den Teamchefs am Montag gedrängt, diese lehnten ab. Nun tagt am Mittwoch zunächst die FIA in Paris. Mosleys Posten steht dabei offiziell nicht zur Debatte - ein Sturz des Präsidenten könnte die FOTA aber möglicherweise zum Einlenken bewegen.

Nach Informationen von "auto motor und sport" soll der italienische Verbandspräsident Luigi Macaluso auf Anweisung von Ferrari-Boss Luca di Montezemolo ein Misstrauensvotum gegen Mosley stellen.

Lauda: "komplette Illusion"

Ex-Weltmeister Niki Lauda meinte gegenüber der "Welt": "Ich halte es für eine komplette Illusion, dass irgendwer in der Formel 1 glauben sollte, dass man ausgerechnet jetzt Max Mosley stürzen könnte. Mosley wurde durch die FIA gewählt und nicht von den Leuten im Fahrerlager der Formel 1. In der FIA kommen die Vertreter der nationalen Automobilklubs zusammen, mit dem Streit in der Formel 1 haben sie gar nichts zu tun."

Für den Österreicher wäre nun eigentlich Ecclestone als Vermittler zwischen den beiden Parteien gefragt.

Doch Lauda sagte: "Ecclestone hat die Kontrolle verloren. Das ist schlecht, denn Bernie hat in der Vergangenheit die Parteien immer zusammengehalten. Auf diese Balance beruhte bisher der Erfolg der Formel 1."

Einen Tag nach der FIA-Sitzung will sich auch die FOTA treffen.

Dabei sollen weitere Detailfragen zur "New Formula" geklärt werden. Auch eine Reaktion auf die Ergebnisse der FIA-Sitzung ist zu erwarten.

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