In seiner Sport1.de-Kolumne beurteilt DSF-Experte Peter Kohl die Tops und Flops des Formel-1-Grand-Prix von Großbritannien.

[image id="8793352b-65e7-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

TOPS

Red Bull: Sebastian Vettel, Top-Mann des Wochenendes, hat alles richtig gemacht - eine supercoole Socke! Mark Webber, trotz Quali-Behinderung durch Kimi Räikkönen verdienter Zweiter im Rennen. Adrian Newey, der das Auto signifikant verbessert hat mit seinem Ingenieursteam. Dieser Sieg vor den Werkstoren in Milton Keynes, mit fast allen Mitarbeitern auf den Tribünen, die live an der Strecke erleben, wohin ihre Bemühungen führen können - das schweißt ein Team noch mehr zusammen, ist ein Motivationsboost sondergleichen - das macht den Triumph in Silverstone besonders wertvoll. In der Summierung war Red Bull in einer eigenen Liga: eine klare Kampfansage an Brawn GP.

Force India: Giancarlo Fisichella zum zweiten Mal in der Nähe eines WM-Punktes, dazu das geilste Überholmanöver im Rennen, die Autos endlich konkurrenzfähig. Und dass die Mechaniker Adrian Sutils-Quali-Wrack einsatzfähig zum Rennen gebracht haben, verdient ein Sonderlob. Ebenso, dass der Gräfelfinger nach dem Horrorcrash die Zähne zusammen gebissen und den GP durchgezogen hat. Das alles verdient höchsten Respekt!

Felipe Massa: Der F60B ist nach wie vor keine Rakete, aber von Startplatz elf dank guter Taktik und fast fehlerfreiem Racing auf Rang vier vorzufahren ist aller Ehren wert. Mehr war nicht drin.

Nico Rosberg: Ein Top-Resultat, das Mut macht. Williams ist dieses Jahr deutlich besser und konstant in der Entwicklungsgeschwindigkeit, was das Auto angeht. Die Quali-Niederlage gegen Kazuki Nakajima ist auch der Benzin-Zusatzlast von neun Kilogramm zuzuordnen, das macht rund dreieinhalb Zehntel aus. Im Rennen war der Wiesbadener konstant schnell, ein weiteres markantes Kaptiel in seinem Bewerbungsschreiben für einen Vertrag bei einem Topteam 2010!

Nick Heidfeld: Der BMW-Sauber ist nach wie vor eine Warmluftpumpe, die Verbesserungen kommen zu langsam, sind nicht effektiv genug. Der Mönchengladbacher kämpft trotzdem wie ein Wilder. Wie er sich gegen die Anweisung durchgesetzt hat, reinzukommen um den lädierten Frontflügel zu wechseln, weil er das Duell auf der Strecke gegen Fernando Alonso mit allen Mitteln durchziehen wollte, war allererste Sahne, und zeigt, das Quick Nick einen eigenen Kopf hat! Chapeau dafür!

FLOPS

McLaren-Mercedes: Irgendwo im Nirgendwo, dazu zwei Fahrer, die neben der Kappe standen. Der Heim-GP war ein einziges Desaster.

Renault: Wenn das Team sich bei der Weiterentwicklung des Autos so reinhängen würde wie Flavio Briatore in den Grabenkämpfen mit der FIA, müssten Alonso und Nelson Piquet nicht so hartes Brot kauen. Mit der Pest- und Beulen-Flunder R29 ist selbst der beste Pilot im Feld chancenlos. Kein Wunder, dass Alonso wohl das Weite sucht.

Egomanen und Egozentriker als Entscheidungsträger in der FIA und der FOTA: Statt für das gemeinsame Ganze zusammenzustehen, pinkelt man sich im Polit-Theater gegenseitig auf die Schuhe - und zerstört dabei fast alle Grundlagen für die Zukunft der F1. Der Totalschaden war greifbar, der Imageverlust ist immens, damit vergrault man Sponsoren und Fans. Mensch! Rauft euch zusammen und laßt uns den Schmarrn schnellstens vergessen!!! Das vergangene Wochenende war aufgrund der Querelen im Hintergrund nervenaufreibend! Nutzt die dreiwöchige Pause bis zum Nürburgring-GP, um die Zukunft der F1 einzutüten, und lasst den Pulverdampf schnellstmöglich verrauchen. Dann können wir uns endlich wieder auf den Sport konzentrieren, der das Wichtigste sein sollte!

In diesem Sinne, weiter geht's mit Vollgas. Bis zum Nürburgring!

Ihr Peter Kohl

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel