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Mark Webber holt im 129. Qualifying erstmals die Pole Position © getty

Pole-Setter Mark Webber stiehlt Sebastian Vettel bei der Quali zum Deutschland-Grand-Prix die Show. Der Deutsche ist unzufrieden.

Vor Marc Ellerich

München/Nürburgring - Der Samstag war ein Glückstag für einen Red-Bull-Piloten. Allerdings war es nicht Sebastian Vettel, der sich auf dem Nürburgring über ein rundum gelungenes Qualifying freute 127929(Bilder des Qualifyings) .

Der junge Deutsche musste sich vor seinem Heimrennen (So., ab 13.45 Uhr LIVE) nach einer hochdramatischen Zeitenjagd mit dem vierten Startplatz begnügen (DATENCENTER: Startaufstellung) .

An seiner Stelle jubelte ausgerechnet sein interner Rivale im Red-Bull-Team, der Australier Mark Webber, über seinen gelungenen Coup (Vettel mobilisiert die Massen).

Erste Pole seit Alan Jones

Mit der schnellsten Rundenzeit von 1:32,230 Minuten hatte sich Vettels Kollege erstmals in seiner Formel-1-Karriere an die Spitze des Starterfelds gesetzt - vor den Brawn-Piloten Rubens Barrichello und Jenson Button.

"Für mich ist dies ein sehr besonderer Tag", freute sich Webber anschließend, was kaum verwunderlich ist: 129 Grands Prix benötigte er, um dieses Glanzstück als erster Australier nach seinem Landsmann Alan Jones im Jahr 1980 zu schaffen.

Unberechenbares Wetter

So wird es am Rennsonntag vermutlich auf ein neuerliches Duell zwischen den Rot-Blauen und den Giftgrünen hinauslaufen.

Zusätzliche Spannung bezieht der Vergleich der beiden überlegenen Teams dieser Saison zu einen durch die Tatsache, dass nach dem Qualifying die "falschen" Piloten die Nase vorn haben, zum anderen dürfte das unberechenbare Wetter in der Eifel für Aufregung sorgen.

Besonders im zweiten Qualifikationsdurchgang machten Wetterkapriolen den Teams das Leben schwer.

Unzufriedener Vettel

"Man wusste nie, wie weit man gehen kann", meinte Vettel über die schwierigen Bedingungen, die zwischen Regen und Sonnenschein fast im Handumdrehen wechselten: "Heute war es offensichtlich ein bisschen eine Lotterie."

Doch nicht die Wetterwechsel und die damit verbundenen Fragezeichen bei der Reifenwahl machten den Red-Bull-Shootingstar unzufrieden, Vettel ärgerte sich über sich selbst.

"Meine letzte Runde war nicht die allerschönste", gab der WM-Dritte offen zu: "Heute war absolut mehr drin."

Michael Schumacher, der die Leistungen seines jungen Nachfolgers vorort beobachtete, hatte Verständnis für Vettels Ärger: "Platz vier wird Sebastian wurmen. Gerade in seiner Heimat wäre er sicher gerne ganz vorne gewesen. Doch bei diesen Umständen kann das passieren."

Button wendet Aus ab

Und mit seinem vierten Startplatz war Vettel bei genauerem Hinsehen nicht wirklich schlecht bedient.

Von seinem großen WM-Rivalen Button trennten ihn lediglich sieben Tausendstelsekunden, und aus den Worten des Briten sprach große Erleichterung, den deutschen Widersacher hinter sich gehalten zu haben

Zumal er im wilden zweiten Durchgang nah am Ausscheiden war.

"Es war ein verrücktes Qualifying. Es ist für alle großartig, die in die Top-Ten gekommen sind", meinte Button und prophezeite für den Sonntag eine ebenso nervenaufreibende Rennerei: "Morgen wird es interessant werden. Das Wetter sieht ähnlich aus wie heute. Es wird nass, trocken, nass, trocken werden. Man benötigt also Glück."

Sutils große Pläne

Und wer weiß, vielleicht ist - sollte es wirklich turbulent zugehen - am Ende sogar ein anderer der Lachende Dritte, Adrian Sutil vielleicht oder sein Kumpel, McLaren-Mercedes-Pilot Lewis Hamilton.

Beide absolvierten in der Eifel ein erstaunlich starkes Qualifying.

Sutil bestätigte den Aufwärtstrend der vergangenen Wochen und parkte seinen von Mercedes-Power angeschobenen Force-India-Boliden erstmals unter den ersten Zehn.

Nun hegt er große Pläne: "Die Hoffnung ist da, den einen oder anderen Punkt mitzunehmen."

Ehrgeiziger Hamilton

Und auch aus dem bis dato kaum konkurrenzfähigen Hamilton, nach einem Update seines silbernen Boliden auf einmal Fünfter, spricht neu erwachter Ehrgeiz.

"Ein großartiges Ergebnis", jubelte der Weltmeister nach seinem gelungenen Comeback und nahm sich viel vor: Wenn es morgen trocken bleibt, können wir mit Sicherheit um das Podium fahren."

Vettel: Nichts zu verlieren

Doch nicht nur vermeintliche Außenseiter hoffen im neunten Grand Prix der Saison auf den großen Wurf, auch Lokalmatador Vettel hat seinen dritten Saisonsieg längst nicht abgeschrieben.

"Attacke!", gibt der Deutsche als Motto für den Rennsonntag aus: "Ich denke, wir haben nichts zu verlieren."

Doch dann muss er irgendwie an seinem Teamkollegen Webber vorbei.

Webbers erster Sieg?

Und dass der Australier das Feld nicht freiwillig räumen wird, ist gewiss - obwohl er mit weniger Sprit an Bord unterwegs ist, wie Red-Bull-Teamchef Chris Horner preisgab.

Denn auch Webber will seiner Pole Position nun seinen ersten Sieg folgen lassen: "Ich war knapp davor, hatte ein zwei zweite Plätze, der Tag könnte kommen, vielleicht ist es morgen soweit."

Vielleicht, doch Vettel, Button und Barrichello werden sich gewiss nur ungern in die Rolle als Feiergäste eines australischen Triumphators fügen.

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