vergrößernverkleinern
Der dritte Doppelsieg: Sebastian Vettel (r.) beglückwünscht Mark Webber © imago

Jenson Button ist nach dem Deutschland-GP erleichtert über den ersten Sieg von Mark Webber. Barrichello platzt der Kragen.

Von Marc Ellerich

München - Den Deutschland-Grand-Prix 2009 wird Jenson Button gewiss nicht in guter Erinnerung behalten. Für den WM-Führenden im Brawn GP war das neunte Saisonrennen eine einzige große Pleite 128245(Bilder des Rennens).

Nur Platz fünf stand nach 60 Umläufen für den Leader zu Buche - der nächste Rückschlag nach Buttons sechstem Rang beim englischen Heimrennen in Silverstone.

Zwar hatte er seinen Kollegen und teaminternen Rivalen Rubens Barrichello als Sechsten hinter sich gehalten. Doch zeitweilig war der im ersten Saisondrittel so unantastbare Brite mit kalten Reifen über den Eifel-Parcours geschlittert, dass es fast Mitleid erregend war.

Macht- und hilflos

Macht- und beinahe hilflos mussten Button und Barrichello die beiden rot-blauen Kontrahenten des Red-Bull-Rennstalls in der Eifel zum dritten Doppelsieg des Jahres davonziehen lassen (BERICHT: Doppelsieg für Red Bull!).

Doch bei allem Unglück erkannte Button im Rennergebnis einen Lichtblick: Aus seiner Sicht hatte auf dem Nürburgring der richtige Mann gewonnen.

Denn nicht sein junger deutscher Widersacher Sebastian Vettel erklomm als Erstplatzierter das Podium auf dem Nürburgring. Es war dessen teaminterner Gegenspieler Mark Webber, der seiner Pole Position vom Samstag tags darauf seinen ersten Grand-Prix-Sieg folgen ließ (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Sieg im 130. Grand Prix

Im 130. Formel-1-Rennen seiner Karriere hatte sich der Australier im Red Bull gegen alle Widerstände durchgesetzt, hatte sogar eine Durchfahrtsstrafe weggesteckt, die ihm nach einer Kollision mit Rubens Barrichello im hektischen Startgetümmel aufgebrummt worden war.

Am Ende erfüllte sich der Australier ungefährdet seinen Traum vom ersten Grand-Prix-Triumph - knapp zehn Sekunden betrug sein Vorsprung auf Vettel.

Entsprechend begeistert beging Webber, der sich im Winter einen schlimmen Beinbruch beim Radfahren zugezogen hatte, seine Siegpremiere.

21 Punkte zurück

"Es ist ein unglaublicher Tag für mich", freute sich Webber: "Ich hatte mir den Sieg so sehr gewünscht."

Auch Button freute sich über den ersten Sieg des Australiers, wenngleich aus anderem Grund.

"Es wäre ein Desaster gewesen, wenn Vettel gewonnen hätte", gab Button offenherzig zu: "Mein Abstand in der WM hat sich nicht verändert, jetzt ist halt ein anderer hinter mir."

Vettel nämlich. 21 Punkte beträgt sein Rückstand auf den Briten. Nur anderthalb Punkte dahinter folgt bereits Webber, und Button hofft darauf, dass der Australier dem Deutschen weiter das Leben schwer macht.

"Die beiden werden sich nun gegenseitig die Punkte wegnehmen", skizzierte der sechsmalige Grand-Prix-Sieger dieser Saison sein Wunsch-Szenario.

"Würde lügen"

Eine ziemlich exklusive Sicht, denn sie vernebelte die Tatsache, dass es die beiden Brawn-Piloten waren, die auf dem Nürburgring Punkte und Federn lassen mussten.

"Von einem sehr guten Resultat für das Team", sprach Vettel, der seinem Kollegen ohne Umschweife zum Sieg gratulierte und zugleich einräumte, dass er sich beim Heimrennen mehr erhofft hatte.

"Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich rundum glücklich bin", gab er zu.

Vettel profitiert

Doch Vettel wusste natürlich, dass er einer der Profiteure des Rennens war, zumal er durch einen missratenen Start zunächst vier Plätze verloren hatte und seine Aufholjagd von Platz acht beginnen musste.

"Es ist gut, hier diese Punkte mitgenommen zu haben", stellte der Deutsche nach eineinhalb Stunden zufrieden fest. Vier Punkte auf Button gutgemacht, auf Platz zwei der WM geklettert, ein Rennwochenende kann schlimmer enden.

Vorwürfe von Barrichello

Zumal beim Gegner offenbar die Nerven blank liegen. Rubens Barrichello, nach dem Deutschland-GP nurmehr als Vierter der Fahrer-Wertung geführt, richtete nach dem Debakel harte Worte gegen sein Team.

"Das war eine gute Vorführung, wie man ein Rennen herschenkt", wütete der Brasilianer, der nach perfektem Start die Führung erobert hatte und anschließend Position um Position verlor.

"Ich tat alles, was ich tun musste", empörte sich Barrichello und legte dann gegen sein Team los: "Sie haben dafür gesorgt, dass ich das Rennen verlor. Wenn wir so weitermachen, werden wir beide Meisterschaften verlieren. Das wäre schrecklich."

Die Gründe für Barrichellos Wutanfall: Ein defekter Tankschlauch, der viel Zeit kostete, und eine Dreistopp-Strategie, die nicht funktionierte.

"Um ehrlich zu sein würde ich mich jetzt gerne ins Flugzeug setzen und heimfliegen", ätzte Barrichello weiter: "Ich möchte mit niemandem aus dem Team sprechen, weil es nur Blabla wäre. Ich bin so wütend."

"Müssen Red Bull schlagen"

Ob der deutsche Grand Prix bereits die Trendwende im erbitterten Ringen zwischen den Giftgrünen und den Rot-Blauen markierte, wird sich erst im weiteren Saisonverlauf herausstellen.

Als nächstes macht die Formel 1 in zwei Wochen in Ungarn Station. Dort wird es vermutlich wärmer werden und die Reifen des Brawn-Boliden werden keine 30 Grad an Betriebstemperatur verlieren wie beim Eifel-Grand-Prix.

Womöglich findet der Brawn-Renner also bereits auf dem Hungaro-Ring zu alter Form zurück, zumal er erneut upgedatet werden soll.

Verlassen sollten sich die Briten darauf nicht.

Jenson Button weiß jedenfalls, was die Stunde für sein Team geschlagen hat: "Wir müssen Red Bull in Ungarn schlagen."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel