In seiner Sport1.de-Kolumne beurteilt DSF-Experte Peter Kohl die Tops und Flops des Formel-1-Grand-Prix von Deutschland.

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TOPS:

Red Bull: Das Team rund um Christian Horner und Adrian Newey hat dafür gesorgt, dass Vettel und Webber die Brawn GP Jungs derzeit alt aussehen lassen. Super Weiterentwicklung - die WM ist wieder offen bei Konstrukteuren und Fahrern - dank der Brausemillionen von Dietrich Mateschitz. Red Bull verleiht der Formel 1 Flügel, ist derzeit die klare Nummer Uno im Feld. Gut so!

Mark Webber: Er ist ein Kantschädel mit Haken und Ösen, immer gerade heraus, ehrlich und ohne Allüren. Ein echter Typ mit Charakter - Gratulation zum ersten GP Sieg! Der war lange überfällig. Den gönne ich ihm von Herzen!

Nico Rosberg: Von Startplatz 15 auf vier - ein echtes Highlight. Damit hat er sich endgültig in die Position gebracht für einen Wechsel in ein siegfähiges Team. Aufgrund der begrenzten Ressourcen wird Williams das in den kommenden Jahren kaum sein. McLaren-Mercedes lockt, dazu vielleicht BMW-Sauber oder Brawn GP, denn Barrichello ist dort nach seiner harschen Teamkritik nach dem Rennen klar auf Kurs Abstellgleis. Nico hat die Qual der Wahl - es gibt Schlimmeres im Leben eines Piloten.

Felipe Massa: Turbostart und eine gute Rennstrategie. Der erste Podiumsplatz des Brasilianers in dieser Saison ist absolut verdient. Er zeigte sich in der Phase der Nackenschläge stets kämpferisch, motivierte das Team und glaubte an den Erfolg. Ein Ferrarista von ganzem Herzen. Platz drei ist die gerechte Belohnung.

Adrian Sutil: Starke Leistungen im Freien Training, Platz sieben im Qualifying vor den beiden Ferrari trotz deutlich mehr Sprit an Bord - der 26-Jährige unterstrich famos den deutlichen Aufwärtstrend von Force India. Punkte wären sicher gewesen. Seine Kollision mit Räikkönen nach dem Boxenstop war eine Dummheit, ein Fehler der einen Schatten auf eine ansonsten glänzende Vorstellung wirft. Dennoch - Sutil war eine Bereicherung für diesen GP!

McLaren-Mercedes: Pech im Rennen für Lewis Hamilton, der nach Raketenstart von fünf nach ganz vorne geprescht war, der eine Punkt von Kovalainen ist nur ein dünnes Trostpflaster. Aber der Aufwärtstrend ist deutlich sichtbar, im Qualifying waren die silbernen Renner die große Überraschung. Die Tendenz weist ganz klar nach oben.

FLOPS

Toyota: Hallo, jemand zu Hause? Nur weiter so Freunde, dann ziehen Euch die großen Meister in Japan den Stecker und steigen aus! Trulli im Qualifying ganz ordentlich, im Rennen im Nirgendwo. Glock im Quali unterirdisch, dafür im Rennen stark, aber als Neunter unbelohnt. Der Weltkonzern wird sich die Feldauffüllerrolle nicht länger intern schön reden. Zu Saisonbeginn noch siegfähig, zuletzt im freien Fall ins Tal der Tränen - Konsequenzen werden da nicht lange ausbleiben in Zeiten der Weltwirtschaftskrise und den Absatzproblemen auf dem Automarkt. diese Auftritte sind eher imageschädigend.

BMW-Sauber: Sie werkeln fleißig in München und Hinwil - aber es kommt wenig dabei heraus. Eine Nullnummer zum Vergessen - die Weiß-Blauen kommen einfach nicht aus dem Quark, bleiben extrem farblos. Wo bleiben die Kreativität und der technische Fortschritt? Der vermeintliche Titelanwärter muss sich hinter Williams, Renault und Force India einsortieren, mutiert damit zunehmend zum Rohrkrepierer.

Brawn GP: Die ersten sieben Grands Prix der Saison war das Team der strahlende Stern am Formel 1 Himmel - am Ende könnte das Schicksal von Sternschnuppen stehen: erst kräftig leuchten, um langsam zu verglühen. Nichts mehr zu sehen von der einstigen Souveränität , der teaminterne Frieden ist durch Barrichellos Emotionsausbruch nach dem Rennen mit der harschen Kritik an den eigenen Leuten schwer gestört. Das Frustpotential steigt! Man darf gespannt sein, wie Ross Brawn die wild davon galoppierenden Gäule wieder einfangen will. In der jetzigen Verfassung werden sie am Ende der Saison mit leeren Händen dastehen....

Bernie Ecclestone: Erst denken, dann reden - das würde auch dem Formel 1 Napoleon gut tun. Seine Aussagen zu Hitler sind einfach beschämend - ein Anflug von Senilität? Wohl kaum, wenn's um Geld geht, hat er ja auch alle Sinne beisammen. Man muss sich schon ernsthaft fragen, ob er für die Formel 1 noch tragbar ist.

Die Begeisterung von 250.000 Fans am Nürburgring hat gezeigt - die Formel 1 rockt! Bereits in zwei Wochen wieder in Ungarn.

Bis dahin

Ihr Peter Kohl

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