Formel-1-Experte Jacques Schulz sieht Brawn auf dem Weg zu alter Stärke, Red Bull braucht eine klare Nr. 1. Das Power-Ranking.

Hallo Formel-1-Fans,

vor der großen Sommerpause erwartet uns in Ungarn ein richtungsweisendes Rennen im WM-Fight zwischen Brawn GP und Red Bull (DATENCENTER: Der WM-Stand). Und es wird äußerst spannend zugehen: Ich sehe im Vorfeld ein Unentschieden mit völlig offenem Ausgang. Brawn ist deutlich stärker aufgestellt als zuletzt. Aber ob es reicht, um den momentan schnelleren Red Bull zu schlagen, weiß ich genauso wenig wie Sie, liebe User. Wir werden uns überraschen lassen müssen!

Ein klarer Vorteil für Brawn ist allerdings, dass - auch wenn Rubens Barrichello es nicht wahrhaben will - die Jetons intern längst auf Jenson Button gemünzt sind. Ross Brawn hat wie früher bei Ferrari mit Michael Schumacher für eine klare Hierarchie gesorgt. Diese Nummer-1-Philosophie ist exakt das Richtige!

Ich halte gar nichts von der so häufig bemühten Chancengleichheit. Mark Webbers Lauf zu diesem Zeitpunkt setzt Sebastian Vettel richtig unter Druck. Und in seinem jugendlichen Alter hat er schon einige Fehler macht. Wir erinnern uns: 2007 kam es - passenderweise in Ungarn - bei McLaren zur teaminternen Explosion, als Fernando Alonso Lewis Hamilton in der Box blockierte. Am Ende vergurkten sie die WM. Deshalb fordere ich: Red Bull braucht eine Team-Strategie, sie sollten sich auf einen Fahrer festlegen! Aus deutscher Sicht müsste das natürlich Sebastian Vettel sein?

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Die Hitze in Ungarn und das Layout der Strecke sollten Brawn GP in die Karten spielen. Die langsamen Kurven sprechen für den Brawn mit seiner besseren Mechanik und Haftung sowie der starken Bremse. Das Auto ist bei den Richtungswechseln in engen Kurven, wenn Rundenzeiten weniger über die Aerodynamik generiert werden, bärenstark.

Es kommen die Reifenvarianten soft und supersoft zum Einsatz - und je weicher der Reifen bei höherer Temperatur, desto mehr ist das ein Vorteil für Brawn. Zudem braucht man viel Bremse in Ungarn, und auch das Bremsen generiert Reifentemperatur. Das Tief des Spitzenreiters sollte überwunden sein, zumal man noch einmal ein Paket mit Frontflügel und anderen neuen Teilen an den Start bringt.

Auch "Superhirn" Ross Brawn spielt eine große Rolle: Mit der strategischen Erfahrung vieler Rennjahre ist sein Team die routiniertere Truppe, wenn es darum geht, in Sekundenschnelle Entscheidungen zu treffen. Da haben sie gegenüber Red Bull, wo es viele unterschiedliche Strömungen und Interessen gibt, einen Vorteil.

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Hinter den beiden Top-Teams prognostiziere ich eine Überraschung: Ich sehe McLaren-Mercedes vor Ferrari, Williams und Toyota. McLaren hat meiner Meinung nach den Stein der Weisen gefunden, wie es Ferrari vor einigen Rennen gelang, als sie plötzlich wieder vorne mitfuhren. Sie haben verstanden, wie das Auto vorne die Luft anströmen lassen muss. Mit den schuppenartigen Endplatten und dem Rückrüsten der Radkappen lenken sie die Luft um die Räder herum. Weitergedacht sorgt das für mehr Anpressdruck hinten. Und plötzlich hat Lewis Hamilton Vertrauen und steht in den Top Ten!

Schon vor Monaten in Monaco, wo der Kurs etwas ähnlich ist, war das Auto siegfähig, obwohl es bei weitem nicht so gut entwickelt war. Hamilton ist zudem extrem motiviert, einen Einzelsieg zu holen. Dass er beim letzten GP aufgeben wollte, hatte nichts mit mangelnder Motivation zu tun. Da ging es nur um den Motor. Auch Heikki Kovalainen ist gut drauf - und er weiß genau, dass da einige auf sein Cockpit schielen. McLaren ist für mich jedenfalls ein ganz heißer Kandidat auf das Podium.

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Ferrari sehe ich im Fight um Platz vier mit einer extrem starken Williams-Truppe kämpfen. Zwischen den beiden geht es ganz eng zu. Die Briten sind in den letzten Jahren immer Mitte der Saison zurückgefallen, weil einfach die Mittel fehlten. Jetzt haben die Ingenieure mit den Updates aber gleich ein paar Mal ins Schwarze getroffen. Nico Rosberg liebäugelt mit BMW, da wäre es natürlich gut, im Rennen zu glänzen wie er es schon auf dem Nürburgring tat. (DATENCENTER: Grand-Prix-Ergebnisse)

Soviel zu Ungarn, freuen wir uns auf den Schlagabtausch in der Hitze von Budapest! In der Sommerpause melde ich mich dann zurück mit einer Analyse des Kräfteverhältnisses der beiden WM-Kandidaten für die verbleibenden Rennen.

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

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