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2009 in Ungarn: Bei der Quali in Budapest trifft eine Feder aus Rubens Barrichellos Bolide Felipe Massa am Kopf. Der Brasilianer fährt ohne zu lenken in einen Reifenstapel und wird mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht
Felipe Massa wird nach seinem Crash mit einem Helikopter abtransportiert © getty

Der Crash des Ferrari-Piloten überschattet die Ungarn-Quali. Ein Metallteil trifft Massa hart am Kopf. Ist gar sein Leben bedroht?

Von Marc Ellerich und Christian Paschwitz

München/Budapest - Wiegt der Horror-Crash von Felipe Massa möglicherweise doch viel schwerer als angenommen?

Laut einem Bericht von "AP" vom späten Samstagabend soll der Ferrari-Pilot, der beim Qualifying zum Großen Preis von Budapest (So., 13.45 Uhr LIVE) schwer verunglückt war und eine gravierende Kopfverletzung davontrug, in Lebensgefahr schweben.

Die internationale Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf Peter Bazso, Klinikdirektor des AEK Militärkrankenhauses.

Dorthin war Massa nach seinem folgenschweren Crash per Helikopter eingeliefert worden und unmittelbar danach operiert worden.

"Lebensbedrohlich und stabil"

"Massa Zustand ist ernst und lebensbedrohlich", sagte Bazso. "Allerdings auch stabil."

Die "Bild" wiederum meldete am späten Samstagabend ohne weiteren Quellenbezug, Massa befinde sich im künstlichen Koma.

Was die Aussagen in einem diffusen Licht erscheinen lässt: Ferrari-Sprecher Luca Colajanni widersprach den Meldungen umgehend, erklärte gegenüber der "Bild": "Das ist Blödsinn."

Künstliches Koma?

So oder so: Das erstaunliche Comeback von Doppel-Weltmeister Fernando Alonso geriet zur Randnotiz.

Der Spanier, in seinem Renault bis dato hoffnungslos unterlegen, raste auf dem Hungaroring zu seiner 18. Pole Position vor den Red-Bull-Piloten Sebastian Vettel und Mark Webber.

Auch der desolate achte Platz von WM-Leader Jenson Button im Brawn GP ging unter. (DATENCENTER: Die Startaufstellung)

Der WM-Kampf in dem temporeichen Sport mutierte zur Nebensache - wegen Massa.

Einschlag in die Reifenstapel

Kurz vor dem Ende des zweiten Durchgangs war der Brasilianer von der Strecke abgekommen und - wie die TV-Bilder zeigen - mit etwa 190 Stundenkilometern in einem Reifenstapel am Streckenrand eingeschlagen. (BERICHT: Horror-Crash von Massa - Pole für Alonso)

Dort blieb der rote Bolide stecken, Massa rührte sich nicht. 132835(DIASHOW: Die Bilder des Qualifyings)

Es dauerte einige Minuten, bis der WM-Zweite des Vorjahres geborgen werden konnte. Der Schauplatz des Unfalls wurde mit weißen Decken abgeschirmt.

Gehobener Daumen

Auf einer Trage wurde der Brasilianer, derzeit auf Platz fünf der Fahrer-WM, zum Krankenwagen und schließlich ins Medical Center auf dem Streckengelände gebracht.

Mit gehobenem Daumen signalisierte der Bruchpilot zwar Entwarnung.

Dennoch wurde der Rennfahrer anschließend in eine Klinik geflogen.

Knochenabsplitterung am Schädel

Später teilte Ferrari in einem offiziellen Statement mit, Massa habe eine Knochenabsplitterung am Schädel, einen Schnitt auf der Stirn und eine Gehirnerschütterung erlitten.

Am frühen Abend hieß es seitens des Rennstalls, Massa sei bereits operiert worden. Der Eingriff sei gut verlaufen, und der Brasilianer werde intensiv behandelt.

Laut "Motorsport-Total.com" gehen die Mediziner davon aus, dass Massa keine bleibenden Schäden behalten wird.

Doch die neuerlichen Aussagen aus dem Budapester Krankenhaus in Budapest stellen die Situation nun wieder anders dar.

Barrichellos Stoßdämpfer?

Die Unfallursache war zunächst nicht abschließend geklärt.

Die Fernsehbilder dokumentierten, wie ein Gegenstand gegen den Kopf des Piloten prallt und dieser kurz zurückschnellt.

Offenbar wurde Massa durch den harten Aufschlag bewusstlos, so dass er nicht mehr reagieren konnte.

Nach Aussage des Ferrari-Sprechers könnte es sich um eine (Stoßdämpfer-) Feder des vorausfahrenden Brawn-Fahrers Rubens Barrichello gehandelt haben.

"Kontrolle verloren"

"Diese hat ihn am Helm getroffen, wodurch er die Kontrolle über das Auto verloren hat und geradeaus und ohne Lenkung in die Barriere gefahren ist", so der Sprecher.

Und weiter: "Ich habe mit Rubens gesprochen, und er hat gesagt, dass er gespürt hat, dass sich hinten etwas von seinem Auto gelöst hat."

Barrichello berichtete, er habe nach dem Qualifying noch mit seinem Landsmann sprechen können. Er habe ein Teil seines Boliden verloren.

"Ich habe hinten eine Feder oder eine Stange verloren", so Barrichello: "Das war möglicherweise die Ursache für Felipes Unfall."

"Völlig durch den Wind"

Nach Informationen von "Motorsport-Total.com" soll die Feder 800 Gramm schwer gewesen sein und den Piloten bei Tempo 220 im linken oberen Bereich des Helms getroffen haben.

Massa habe einen kleinen Schnitt am Kopf, sagte der Teamkollege von Jenson Button, der bereits in Q2 gescheitert war.

Indes: Dem widersprechen Bilder, auf denen Massa aussieht, wie ein schwer verprügelter Boxer.

Barrichello bezeichnete Massa zunächst als ansprechbar, "aber völlig durch den Wind".

Vettel frohen Mutes

Auch Vettel ging nach dem Qualifying davon aus, dass sein brasilianischer Formel-1-Kollege den Crash ohne Folgeschäden überstanden hatte.

Wie schwerwiegend die Verletzung jedoch tatsächlich ist, lässt sich momentan nur schwer beantworten.

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