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Sebastian Vettel liegt im WM-Rennen mit 47 Punkten auf dem dritten Platz © imago

Sebastian Vettel fällt beim Ungarn-Grand-Prix aus und wird in der WM von seinem Teamkollegen überholt. Lewis Hamilton ist zurück.

Von Marc Ellerich

Budapest/München - Sebastian Vettel musste nicht reden, sein Gesicht verriet mehr als tausend Worte.

Seine Miene spiegelte nach dem Ungarn-Grand-Prix 133194(DIASHOW: Bilder des Rennens) Wut und Enttäuschung wider (BERICHT: Der Champion ist zurück - Nuller für Vettel) .

Wut und Enttäuschung darüber, dass eine gewaltige Chance, im WM-Kampf viel Boden auf den Führenden Jenson Button gutzumachen, sich mir nichts, dir nichts in Luft aufgelöst hatte.

Kollision mit Räikkönen

Zunächst verlor der Zweite der samstäglichen Qualifikation beim Start einige Positionen, anschließend geriet Vettel im Machtgerangel um die Positionen mit Kimi Räikkönen aneinander - ein Duell, das für den Red-Bull-Piloten den Anfang vom vorzeitigen Ende des Rennens bedeutete (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Bitter analysierte Vettel sein unfreiwilliges Scheitern auf dem Hungaroring und gab sich wenig Mühe, den Verantwortlichen für sein frühes Aus beim Namen zu nennen.

"In der ersten Kurve war es ganz eng", sprach der Shootingstar der PS-Szene in die Mikrofone: "Ich war auf der Innenseite und hatte eigentlich freie Fahrt zum Herausbeschleunigen. Da kam Kimi quer und ist mir ins Auto gefahren."

"Das ist bitter"

Nach der Berührung seines Boliden mit dem Ferrari von Kimi Räikkönen rissen die Probleme für den Deutschen nicht mehr ab.

"Wir hatten keine Chance mehr, das Auto noch zu reparieren", sagte er: "Das ist natürlich bitter."

Zweimal noch versuchten die Mechaniker, die defekte Vorderradaufhängung des Rennwagens zu reparieren - vergeblich. In der 32. Runde stellte Vettel seinen Boliden in der Red-Bull-Garage ab.

Hamilton triumphiert

Machtlos musste er fortan zusehen, wie andere die wertvollen WM-Punkte untereinander aufteilten.

Etwa der leidgeprüfte McLaren-Mercedes-Weltmeister Lewis Hamilton, der den zuletzt deutlich spürbaren Aufwärtstrend der silbernen Crew mit seinem zehnten Grand-Prix-Sieg krönte.

Aber auch sein Unfall-Gegner Räikkönen, der sein Ferrari-Team mit Platz zwei für einen Moment aus der Schockstarre nach dem schweren Qualifying-Unglück Felipe Massas riss (HINTERGRUND: Massa wieder im Koma).

Das Comeback der beiden WM-Gegenspieler von 2007 dürfte Vettel allerdings ebenso wenig interessiert haben wie die Plätze vier und sechs seiner Landsleute Nico Rosberg und Timo Glock.

Webber Dritter

Für Vettel wog viel schwerer, dass sein teaminterner Rivale Mark Webber auf den dritten Platz fuhr und ihn so als direkten Verfolger von WM-Leader Jenson Button ablöste.

Der Brite wurde Siebter und sicherte sich ebenfalls noch zwei Punkte.

18,5 Zähler beträgt der Vorsprung des Brawn-Piloten auf den Australier im Red Bull, 23 sind es auf Vettel.

Was wäre gewesen, wenn? Die verpasste Großchance schlug dem ehrgeizigen Hessen aufs Gemüt. "Ich denke, wir hätten heute viele Punkte machen können", behauptete er: "Wir müssen aufholen und jeder Punkt hilft. Aber wenn man nicht ankommt, dann kann man auch keine Punkte holen."

Button hat schlechte Laune

Und es wird Vettel kaum trösten, dass auch sein Widersacher Button ein tristes Rennen fuhr.

Der Brite, der die Saison mit sechs Siegen so dominant begann, hatte nach dem Großen Preis von Ungarn ebenfalls schlechte Laune.

Der WM-Anführer, so ist der Eindruck, verzweifelt allmählich an seinem im ersten Saisondrittel so pfeilschnellen Auto.

Schon während des Rennens fragte er sein Team über Funk, wie sein Rennwagen nur so schlecht sein könne.

"Weiß nicht, was es ist"

Später redete Button Tacheles, den Brawn-Boliden hält er derzeit offenbar nicht mehr für konkurrenzfähig: "Unser Auto ist nicht so zu fahren, wie dies noch vor einigen Rennen der Fall war."

"Ich weiß nicht, was es ist", stellte Button in Anspielung auf die niedrigen Temperaturen bei den kalten Rennen in England und Deutschland fest: "aber wir können das Wetter nicht verantwortlich machen".

Seine Reifen seien bereits nach vier Runden verbraucht gewesen, berichtete er weiter: "Ich konnte vorne nicht mehr mithalten."

Hoffen auf die Pause

Längst sei die Konkurrenz der giftgrünen Crew enteilt: "Der Red Bull ist deutlich schneller, und offensichtlich haben McLaren, Ferrari und Williams ebenfalls zugelegt." Womöglich hätten die letzten beiden Updates den Rennwagen aus der Balance gebracht.

Button hofft nun auf die anstehende vierwöchige Pause bis zum nächsten Grand Prix in Valencia, um die Probleme zu lösen.

"Fantastisch, unglaublich"

Der Zwangsurlaub ist des einen Freud und des anderen Leid. Sieger Hamilton, so darf man getrost vermuten, würde am liebsten gleich wieder hinters Steuer seines Boliden klettern.

"Fantastisch", "unglaublich", das waren die Vokabeln, die aus dem begeisterten Weltmeister hervorsprudelten: "Wir hatten nicht erwartet, an diesem Wochenende gewinnen zu können."

In der verbleibenden Saison will Hamilton "pushen, pushen, pushen und sehen, wie weit wir noch in der WM kommen".

Immerhin, bei aller Freude, einen vergaß der Weltmeister vor lauter Glück nicht. "Der Samstag war ein trauriger Tag für uns. Wir vermissen Felipe und wünschen ihm das Beste."

Es gibt Wichtigeres als große Siege.

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