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Ein verpatzter Boxenstopp war für Sebastian Vettel in Valencia der Anfang vom Ende © imago

Tankpanne, Motorschaden, Nullnummer: Vettel und Red Bull erleben in Valencia einen rabenschwarzen Tag. Der Sieger dankt Massa.

Von Julian Meißner

München - Sebastian Vettel machte gute Miene zum bösen Spiel.

Freundlich - wenn auch etwas gequält lächelnd - analysierte Deutschlands heißester WM-Kandidat einen rabenschwarzen Tag für ihn und sein Red-Bull-Team.

Bei Europa-Grand-Prix in Valencia, dem ersten Rennen nach der Sommerpause, hatten Vettel und sein Teamkollege Mark Webber weiter Boden auf WM-Spitzenreiter Jenson Button im Brawn gutmachen wollen.

Stattdessen erlebten die beiden am Sonntag ein wahres Debakel: Vettel fiel aufgrund eines Motorschadens zum zweiten Mal in Folge aus, nachdem er ohnehin wenig aussichtsreich im Rennen lag.

Webber verpasste als Neunter die Punkteränge, Button baute mit Platz sieben seinen Vorsprung in der WM weiter aus (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Defekt der Tankanlage

"Der erste Stopp war schon Mist, weil kein Benzin ins Auto geflossen ist. Da war mein Rennen eigentlich schon dahin", sagte Vettel 143336(Bilder des Rennens).

Teamchef Christian Horner erklärte mit versteinerter Miene: "Die Tankanlage fiel praktisch während des Tankvorgangs aus. Es flossen nur acht Kilo Benzin ins Auto, also mussten wir Sebastian gleich wieder reinholen."

Wenige Runden danach gab der Renault-Motor seines RB5 den Geist auf.

"Das darf nicht passieren"

Vettels WM-Chancen erhielten damit einen empfindlichen Dämpfer.

Der Heppenheimer rutschte in der Fahrerwertung auf Rang vier zurück, der Rückstand zu Button beträgt nun 25 Punkte.

Rubens Barrichello, der strahlende Sieger von Valencia ist nun Zweiter vor Webber (DATENCENTER: Der WM-Stand).

Vettels Fazit: "Wenn man Rückstand hat, aber ganz vorne mitmischen will und jeden Punkt mitnehmen will, dann darf das nicht passieren."

Rückversetzungen drohen

Umso ernster ist die Situation, da Vettel bald ganz ohne neue Motoren da stehen könnte. Im Rennen von Valencia gab schon das sechste Triebwerk den Geist auf, erst im Training am Samstag war das Gleiche geschehen.

Für die sechs verbleibenden Rennen hat Vettel nun nur noch zwei neue Motoren zur Verfügung. Sollte er mehr benötigen, drohen ihm Rückversetzungen um zehn Startplätze.

Barrichello: "Auch Massa hat gewonnen"

Sorgen dieser Art trieben Barrichello nicht um. Der Brasilianer, der seinen ersten Sieg seit 2004 emotional feierte, widmete den Erfolg seinem verletzten Landsmann Felipe Massa und heulte nach der Zieldurchfahrt wie ein Schlosshund.

"Als ich ihn besucht habe, hat er mir ein paar seiner guten Linien vom letzten Jahr verraten, die er noch sehr gut in Erinnerung hatte. Das hat mir sicher geholfen", meinte "Rubinho".

"Ich habe mir danach sein Rennen noch einmal angeschaut. Ein bisschen hat deshalb auch er gewonnen", so Barichello, der zunächst Heikki Kovalainen per Boxenstrategie überholt und dann von einem Missgeschick der McLaren-Crew profitiert hatte.

Boxencrew im Tiefschlaf

Lewis Hamilton hätte nach schwachem Saisonstart wohl seinen zweiten Sieg im McLaren-Mercedes in Folge gefeiert - hätte seine Boxenmannschaft beim zweiten Stopp nicht selig geschlafen. Als Hamilton bereits in der Box stand, kamen die Mechaniker erst aus der Garage gehastet.

Der Champion wollte seinem Team aber keinen Vorwurf machen. "Diese Dinge passieren", sagte Hamilton: "Wir gewinnen oder verlieren zusammen."

Sein Resümee des Arbeitstages: "Ich kann glücklich nach Hause gehen, denn ich weiß, dass ich alles gegeben habe."

Nächster Versuch: Belgien

Ähnliche Gedanken hatte auch Vettel: "Von meiner Seite aus hätte ich nicht viel mehr machen können. Wenn ich das Auto in die Mauer gestopft hätte, wäre es viel schlimmer gewesen."

Ein weiterer Trost: Schon am kommenden Wochenende bietet sich in Spa die nächste Chance, seinen Rückstand aufzuholen.

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