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Stefano Domenicali (l.) wurde 2007 Nachfolger von Jean Todt als Teamchef © imago

Während der Massa-Ersatz bei Ferrari seinen Traum lebt, wird bereits über einen Nachfolger spekuliert. Schumi wird es nicht.

Von Rainer Nachtwey

München/Valencia - Luca Badoer war richtig zufrieden nach seinem Renn-Debüt im Ferrari beim Großen Preis von Europa: "Dieses Wochenende habe ich mich sehr gesteigert. Ich habe mich von Samstag auf Sonntag um eine Sekunde verbessert."

Dass im Rennen trotz der festgestellten Steigerung nur der 17. und damit letzte Platz heraussprang - Williams-Pilot Kazuki Nakajima wurde zwar als 18. gewertet, beendete aber wegen eines Reifenschadens nicht das Rennen -, scheint den Italiener nicht zu irritieren (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Dabei übt Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali bereits Druck auf den Ersatz des verletzten Felipe Massa aus: "Spa ist für Luca natürlich ein wichtiges Rennen. Wir erwarten eine erhebliche Steigerung."

Schumacher wird 2009 nicht fahren

Sollte diese ausbleiben, "dann sehen wir weiter", führt Domenicali den Satz zu Ende (EINWURF: Zum Handeln gezwungen).

Ein Formel-1-Comeback von Michael Schumacher wird es dennoch nicht geben. "Ich kann mit absoluter Sicherheit ausschließen, dass er in diesem Jahr als Rennfahrer zurückkehrt", sagte der Teamchef.

Zudem ist der Teamchef überzeugt, dass Badoer beim nächsten Grand Prix am kommenden Sonntag im belgischen Spa-Francorchamps (Qualifying und Rennen ab Samstag 13.45 Uhr LIVE) sich steigern wird.

"Er wusste, dass er dieses Wochenende Zeit hat, um sich eine Startbasis zu schaffen. Das nächste Wochenende wird er sicher ganz anders angehen", meint Domenicali.

Rosberg lästert

Während Michael Schumacher seinem Freund Badoer den Rücken stärkt - "Luca hat sich stetig gesteigert" -, haben die Fahrerkollegen kein gutes Bild vom ewigen Testfahrer.

"2,6 Sekunden Abstand auf den Teamkollegen - das ist zuviel", meint Nico Rosberg zu Badoers Performance im Qualifying und zieht anschließend vom Leder: "Als ich mit 17 für Williams zum ersten Mal ein Formel-1-Auto testen durfte, war ich nach 30 Runden so viel langsamer als Juan Pablo Montoya."

Debütanten düpieren Badoer

Zumal nicht nur der Abstand auf Teamkollege Kimi Räikkönen, der dem Italiener im Rennen eineinhalb Sekunden pro Runde abnahm, sondern auch der zu den Fahrern in unterlegenen Autos im Qualifying eklatant war.

Der 19 Jahre alte Spanier Jaime Alguersuari, der in Valencia seinen zweiten Formel-1-Grand-Prix bestritt, distanzierte Badoer als Vorletzter um 1,5 Sekunden. Dabei dürfte Alguersuari als Badoer seinen zweiten Formel-1-GP 1993 bestritt, als Dreijähriger höchstens auf dem Bobby Car seine ersten Runden gedreht haben.

Und auch von Formel-1-Debütant Romain Grosjean ließ sich der 38 Jahre alte Badoer düpieren, als der ihn in der Boxengasse überholte, Badoer auswich, die durchgezogene Linie überfuhr und daraufhin eine Durchfahrtsstrafe kassierte 143336(Bilder des Rennens).

Gene bringt sich ins Gespräch

Die Rufe nach einem Badoer-Ersatz werden bereits nach einem Rennen laut.

Ferraris zweiter Testfahrer Marc Gene bringt sich selbst ins Gespräch. "Ich bin bereit, Rennen zu fahren", sagte der 35 Jahre alte Spanier im "ZDF", der "gerne vor seinen Fans" beim Valencia-GP an den Start gegangen wäre.

Hülkenberg als Kandidat

Nicht nur Gene gilt als möglicher Nachfolger Badoers, sondern auch Nico Hülkenberg. Der GP2-Pilot könnte bereits in Monza seinen Titel in der Nachwuchsserie unter Dach und Fach bringen und anschließend den zweiten Ferrari übernehmen.

Zumal dessen Berater Willi Weber über Schumacher beste Kontakte zu den "Roten" pflegt. Einziges Problem: Hülkenberg ist vertraglich noch an Williams gebunden.

Italiens Gazetten wollen Fisichella

Die italienischen Medien sehen jedoch lieber einen siegfähigen Italiener im zweiten Ferrari: Giancarlo Fisichella, derzeit bei Force-India notorischer Hinterherfahrer, in Spanien jedoch als Zwölfter weit vor Badoer positioniert.

Zudem hat der 36 Jahre alte Römer zu seiner Renault-Zeit mit drei Erfolgen bewiesen, dass er ganz vorne mitfahren kann.

Kein Schumi Comeback 2009

Sicher ist nur, dass Michael Schumacher 2009 kein Ferrari-Cockpit übernehmen wird. "Ich kann mit absoluter Sicherheit ausschließen, dass er in diesem Jahr als Rennfahrer zurückkehrt", sagt Domenicali.

Und auch Mirko Bortolotti aus Ferraris Juniorenkader erhält keine Chance. Dem schob Domenicali einen Riegel vor. "Das wäre allein schon aus Sicherheitsgründen nicht korrekt", meinte der Italiener.

Badoers Kindheitstraum

Sollte Badoer in Spa nicht in die Punkte fahren, was derzeit anzunehmen ist, werden die Spekulationen weiter gehen.

Solange aber lebt Badoer seinen Traum. "Nicht, dass ich davor nicht glücklich gewesen wäre, aber dies ist eine besondere Zeit für mich. Schon als kleines Kind habe ich davon geträumt, für Ferrari Formel 1 zu fahren."

Immerhin ist Badoer realistisch genug, seine Zukunftschancen bei Ferrari einzuschätzen: "Der Traum wird nicht lange andauern."

So wie es im Moment aussieht, nur noch bis Spa.

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