vergrößernverkleinern
Sebastian Vettel trennen nun noch 19 Punkte von Spitzenreiter Jenson Button © imago

Die Chancen Sebastian Vettels in der WM steigen nach dem dritten Platz von Spa gewaltig an - weil die Konkurrenz geschlossen patzt.

Von Julian Meißner

München - Der heimliche Sieger des Großen Preises von Belgien stand auf der untersten Stufe des Podiums.

Ganz oben auf dem Treppchen zeigte Kimi Räikkönen angesichts des ersten Ferrari-Sieges der Saison ein gewohnt unaufgeregtes Lächeln.

Seinen ersten Erfolg seit April 2008 hatte der Finne souverän eingefahren und dabei im Grunde nur mit einem Blitzstart und einem Überholmanöver gegen Giancarlo Fisichella für Aufsehen gesorgt.

Eine Ebene weiter unten freute sich eben dieser Fisichella über seinen sensationellen zweiten Platz und die ersten WM-Punkte für Force India schon etwas emotionaler als der "Iceman".

Vettels Chancen steigen

Doch als Vettel seinen Pokal in die Höhe reckte, sah man, dass eine gewaltige Last vom Red-Bull-Fahrer abfiel. Er hatte zwar stets betont, dass er im Titelrennen "bis zum letzten Atemzug" kämpfen werde, doch nun hat er wieder eine realistische Chance auf die Krone der Königsklasse.

Mit dem dritten Platz von Spa-Francorchamps ist der Heppenheimer auf Rang drei in der WM-Wertung vorgerückt.

Sechs Punkte mehr als Button

"Ich habe mehr Punkte geholt als meine Rivalen. Daher war es mit Blick auf die WM ein sehr gutes Resultat", freute sich Vettel, der mit Startplatz acht beim zwölften Saisonrennen eine denkbar schwierige Ausgangsposition gehabt hatte.

Sechs Punkte machte er auf Spitzenreiter Jenson Button gut, der nach einer unverschuldeten Kollision mit Renault-Jungspund Romain Grosjean früh Feierabend machen musste 146029(DIASHOW: Bilder des Rennens).

Konkurrenz im Pech

Zweimal in Folge hatte Vettel dieses Schicksal ereilt, mit einem weiteren Rückschlag wäre die WM in wohl unerreichbare Ferne gerückt. Doch diesmal war Fortuna auf der Seite des Hessen.

Buttons Teamkollege Rubens Barrichello, am vergangenen Wochenende in Valencia noch der strahlende Sieger, schleppte sich mit qualmendem Auto auf Platz sieben ins Ziel.

Der Australier Mark Webber im zweiten Red Bull blieb nach einem verkorksten Rennen inklusive einer Durchfahrtsstrafe ohne Punkte (DATENCENTER: Der WM-Stand).

"Ich habe einen Traum"

Vettel sagte: "Die WM ist noch völlig offen. Es geht auf und ab. Das zeigt, wie wichtig es ist, konstant zu sein, was zuletzt nicht unsere Stärke war."

Am Tag nach dem Rennen verkündete er in der "Bild" sogar: "Seit einiger Zeit habe ich einen Traum, ein Ziel, daran glaube ich. Von dem Glauben kann mich niemand abbringen. Ich kann noch alle fünf Rennen gewinnen."

Button von der Rolle

Spitzenreiter Button wirkte dagegen ziemlich ratlos.

Nach sechs Siegen in den ersten sieben Rennen beendete der Brite zuletzt zwei Läufe jeweils auf dem siebten Platz. "Frustrierend" nannte Button sein Abschneiden in Spa, das auch Barrichello näher rücken ließ: "Wir müssen einfach wieder konkurrenzfähig werden."

Vettel der Schnellste

Buttons Hauptkonkurrent in der Weltmeisterschaft spürt dagegen frischen Rückenwind. Als wollte er es allen zeigen, fuhr Vettel, der noch mit einem Fahrfehler in der Qualifikation am Samstag eine bessere Startposition verspielt hatte, zum zweiten Mal in seiner Karriere die schnellste Rennrunde.

Keiner war am Sonntag schneller als der Deutsche in Umlauf 38, als er die Jagd auf das Führungsduo Räikkönen/Fisichella noch einmal eröffnete.

Motorenproblem bleibt

Ganz am Ende des Rennens hatte man dagegen den Eindruck, Vettel würde sich etwas zurücknehmen.

Schließlich besteht nach sechs Ausfällen von Renault-Triebwerken die Misere des Motorenmangels weiterhin.

Vettels Fazit: "Nach all dem Ärger, durch den wir in den letzten Rennen gehen mussten, ist es schön, wieder ein Rennen beendet zu haben. Wir haben bewiesen, dass unser Motor stark genug ist, um ein Rennen zu beenden. Wir haben gezeigt, dass wir wieder da sind."

Die Chance, dies zu bestätigen, bietet sich Vettel in zwei Wochen auf dem Hochgeschwindigkeitskurs vom Monza.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel