War Nelson Piquets Crash 2008 in Singapur Zufall oder Absicht? Seine Kollegen staunen. Renault klagt gegen den Ex-Piloten.

Monza - Sebastian Vettel ist fassungslos, Nick Heidfeld schüttelt nur den Kopf und Fernando Alonso muss schweigen, um sich nicht selbst zu belasten.

Der Unfall-Skandal des Renault-Teams beim Formel-1-Rennen in Singapur im September 2008 schlägt immer höhere Wellen und geht jetzt sogar vor Gericht.

Renault geht vor Gericht

Keine 24 Stunden nach den schriftlichen Beschuldigungen ihres ehemaligen Piloten Nelson Piquet junior leiteten die Franzosen und Teamchef Flavio Briatore nun rechtliche Schritte gegen Vater und Sohn Piquet "wegen falscher Behauptungen und versuchter Erpressung" ein.

Piquet junior hatte behauptet, er habe den Unfall beim Rennen in Singapur absichtlich bauen müssen (Piquet: Crash war befohlen)

FIA-Präsident Max Mosley sicherte Piquet junior am Rande des Italien-Grand-Prix Straffreiheit zu, falls der Brasilianer in dem Unfall-Skandal die "volle Wahrheit" erzählt. "Wenn er das tun sollte, dann werden wir ihn persönlich nicht bestrafen", sagte der Brite am Freitag in Monza..

"Man riskiert viel für nichts"

Der deutsche Hoffnungsträger Vettel kann sich nicht vorstellen, dass ein Fahrerkollege extra einen Unfall baut. "Ich denke, dass es sehr dumm wäre, so etwas zu machen. Denn man riskiert sehr viel für nichts", sagte der 22-Jährige vor dem Großen Preis von Italien in Monza (Qualifying, Sa. 13.45 Uhr LIVE).

Für Vettel ist das Risiko bei einem Crash einfach zu groß, das eigene Leben und das Leben anderer stünden auf dem Spiel. "Man kann nicht abschätzen, wie schwer der Unfall wird und was passieren wird. Von daher halte ich es nicht für besonders klug, so etwas zu tun", sagt der Red-Bull-Pilot.

Heidfeld erschüttert

Vettels deutscher Kollege Nick Heidfeld ist erschüttert und kann die Vorwürfe nicht glauben.

"Du trainierst dein ganzes Leben lang, um nicht in die Mauer zu fahren, aber dann sollst du so etwas tun?", sagt der Mönchengladbacher. Für den BMW-Piloten besteht bei einem Unfall immer Lebensgefahr. Heidfeld: "Man kann vielleicht versuchen, sich dabei nicht zu verletzen, aber hundertprozentig sicher sein kannst du dir nicht. Und was ist, wenn ein Rad wegfliegt?"

Heidfeld ist aber nicht überrascht, dass jemand möglicherweise versucht hat, ein Formel-1-Rennen zu manipulieren (DATENCENTER: WM-Stand).. "Gleich nach dem Rennen hatten alle in den Briefings zumindest den Gedanken, dass es absichtlich passiert sein könnte", sagt der 32-Jährige.

Rosberg glaubt an Zufall

Dass Piquet nicht gleich seinen Arbeitgeber verraten hat, kann Heidfeld gut nachvollziehen: "Wenn du so etwas tust, dann machst du ja schon einen Fehler. Ganz egal, was du danach noch tust, aber das ändert nichts mehr." Wenn die Vorwürfe stimmen sollten, sei das sehr extrem und unglaublich, sagt Heidfeld: "Von allen Skandalen, die wir in den vergangenen Jahren erlebt haben, ist das der erstaunlichste für mich."

Nico Rosberg weiß nicht genau, was er von der Geschichte halten soll, komisch sei sie aber allemal.

"Das war schon ein Zufall. Die Strategie von Fernando Alonso ging nur mit einer Safety-Car-Phase auf", meint der Williams-Pilot.

"Würde sowas verweigern"

Der Brasilianer Rubens Barrichello will nicht glauben, was Landsmann Piquet erzählt. "Sollten sich die Vorwürfe als wahr herausstellen, wäre das sehr traurig. Die ganze Sache klingt seltsam", sagt der Brawn-Pilot.

indes steht für Vettel, Heidfeld und Co. fest: Sie würden nie einen Unfall auf Befehl bauen. "Ich würde sowas verweigern", meint Rosberg. Ein absichtlicher Crash sei zwar möglich, jedoch nicht so leicht. Und Heidfeld ergänzt: "Wenn es Absicht war, dann hat er es wirklich gut hinbekommen."

Adrian Sutil glaubt nicht an die Verschwörungstheorie: "Ich bin direkt hinter ihm gefahren und habe ihn unter Druck gesetzt. In der Kurve hat das Auto kurz quer gestanden und dann hat er die Gewalt über das Auto verloren", sagt der Force-India-Pilot. Sutil (SERVICE: Rennkalender und Kurse).

Er gibt allerdings auch zu, dass es nicht schwer sei, das Auto in einen Dreher zu zwingen: "Es wäre schon traurig, wenn er es wirklich absichtlich gemacht hat."

Brief an den Weltverband

Piquet jr. hatte in einem Brief an den Automobil-Weltverband FIA seinen Ex-Arbeitgeber Renault und Briatore schwer belastet.

Der Brasilianer beschuldigte den Rennstall, dass er beim Nachtrennen in Singapur im September 2008 absichtlich einen Unfall bauen musste. Damit soll er das Rennen zugunsten seines spanischen Teamkollegen Fernando Alonso manipuliert haben. Und der zweimalige Weltmeister gewann den Grand Prix letztlich auch.

Vorladung der FIA

Die Renault-Verantwortlichen sind am 21. September, dem Montag vor dem diesjährigen Rennen in Singapur, in Paris vorgeladen.

Dort müssen sie sich vor dem World Council der FIA zu den Vorwürfen äußern, die unter anderem einen Verstoß gegen Artikel 151c des International Sporting Codes beinhalten. Dieser stellt die Rufschädigung des Sports unter Strafe.

Sollten Piquets Beschuldigungen stimmen, droht Renault der sofortige Formel-1-Ausschluss.

Zurückhaltender Alonso

Alonso hielt sich in Monza mit Aussagen zurück: "Das Team hat gesagt, dass wir uns nicht dazu äußern sollen", sagte der zweimalige Weltmeister.

Der Spanier gab Teamchef Briatore aber Rückendeckung: "Flavio war immer ein guter Freund und ein Förderer. Er ist einer der guten Menschen hier, und ich vertraue ihm."

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