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Der größte Erfolg seiner Karriere: Adrian Sutil startet in Monza als Zweiter © getty

Adrian Sutil wird im Qualifying zum Italien-Grand-Prix nur von Lewis Hamilton geschlagen. Sebastian Vettel sucht nach Tempo.

Von Marc Ellerich

München/Monza - Der Weltmeister bereitete seinem alten Kumpel auf dem Podest im Presseraum von Monza einen warmen Empfang.

Freudestrahlend überschüttete Lewis Hamilton seinen früheren Formel-3-Teamkollegen Adrian Sutil mit Komplimenten: "Es ist toll, Adrian hier oben zu sehen. Es war ein ziemlich enges Qualifying, die Force India sind unglaublich schnell und konkurrenzfähig."

Räikkönen Dritter

Die herzlichen Worte kamen dem McLaren-Mercedes-Fahrer mühelos über die Lippen, denn letztlich hatte der Kollege im Force India seine rasante Fahrt auf den ersten Startplatz des Italien-Grand-Prix' (So., 13.45 Uhr ) nicht verdorben.

Spannend hatte Sutil es aber schon gemacht. Erst wenige Sekunden vor Schluss entriss der britische Champion dem einstigen Partner beim Qualifying im Königlichen Park von Monza 151127(Die Bilder) die Pole Position. 1:24,066 Minuten benötigte der Engländer im Silberpfeil für seine schnellste Runde, zwei Zehntelsekunden langsamer war der Deutsche (BERICHT: Sutil schrammt an Pole vorbei).

Dritter wurde Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen im Ferrari (DATENCENTER: Die Startaufstellung).

"Ein großartiges Gefühl"

"Es ist ein großartiges Gefühl, so eine Runde hinzubekommen", schwärmte Hamilton anschließend: "Es ist wirklich erhebend."

So hatte es auch Sutil empfunden, trotz Platz zwei. Er nahm es Hamilton, den er in Interviews stets als den einzigen Freund in der Formel 1 bezeichnet, nicht wirklich übel, dass er ihm den Traum von der Pole verdarb.

Spektakuläre Trendwende

Sutil, der in der WM bisher null Punkte zu Buche stehen hat, hat ohnehin genug damit zu tun, die spektakuläre Trendwende zu verkraften, die sein einstiger Hinterbänkler-Rennstall in dieser Saison bewerkstelligt hat.

Vor zwei Wochen beim belgischen Rennen in Spa fuhr Sutils Teamkollege Giancarlo Fisichella von der Pole Position auf Platz zwei, ehe er den schwachen Massa-Ersatzmann Luca Badoer bei Ferrari ablöste.

Nun bietet sich Sutil eine ähnliche Chance.

Vorteil durch KERS

Kein Wunder, dass die Glückshormone nach der Monza-Quali wild in ihm umhertanzten. "Ich habe jeden Moment genossen", teilte er den Journalisten begeistert mit: "Der Rennfahrer in mir ist zurück. Es ist ein ganz anderes Gefühl, im Auto zu sitzen als früher: Du weißt jetzt, du kannst wirklich gewinnen."

Damit es in Monza soweit kommt, müsste allerdings einiges passieren, denn Sutil ist als einziger der drei Top-Piloten ohne den Energieschub des KER-Systems unterwegs.

Der Besitz des magischen Turbo-Knopfes verschafft Piloten wie Hamilton oder Räikkönen auf der Highspeed-Bahn im Autodromo Nazionale di Monza einen klaren Siegvorteil.

"Sicher eine halbe Sekunde" schneller habe der KERS-Antrieb seine Piloten auf der Qualifikationsrunde gemacht, rechnete Mercedes-Sportchef Norbert Haug vor.

Desaster für BMW

Sutil weiß das, dennoch feierte er das italienische Wochenende bereits am Samstag als "großen Erfolg, unsere Erfolgsgeschichte geht weiter".

Für die übrigen deutschen Fahrer bestand wenig Anlass ähnliche Wortgirlanden zu flechten.

Nico Rosberg (Williams) und Timo Glock (Toyota) scheiterten bereits im ersten Durchgang, ihnen folgte in Q2 ihr Landsmann Nick Heidfeld, der seinen BMW-Sauber ebenso wie sein Teamkollege Robert Kubica mit einem Motorschaden zwangsparken musste.

"Nicht unser Tag"

Besonders hart aber traf es Sebastian Vettel. Der Deutsche im Red Bull hat nach Platz neun in der Qualifikation kaum eine Chance, seinen Vorjahreserfolg zu wiederholen.

Schlimmer noch: Auch die WM-Krone ist für den derzeit Drittplatzierten kaum noch ein realistisches Ziel. Dass er seinen Teamkollegen Mark Webber, der Zehnter wurde, in die Schranken wies, vermochte den Red-Bull-Youngster nicht zu trösten.

Betrübt kommentierte Vettel das Resultat der Zeitenhatz. "Es war nicht unser Tag. Wir waren einfach nicht schnell genug."

Hoffen auf die Tankmenge

Über eine Sekunde fehlte dem jungen Hoffnungsträger der deutschen Fans etwa auf Spitzenreiter Hamilton. Doch die Spitzenfahrer hat er nach eigenem Bekunden ohnehin nicht mehr im Blick: "Die sind so weit weg, damit haben wir nichts zu tun."

Natürlich meinte Vettel seine beiden Brawn-Konkurrenten Jenson Button und Rubens Barrichello, immerhin Sechster und Fünfter, als er sagte: "Mal schauen, wie schwer die anderen sind."

Haug: Brawn nicht unterschätzen

Doch Vettels WM-Rivalen und ihr Teamchef, Taktikfuchs Ross Brawn, könnten sich ein spezielles Konzept zurechtgelegt haben, um im Temporennen von Monza bestehen zu können: Viel Sprit, wenige Stopps, so lautet vielleicht der Plan der Giftgrünen.

So sieht es jedenfalls Mercedes-Sportchef Haug. "Ich würde die Brawns nicht unterschätzen", sagte der gewiefte Schwabe: "Ich glaube, die fahren eine sehr clevere Strategie. Ich denke mal, dass die gesagt haben: 'Wenn wir uns auf die Pole begeben, müssen wir ein bisschen leichter sein, aber dann kommen die KERS-Autos.'"

Für Sebastian Vettel sind das keine guten Nachrichten.

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