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Sebastian Vettel begann seine Formel-1- Karrriere als Testfahrer bei BMW-Sauber © getty

Sebastian Vettel ist in Monza chancenlos und kann den Titel abhaken. In der WM läuft es auf ein internes Brawn-Duell hinaus.

Von Julian Meißner

München - Sebastian Vettel hat sich geirrt, und das gewaltig.

Noch vor dem Italien-Grand-Prix hatte Deutschlands WM-Hoffnung gemutmaßt, er könne alle fünf verbleibenden Rennen der Formel-1-Saison 2009 gewinnen und so die Krone des Motorsports an sich reißen.

Doch schon der erste Anlauf endete mit einer Beinahe-Katastrophe. In Monza war Vettels Material von der Siegfähigkeit weiter entfernt denn je.

Nur weil Lewis Hamilton seinen McLaren-Mercedes in der letzten Runde in die Mauer setzte, erbte Vettel noch einen Punkt (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Der Rückstand wächst

Das Brawn-Duo Rubens Barrichello und Jenson Button setzte sich mit dem Doppelsieg auf dem Traditionskurs im Königlichen Park von Monza weiter ab.

Vettels Rückstand auf Button ist auf 26 Punkte angewachsen, zu Barrichello sind es zwölf. Sein Teamkollege Mark Webber steht nach dem unverschuldeten Ausfall in Runde eins noch schlechter da 151448(DIASHOW: Das Rennen).

Horner konsterniert

Red-Bull-Teamchef Christian Horner stellte fest: "Das war sicherlich unser schlechtestes Rennen der Saison, was die Konkurrenzfähigkeit angeht. Wir sind sehr enttäuscht."

Es habe sich schon am Freitag abgezeichnet, dass "uns diese Strecke nicht liegt", so der Brite angesichts der Überlegenheit der Konkurrenz von Brawn GP und McLaren-Mercedes auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke im Norden Italiens.

Auch die Scuderia Ferrari, die beim Heimspiel mit Kimi Räikkönen auf Rang drei eine erneute Podiumsplatzierung feierte, und die Shootingstars von Force India fuhren in anderen Dimensionen. In Monza waren die "Bullen" nur noch fünfte Kraft.

Vettels Zuversicht weicht

Bei Vettel war die Zuversicht dann auch recht schnell gewichen: "Für uns ist das ein Tritt in den Hintern. Wir hatten einfach nicht den nötigen Speed", sagte er entwaffnend ehrlich.

Der Heppenheimer betonte zwar erneut, die WM sei noch lange nicht vorüber, doch seine Position als Verfolger wird immer aussichtsloser.

Vettels treffende Analyse: "Einmal nicht zur Stelle und man wird bestraft. Es geht ruck-zuck."

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz sagte gegenüber den "Salzburger Nachrichten", die WM sei "in Wahrheit schon vor Monza" gelaufen gewesen.

Brawn mit "mächtigem Schritt"

Auch die vage Hoffnung, dass es in der WM dieses Jahr "ein bisschen drunter und drüber" geht, greift langsam nicht mehr.

Vettels Chef ist natürlich bewusst, dass eine Vorentscheidung in der WM gefallen ist: "Heute haben sie einen mächtigen Schritt gemacht", sagte Horner über die Konkurrenz von Brawn GP: "Besonders in der Konstrukteurs-WM."

Sutil feiert bestes Ergebnis

Adrian Sutil strahlte derweil angesichts eines "großartigen Rennens" und seines besten Karriereresultats bis über beide Ohren. Sein vierter Platz im Force India bestätigte den Aufwärtstrend des einstigen Hinterbänkler-Teams.

Auch die starke Performance von Vitantonio Liuzzi, der den zu Ferrari abgewanderten Giancarlo Fisichella ersetzt, lässt den Rückschluss zu, dass mit Force India für die Rest der Saison zu rechnen ist.

Vier Rennen bleiben

Vier Große Preise bleiben Sutil und Co., sich in der Spitze zu etablieren und Vettel, sich noch einmal ans obere Ende des Tableaus heranzupirschen.

Nach dem Nachtrennen von Singapur gastiert die Königsklasse noch in Japan, Brasilien und Abu Dhabi.

Rechnerisch ist für Vettel natürlich noch alles drin. Doch wahrscheinlicher ist ein teaminternes Duell um die Weltmeisterschaft zwischen Button und dem wieder erstarkten Barrichello.

"Superhirn" macht alles richtig

Der Sieger von Monza ahnte: "Es wird einen guten und gesunden Kampf geben. Ich freue mich darauf."

Sein Chef Ross Brawn lobte seine Fahrer für ihr "perfektes Rennen" und machte keinen Hehl daraus, welche Bedeutung er dem Resultat vom Sonntag beimisst: "Das war sehr, sehr wichtig."

Taktikfuchs Brawn, der in Monza mit der Ein-Stopp-Strategie goldrichtig lag, hatte stets betont, keinen seiner Fahrer zu bevorzugen. Der Erfolg gibt ihm auch hier Recht.

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