Experte Jacques Schulz rechnet in Singapur nicht mit Red Bull - dafür mit dem WM-Leader. Das Power-Ranking zum Grand Prix.

Hallo Formel-1-Fans,

Zunächst ein paar Sätze zu der Affäre, die in den vergangenen Wochen alles Sportliche bei weitem überlagert hat: Das milde Urteil des Weltverbands im Crashgate-Skandal gegen Renault ist für mich nachvollziehbar.

Natürlich kann man sich seine Gedanken machen, wenn man an die völlig überzogene Strafe gegen McLaren in der Spionage-Affäre von vor zwei Jahren denkt.

Aber wäre der Renault-Rennstall in dieser wirtschaftlichen Lage aus der Formel 1 ausgeschlossen worden, wäre das nächste Team weg gewesen. Renault hätte wohl den Rückzug verkündet. Deshalb wurden die Akteure Flavio Briatore und Pat Symonds hart angefasst, das Team aber nicht.

Schwieriger, schneller Stadtkurs

Ab jetzt geht es hoffentlich wieder nur um den Sport.

Von der Charakteristik her ist die Strecke in Singapur - obwohl es ein Stadtkurs ist - schwierig zu fahren. Der Kurs ist sauschnell, hat hohe Randsteine, und im Dunklen müssen die Fahrer ihren Rhythmus finden. Das ist natürlich für alle gleichermaßen schwierig, dennoch gibt es für mich einen eindeutigen Favoriten, und der heißt Brawn GP.

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Fast alles kommt dem Brawn in Singapur entgegen: Layout, Kerbs, Mechanik, Traktion und Aerodynamik.

Was den WM-Kampf angeht, so sind nach Monza eigentlich nur noch die beiden Brawn-Kollegen Jenson Button und Rubens Barrichello in der Verlosung.

Wobei ich glaube, dass bei Brawn die Frage nach dem Nummer-1-Status dieses Mal - anders als zu früheren Zeiten - völlig offen ist. Früher, bei Ferrari, hatte Ross Brawn immer ganz klar auf Michael Schumacher gesetzt - und Barrichello war die 1 B.

Ich könnte mir ohnehin vorstellen, dass sich Barrichello einer Teamorder, wenn es dazu kommen sollte, nicht beugen würde. Deshalb lautet die Teamtaktik: Fahrt das unter euch aus, aber fahrt euch dabei nicht in die Karre. Im Rennen um die WM-Krone bleibt Button für mich der Favorit.

Platz zwei geht in Singapur für mich eindeutig an Lewis Hamilton, der schon in Monza versucht hat, alles zu reißen. Da kann man auch mal abfliegen.

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Das Auto ist jetzt ein Siegerauto, und diesmal geht's es ja auch wieder gerade und eng zu.

Sprich: Es gibt nur wenige schnelle Kurven. Hamilton ist hinter den beiden Brawn mindestens auf Podiumskurs, und wenn es für den Weltmeister gut läuft - Stichwort: Hamilton-Faktor - kann er auch gewinnen.

An dritter Stelle sehe ich Ferrari mit dem sensationellen Kimi Räikkönen, der um seinen Vertrag bei Ferrari fährt oder sich für McLaren empfehlen will oder wo auch immer. Der Iceman hat wieder Lust am Fahren, er hat den Ferrari verstanden. Ich sehe ihn vor allen anderen.

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Auch vor Sebastian Vettel: Red Bull muss sich leider mit Platz vier begnügen.

Das Auto hat zuletzt viele technische Probleme gehabt, man wird mit den Motoren nicht hinkommen, und Singapur ist jetzt auch nicht die Strecke für Red Bull.

Vettel kann, wenn er ein gutes Qualifying fährt, sicher um Platz vier oder fünf mit Nico Rosberg streiten.

Aber die Teams Brawn, McLaren und Ferrari sind für Red Bull meines Erachtens nicht zu erreichen - es sei denn es regnet oder das Rennen wird abgebrochen.

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Für Williams sieht wieder besser aus als zuletzt.

Beim Singapur-Grand-Prix spielt die Aerodynamik keine so große Rolle. Dennoch hat der Williams gegen Brawn und McLaren keine Chance mehr.

Nico Rosberg wird sicher wieder um Platz vier oder fünf fahren können. Das Podium wie im Vorjahr, als er hier Zweiter wurde, wäre ein Traum.

Abschließend noch ein Wort zu Adrian Sutil und seinem sensationellen Force India_ Auch für ihn sind mit diesem Auto sicher Punkte drin. Aber ich glaube nicht, dass sie ihre starke Performance der schnellen Strecken in Spa und Monza wiederholen können.

Ich wünsche uns allen einen spannenden, "unfallfreien" Grand Prix in Singapur!

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

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