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Feuchtfröhliche Fete: Sebastian Vettel fehlen 16 Zähler auf WM-Leader Jenson Button © getty

Mit einem souveränen Sieg in Suzuka macht der Red-Bull-Pilot einen großen Satz in der WM. Erinnerungen an 2007 kommen hoch.

Von Marc Ellerich

München/Suzuka - Für neutrale Beobachter verlief der Japan-Grand-Prix reichlich unspektakulär.

Beim Start auf dem Suzuka International Racing Course musste sich Pole Setter Sebastian Vettel gegen die hinter ihm platzierten Jarno Trulli im Toyota und vor allem McLaren-Mercedes-Weltmeister Lewis Hamilton verteidigen.

Dritter Saisonsieg

Doch das anfängliche Duell war bereits die aufregendste Szene des Rennens 159076(Die Bilder des Rennes).

Anschließend drehte Vettel in seinem Red Bull Runde um Runde und fuhr zu keinem Zeitpunkt in Bedrängnis gebracht seinem dritten Saisonsieg entgegen. Hinter ihm belegten Trulli und Hamilton die Plätze zwei und drei. So weit, so nüchtern (BERICHT: Vettel wahrt WM-Chance).

Button nur Achter

Für den deutschen Fan allerdings bekam das Rennen in Japan eine wesentlich unterhaltsamere Note. Denn mit seinem Triumph in Fernost hat Vettel den Kampf um die WM-Krone wieder ziemlich lebendig gemacht (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Zwei Rennen sind noch zu fahren, in Sao Paulo und in Abu Dhabi, und der Deutsche hat seinen Rückstand auf die führenden Brawn-Piloten deutlich verkürzt.

WM-Leader Jenson Button wurde in Japan Achter und holte lediglich einen mageren WM-Punkt. Sein Teamkollege Rubens Barrichello, in der WM Zweiter, fuhr auf Platz sieben, was ihm zwei Zähler einbrachte.

16 WM-Punkte weniger

Vettel, Dritter in der Fahrer-Wertung, liegt nun noch 16 Zähler hinter dem Briten, dessen furiose Anfangsserie von sechs Siegen immer mehr zu verblassen beginnt. Nur noch zwei Punkte fehlen ihm, um Barrichello einzuholen.

Die Frage, die sich nicht nur Vettel stellen wird: Geht vielleicht am Ende doch noch was? Zumindest Hochspannung ist im Saisonfinale versprochen angesichts der immer schwächeren Form der Brawn-Piloten.

"Es kann immer noch geschafft werden", sagte Vettel nach dem 15. Grand Prix des Jahres, der für ihn zum puren Vergnügen wurde.

"Wie von Gott gemacht"

"Es hat alles funktioniert. Bis zum Ende hatten wir alles unter Kontrolle", begeisterte sich Vettel an seiner eindrucksvollen Darbietung auf der schnellen Strecke, die nach zwei Jahren Absenz wieder im Formel-1-Kalender stand.

In Suzuka konnte der junge Deutsche die zuletzt anfällige Form seines Boliden getrost vergessen. "Da hatten wir ein paar kleinere Schwankungen, manchmal hatten wir die Geschwindigkeit, manchmal nicht", erinnerte Vettel an die Ärgernisse der letzten Saisonläufe.

Doch während der 53 Runden des japanischen Rennens konnte sich Vettel auf seinen Red-Bull-Renner verlassen. "Das Auto war fantastisch", pries er sein Gefährt. Nach der Startphase habe er deshalb "jede einzelne Runde Druck gemacht" und ist dabei sogar etwas übermütig geworden. Begründung: "Diese Strecke ist einfach großartig, wie von Gott gemacht."

"Bis zum letzten Atemzug"

Der Wunsch, Spaß zu haben, habe ihn in der finalen Phase des Rennens zu immer schnelleren Rundenzeiten angetrieben, berichtete Vettel freudig. Bis sein Renningenieur dem Treiben per Funk ein Ende setzte mit der Mahnung, die Reifen zu schonen.

Doch es blieb alles in allem ein perfektes Rennen für den Deutschen, der nach seinem dritten Sieg in diesem Jahr nur einen Wunsch hegte: "Es wäre schön, noch ein paar mehr Rennen zu haben".

Den Gefallen allerdings wird ihm keiner tun, weshalb Vettel fürs Finale die Parole ausgibt: "Ich werde bis zum letzten Atemzug kämpfen und versuchen, auch die letzten beiden Rennen zu gewinnen."

Button fordert Strafe für Rosberg

Kampfeslustig war auch Vettels Rivale Button, allerdings richtete er seine Energie vor allem gegen einen anderen Deutschen.

Nico Rosberg hatte die Safety-Car-Phase nach einem Crash von Toro-Rosso-Pilot Jaime Alguersuari zum Tanken genutzt. Der Williams-Pilot, der das Rennen als Fünfter vor Nick Heidfeld (BMW-Sauber) beendete, habe in der Gelb-Phase gegen das Tempolimit verstoßen, fand Button.

Er rechnete allerdings vergebens mit einer Bestrafung Rosbergs und daher mit einem weiteren Punkt auf seinem Haben-Konto. "Ich verstehe nicht, dass ich nur einen Punkt bekomme. Er muss bestraft werden." Der eine Zähler hätte Button und seinem Team frühzeitig den Konstrukteurstitel verschafft.

Buttons Optimismus

Mit Vettels Sieg hielt sich der Brite nicht lange auf. "Wir haben erwartet, dass er hier gewinnt", lautete sein Urteil: "Heute ging es nur darum, Punkte zu holen, und das habe ich gemacht."

Lieber versuchte er, Zuversicht fürs große Saisonfinale zu verbreiten. Von Platz zehn ins Rennen gegangen, habe er viel Zeit auf die Fahrer gut gemacht, "damit bin ich glücklich. Es ist hart, wenn du beim Start so weit hinten liegst."

"Mein Tempo im Rennen war gut", fügte der WM-Leader hinzu, "das ist alles, worauf ich hoffen kann."

Die nächsten beiden Grands Prix würden seinem giftgrünen Boliden gut liegen, behauptete Button schließlich.

Erinnerung an 2007

Er weiß allerdings, dass das allein womöglich nicht reichen wird. Ausschließlich die Technik wird das Saisonfinale nicht entscheiden. Der Faktor Mensch wird immer wichtiger im Nervenspiel um den Titel.

Und auch Vettel war sich dessen bewusst, als er in der Pressekonferenz listig auf seinen Banknachbarn Hamilton zeigte und auf dessen gegen Kimi Räikkönen verlorenes WM-Finale von 2007 verwies: "Fragen Sie mal diesen Mann neben mir. Bei ihm haben damals auch alle gedacht, es sollte kein Problem sein, den Titel zu holen."

Hamiltons Vorsprung betrug seinerzeit zwei Rennen vor Schluss übrigens 17 Punkte.

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