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Sebastian Vettel (l.) und Michael Schumacher gewannen 2007 und 2008 das Race of Champions © imago

Rekord-Weltmeister Michael Schumacher macht Sebastian Vettel im WM-Rennen Mut. Die Meinungen der Experten gehen weit auseinander.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettels überlegener Sieg beim Japan-Grand-Prix hat nicht nur seinen Fans Hoffnung gemacht (RECHENSPIELE: So wird Vettel Champion).

Auch Vettels Freund, Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, ist auf einmal wieder zuversichtlich, was die Chancen des Red-Bull-Piloten im Wettrennen um die WM-Krone in der Formel 1 angeht (DATENCENTER: Der WM-Stand).

"Mathematisch ist alles möglich"

Er macht seinem jungen Landsmann vor den beiden entscheidenden Grands Prix in Brasilien und Abu Dhabi Mut. "Sebastian hat trotz seines Rückstands noch immer die Chance auf den Titel. Mathematisch ist noch alles möglich", ließ Schumi auf seiner Homepage veröffentlichen: "Ich drücke ihm die Daumen."

Vettel liegt in der WM 16 Zähler hinter dem WM-Führenden Jenson Button im Brawn GP zurück.

Schumi: Kämpfen bis zum Schluss

Noch vor wenigen Wochen hatte Schumacher seinem Race-of-Champions-Partner den Titel nicht mehr zugetraut und die Zuverlässigkeitsprobleme des blau-roten Boliden ins Feld geführt.

Jetzt verwies der Ferrari-Berater auf die Erfahrungen aus seiner aktiven Zeit: "Es hilft, an einen Fakt zu denken, an den ich mich in meiner Karriere auch immer gehalten habe: Es ist nicht vorbei, bis es vorbei ist. Kämpfen muss man bis zum Schluss."

Er und sein Ferrari-Team hätten es stets so gehalten und deshalb viele Erfolge errungen. Und "Sebastian wird das womöglich auch so sehen. Er hat immer noch die Chance auf den Titel, und das alleine ist schon ein riesiger Erfolg. Ich bin mir sicher, dass er alles dafür tun wird, in den nächsten beiden Rennen eine gute Vorstellung zu liefern."

Haug: Vettel hat das Momentum

Etwas skeptischer als Schumacher ist Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. "Aus eigener Kraft, ohne dass beim Gegner etwas schief läuft, ist es schwierig, in zwei Rennen 16 Punkte aufzuholen", sagte der Schwabe in einer Telefonkonferenz mit Journalisten vor dem Brasilien-Rennen.

Doch auf Nachfrage von Sport1.de räumte Haug seinem Landsmann immerhin Außenseiter-Chance ein. "Das Momentum spricht für ihn, ganz klar. Aber ich würde die Konkurrenz nicht unterschätzen", so Haug.

Erinnerungen an 2007

Der Schwabe erklärte auch warum er den Trend auf Vettels Seite sieht: "Er hat in dieser Saison drei Grands Prix eindrücklich gewonnen. Der im letzten Rennen in Suzuka war einer der eindrucksvollsten Siege überhaupt in dieser Saison. Und das ist immer ein gutes Zeichen." In Japan habe Vettel ein "ganz, ganz könnerhaftes Rennen" gezeigt, "sicherlich einer der besten Siege des Jahres", lobte Haug.

Dem mächtigen Motorsport-Manager ist noch das Saisonfinale von 2007 in Erinnerung, als Silberpfeil-Pilot Lewis Hamilton einen 17-Punkte-Vorsprung auf Kimi Räikkönen einbüßte und den Titel auf der Zielgeraden der Saison verlor.

Höchster Respekt

"Damals haben wir in China die falsche Entscheidung getroffen. In Brasilien hat dann das Getriebe ausgesetzt", so Haug: "Wenn solche Sonder-Umstände eintreten, hat Vettel noch alle Chancen."

Seinen höchsten Respekt hat der Red-Bull-Pilot ohnehin sicher: "Er ist ein absolut sensationeller Bursche, ein Könner seines Fachs, der sich jetzt schon auf die Schulter klopfen kann." Fazit: "Selbst wenn Vettel auf Platz drei einkommen würde, wäre das eine grandiose Leistung."

"Sebastian hat einen Lauf"

Ähnlich wie Schumacher bewerteten auch die früheren Formel-1-Piloten Christian Danner und Ralf Schumacher die Chancen des deutschen Shootingstars.

Danner: "Die WM ist noch drin, ganz klar. 16 Punkte, das ist natürlich zu holen, und der Sebastian hat im Moment einen Lauf." Und Ralf Schumacher ergänzte: "Unmöglich ist es nicht, wenn sie jetzt in der Form bleiben. Man hat ja gesehen, Button hat es wieder schwer gehabt, und ich glaube, dass die nächste Strecke auch nicht ganz leicht wird für ihn. Es ist noch alles drin, ganz klar."

Und Ex-Weltmeister Keke Rosberg vermutete bei Vettels Gegenspieler Button bereits nach dem Japan-Grand-Prix " die nackte Angst vor der Weltmeisterschaft".

Lauda sieht Button vorne

Der dreimalige Weltmeister Niki Lauda hingegen ist skeptisch, was Vettels Aussicht auf den Titel angeht.

Der österreichische Unternehmer und TV-Experte tippte auf Button. Dieser müsse seinen Vorsprung lediglich verwalten, um den Titel einzufahren.

"Er hat nichts anderes zu tun, als seinen Vorsprung ins Ziel zu retten. Wenn er intelligent fährt, wird er sich das nicht mehr nehmen lassen", sagte er der österreichischen Nachrichtenagentur "APA": "So gescheit wird er sein, dass er das tut."

Button habe nach seinen sechs Siegen zu Saisonbeginn am wenigsten Fehler gemacht, Vettel sei "durch Motorschäden und andere Probleme" behindert gewesen.

Ecclestone: Klare Sache

Für Formel-1-Chefpromoter Bernie Ecclestone ist die Angelegenheit ebenfalls klar: "Button wird sowieso Champion."

McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh schloss sich dem großen Zampano an: "Der Druck wächst, aber ich glaube, Jenson wird die Nerven behalten."

Anderer Meinung ist sein Ferrari-Gegenüber Stefano Domenicali, der Vettel riet, "den Kopf von Rechenspielen zu befreien. Das hat Kimi vor zwei Jahren auch gemacht. Wenn das Auto gut genug ist, wird es reichen. Wenn du aber zu rechnen beginnst und dich fragst, was alles schief gehen kann, dann geht es auf jeden Fall schief."

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