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Sebastian Vettel hat in diesem Jahr in China, Großbritannien und Japan gewonnen © getty

Experte Jacques Schulz sieht Brawn in Brasilien im Vorteil, Sebastian Vettel habe nichts mehr zu verlieren. Das Power-Ranking.

Hallo Formel-1-Fans,

Für den WM-Endspurt ist die Strecke des Brasilien-Grand-Prix wie gemalt. Interlagos ist ein sehr anstrengender Linkskurs, charakteristisch sind die brutal schnelle, stark ansteigende Gerade vor dem Start- und Zielbereich und die vielen Bodenwellen (STRECKENGRAFIK: Interlagos).

Die Anforderungen dieser Rennstrecke sprechen in der Summe für die Brawn.

Warum Brawn? Ich glaube, dass die Traktion der Briten auf diesem sehr welligen Untergrund besser ist. Ich glaube, dass diese Strecke mehr Mechanik verlangt und der Brawn auch da ein Plus besitzt. Und ich glaube, dass die lange Gerade berghoch den Mercedes-Motor bevorteilt. Drei Argumente, die Brawn den Vorteil vor der überlegenen Aerodynamik des Red Bull verschaffen.

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Noch etwas darf man nicht unterschätzen: Rubens Barrichello hat vor eigenem Publikum die letzte Chance, sein brasilianisches Heimspiel zu gewinnen und von den Fans geliebt zu werden wie einst Senna. Er könnte Vettel abschütteln und so ein Finale gegen seinen Teamkollegen Button in Abu Dhabi erzwingen.

Jenson Button Der WM-Leader verwaltet ganz vorsichtig seinen Vorsprung. Aber die Eichhörnchen-Taktik ist genau die richtig zwei Rennen vor Schluss. Er hat 16 Punkte Vorsprung und muss das Ding ja nach Hause schaukeln. Geht er aggressiver zu Werke, wird er vielleicht in einen Unfall verwickelt. Er darf natürlich nicht wie in Belgien im Niemandsland landen.

Sebastian Vettel hatte in Suzuka zwar das eindeutig schnellere Auto. Gegen ihn spricht - neben den genannten - der Motoren-Faktor: Vettel ist am Anschlag, was die verbrauchten Motoren angeht; Brawn nicht. Und der Renault-Motor ist sicher das anfälligere Aggregat.

Vettel und sein Red-Bull-Team haben deshalb seit Monza ihre Taktik geändert. Sie sind weniger gefahren und haben den "Aggressive Approach" gewählt, sprich: Alles oder nichts. Das ist goldrichtig, wenn man nichts mehr zu verlieren hat.

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Vettel wird sich von Anfang an nur auf die Performance und das Rennen konzentrieren, nicht auf Punkte und den Titel. Er wird ein paar Kilos opfern, um dafür auf der Pole zu stehen. Einen Vorteil hat er in Brasilien: Für Vettel spricht vor allem das Wetter: Für den Rennsonntag sind enorm schlechte Bedingungen vorhergesagt.

Ich glaube, dass Lewis Hamilton hinter dem Top-Trio eine gute Rolle spielen wird. Er lässt McLaren-Mercedes im Alleingang gut aussehen. Auch bei ihm gilt der bärenstarke Motorenfaktor. Obwohl das Auto keine schnellen Kurven mag, ist Hamilton in Suzuka fast um den Sieg gefahren. Außerdem hat sein Wagen eine gute Mechanik. Und er hat den Berg hoch bei Start und Ziel auch noch KERS. Wenn er gut aus der Startrunde kommt, kann er damit durchaus überholen.

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Ich sehe den Weltmeister auf Augenhöhe mit Vettel. Und vielleicht spielt er sogar das Zünglein an der Waage. Er wird sich auf alle Fälle ins Rennen einmischen und sicher niemandem freiwillig Platz machen. Mit Vettel, der ihn im Vorjahr kurz vor Schluss überholt hat, hat er eine Rechnung offen, er hat KERS und Mercedes-Power.

Williams wird sich mit Ferrari um den vierten Platz streiten. Ferrari hat bereits die Jetons auf 2010 gesetzt, beim Auto kommt also nichts mehr. Giancarlo Fisichella hat Probleme und kann nichts beisteuern, Kimi Räikkönen ist bei den Roten raus. Nico Rosberg hingegen will sich empfehlen und noch mal versuchen zu glänzen. Ich sehe den Williams als gutes mechanisches Auto also durchaus auf Augenhöhe mit Ferrari. Gegen das Rosberg-Team spricht der Toyota-Motor, der nicht genügend Power hat. Aber das könnten sie über eine gute Strategie und einen starken Rosberg ausgleichen.

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Ich glaube übrigens nicht, dass die WM-Entscheidung in Brasilien fallen wird. Unter Normal-Bedingungen erwarte ich dass Barrichello und Vettel auf Button aufholen werden. Meine Prognose: Button verwaltet weiter seinen Vorsprung und fährt das Ding dann in Abu Dhabi nach Hause, wenn ihm nicht Unfälle oder das Wetter in Brasilien einen Strich durch die Rechnung machen.

Ich freue mich aufs große Finale in Abu Dhabi. Wegen des WM-Showdowns - und weil im Monaco des Nahen Ostens im Gegensatz zu manch anderer Strecke ein neuer Standard gesetzt werden wird.

Aber jetzt hoffen wir zunächst einmal auf einen spektakules Rennen in Brasilien.

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

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