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In Sao Paulo auf Sieg vergattert: Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel © getty

Der Red-Bull-Pilot kann die WM eigentlich abhaken. Es sei denn, Vettel gelingt ein Husarenstück wie einst seinem Lehrmeister.

Sao Paulo - Die Vorzeichen sind ziemlich schlecht: Nur Startplatz 16 für Sebastian Vettel im vorletzten Rennen beim Großen Preis von Brasilien (ab 17.45 Uhr LIVE).

Der Titel-Traum für den Red-Bull-Piloten nach dem chaotischen Qualifying scheint realistisch betrachtet schon ausgeträumt.

Konkret: Um WM-Spitzenreiter Jenson Button (Startplatz 14, aber in der Gesamtwertung 16 Punkte vorn) tatsächlich noch ein heißes Finale in Abu Dhabi (1. November) liefern zu können, ist Vettel in Sao Paulo praktisch zum Siegen verdammt.

Die besten Chancen dazu hat indes WM-Rivale Rubens Barrichello: Der 37-jährige Brasilianer startet im Heimrennen auf der Pole-Position - und lässt sein Land träumen vom ersten Formel-1-Weltmeister nach Ayrton Senna, der 1991 den letzten von drei Titeln geholt hatte.

Vettel hofft auf Chaos

Vettel wiederum kann allein hoffen auf ein "Wunder" wie einst bei Michael Schumacher: Der Rekord-Champion und Lehrmeister war 1995 im Dauerregen von Spa von Rang 16 noch zum Sieg gerast.

Und: Die Prognosen verheißen zu 80 Prozent ein Regenrennen. Ein Wetter, das Vettel liebt - wenn der Regen denn nicht zur Sintflut gerät wie beim Qualifying.

"Ich hoffe, dass es im Rennen drunter und drüber geht und wir nach vorne gespült werden", meint der 22-Jährige aus Heppenheim.

Am Samstag hatte Vettel das Lenkrad wütend weggeschmissen und war wortlos in die Garage gestapft: "Die Bedingungen waren zum Teil extrem kritisch. Ich habe meinen Freischwimmer gemacht, mit Autofahren hatte das aber nichts zu tun."

Button zeigt Nerven

Ein kleiner Trost für Vettel: Button enttäuschte ebenfalls, verzockte sich bei der Reifenwahl. (DATENCENTER: Die Startaufstellung).

Sollte der Brite im Rennen als Dritter ins Ziel kommen, wäre er allerdings bereits vor dem WM-Finale in der Wüste Weltmeister. Vettel muss mindestens Zweiter werden und außerdem noch auf Ausrutscher der Rivalen hoffen.

Der Deutsche setzt nun auf eine Strategie mit viel Benzin an Bord (ÜBERSICHT: Wer hat wieviel im Tank?).

Barrichello viel umjubelt

Als die Piste nach langer Unterbrechung immer trockener wurde, sicherte sich Lokalmatador Barrichello unter dem Jubel seiner Landsleute die Pole Position 163911(DIASHOW: Die Bilder des Qualifyings).

Der Brawn-Pilot verwies den Australier Mark Webber im Red Bull auf den zweiten Platz. Drittschnellster und überraschend der beste Deutsche war Adrian Sutil im Force India. Williams-Pilot Nico Rosberg landete auf Rang sieben.

Abflüge verlaufen glimpflich

Wie durch ein Wunder verliefen die vielen Dreher und Abflüge allesamt glimpflich. "Bei diesen Bedingungen war das Auto heute unfahrbar", sagte Vettels Teamkollege Webber.

Zweimal musste das Qualifying unterbrochen werden, nach fast drei Stunden und damit gerade noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit stand die Startaufstellung endlich fest.

Heidfeld restlos bedient

Nick Heidfeld landete nur auf dem 19. und vorletzten Platz und war restlos bedient.

"Wir sind mehr geschwommen als gefahren", sagte der BMW-Sauber-Pilot aus Mönchengladbach. Das Team habe ihm zwar gesagt, dass es regnen wird, "dass es aber so extrem werden würde, haben wir nicht geahnt".

"Herbe Enttäuschung" bei McLaren

Nicht viel besser erging es Lewis Hamilton. Der Brite, der sich vor einem Jahr in Sao Paulo zum jüngsten Formel-1-Weltmeister aller Zeiten gekrönt hatte, schaffte es diesmal nur auf Startposition 18.

"Eine herbe Enttäuschung: Wir waren am Freitag im Trockenen voll konkurrenzfähig - heute im Nassen war es das krasse Gegenteil - unsere Autos lagen für diese Wassermassen vielleicht zu tief und sind deshalb mehr gesurft als gefahren. An unseren Fahrern lag's sicher nicht", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Button reicht Platz drei

WM-Spitzenreiter Button reicht beim vorletzten Lauf der Saison in Sao Paulo bereits ein dritter Platz, um alle Rechenspiele zu beenden.

Sein Brawn-Teamkollege Rubens Barrichello hat 14 Punkte Rückstand, Vettel noch zwei mehr (RECHENSPIELE: So wird Vettel Weltmeister).

Mitgefühl hatte Haug mit Vettel. "Für Sebastian tut mir es sehr leid. Ein Jammer, aber es war bestimmt kein Fahrerproblem. Kopf hoch - solche Rückschläge machen einen sehr Guten nur noch besser."

Hoffen aufs "Schumi"-Wunder

Womöglich gibt es aber doch noch ein Wunder für Vettel wie einst bei Schumacher...

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