vergrößernverkleinern
Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel gewann 2009 in China, England und Japan © imago

Beim WM-Zweiten kullern nach dem geplatzten WM-Traum die Tränen. Red-Bull-Teamchef Christian Horner ist "stolz auf Sebastian".

Sao Paulo - Als der neue Formel-1-Weltmeister Jenson Button auf seiner Jubel-Party die Puppen tanzen ließ, saß Sebastian Vettel traurig im Hubschrauber auf dem Weg zum Flughafen in Sao Paulo 164382(DIASHOW: Die Bilder vom Brasilien-GP).

Der 22-Jährige kämpfte immer wieder mit den Tränen und wollte nach dem geplatzten Titeltraum nur noch schnell weg.

Dass er nach dem vierten Platz in Brasilien auf Rang zwei der WM-Wertung geklettert und damit Kronprinz des neuen Formel-1-Königs Button ist, konnte Vettel nicht trösten.

"Wir haben nicht gewonnen, mir ist es egal, ob ich jetzt Zweiter oder Dritter bin. Der Zweite ist der erste Verlierer", sagte der Red-Bull-Pilot nach dem für ihn enttäuschenden Brasilien-Grand-Prix. Dann drehte er sich um und wischte sich verstohlen die Tränen aus den Augen.

Glückwünsche an Button und Webber

Bevor er den Ort seiner persönlichen Niederlage verließ, zeigte sich Vettel als fairer Sportsmann und gratulierte Button zum Titel und seinem australischen Teamkollegen Mark Webber zum Triumph von Sao Paulo Button setzt sich die Formel-1-Krone auf.

"Glückwunsch, Jenson ist jetzt uneinholbar. Sie haben dieses Jahr die beste Arbeit geleistet. Mehr gibt es da nicht zu sagen", meinte Vettel mit stockender Stimme.

"Ich betete um Regen"

Vettel merkte schnell, dass er im Titelkampf keine Chance haben würde. "Ich bin clever genug, um zu sehen, dass Jenson genau vor mir oder hinter mir war", sagte der Hesse.

Und da war ihm klar, dass er nicht mehr viele Punkte aufholt und es nicht reicht. Als sich dann auch noch der Wettergott von ihm abwendete, war das Rennen gelaufen. Vettel: "Ich betete um Regen, es roch danach, aber er kam leider nicht."

In Abu Dhabi voll auf Sieg

In den nächsten Tagen stürzt sich Vettel wieder in die Arbeit, um seine Enttäuschung zu verdrängen. Während Champion Button jetzt von einem PR-Termin zum nächsten eilt, tüftelt der Herausforderer noch einmal in der Red-Bull-Fabrik in England an einem Siegerauto.

Denn Vettel will sich mit einem Erfolgserlebnis beim WM-Finale am 1. November in der Wüste in die Winterpause verabschieden: "Ich werde in Abu Dhabi einfach mein Bestes geben. Das Ziel ist es natürlich, das Rennen zu gewinnen."

Zu viele vergeigte Rennen

Wo hat er den WM-Titel dieses Jahr verloren? "Es waren einfach zu viele Rennen dabei, in denen es nicht ganz gepasst hat. Manchmal hat das Team Fehler gemacht, manchmal ich", sagte Vettel offen und ehrlich.

Er sei fünfmal ausgefallen, das treffe einen natürlich hart (Die Gesamtwertung).

Horner gönnt Button den Titel

Red-Bull-Teamchef Christian Horner nahm Vettel in den Arm und versuchte, seinen Fahrer zu trösten. "Sebastian hat alles gegeben. Ich bin nicht nur auf seine heutige Leistung stolz, sondern auf seine ganze Saison. Er hat eine großartige Weltmeisterschaft hingelegt", sagte der Brite voller Anerkennung.

Vettel habe bis zur letzten Runde gekämpft, und das zeichne einen großen Champion aus, lobte Horner. "Wir haben alles gegeben und Button so gut es ging unter Druck gesetzt. Wenn schon keiner unserer Fahrer gewinnen kann, dann freue ich mich für ihn am meisten", sagte Vettels Teamchef.

"Darauf lässt sich aufbauen"

Ob Vettel 2010 noch einmal so eine große Chance zum Titelgewinn bekommt, steht derzeit in den Sternen. Die in dieser Saison kläglich gescheiterten Top-Teams Ferrari und McLaren-Mercedes werden sicher zurückschlagen.

"Wir haben noch viel zu lernen, aber diese Saison war für uns schon sehr, sehr gut - darauf lässt sich aufbauen", sagte Vettel.

Rückenwind für die kommende Saison

In der Tat: Red Bull hat den Durchbruch von einer Party-Truppe zu einem Formel-1-Spitzenteam geschafft. Der Rennstall sammelte 2009 schon bisher mehr Punkte (135,5) als in der gesamten Teamgeschichte in den vier Jahren zuvor (103).

Horner: "Ich bin stolz auf das, was unsere beiden Fahrer und das Team erreicht haben. Wir haben jetzt den Rückenwind, um nächstes Jahr noch stärker zu sein."

Erstmal einen heben

Button kostete derweil seinen Triumph in vollen Zügen aus.

Nachdem er die herzhafte Umarmung seines überglücklichen Vaters John, einen Interview-Marathon und die große Champagner-Dusche in der Brawn-Box überstanden hatte, startete er im Hotel gleich wieder durch zur Spontan-Party, ohne vorher einen Fuß in sein Zimmer zu setzen.

"Jetzt will ich einen trinken", sagte der Brite, als aller Druck von ihm abgefallen war.

Party bis zum Montagmorgen

Dass es für den 29-Jährigen auch ohne seine Freundin Jessica Michibata, ein japanisch-argentinisches Unterwäsche-Modell, eine Nacht mit offenem Ende wurde, hatte er dabei seinem im WM-Rennen geschlagenen Teamkollegen Rubens Barrichello zu verdanken.

"Rubinho" hatte ihm seinen Privatjet zur Verfügung gestellt, damit er erst am Montagmorgen anstatt wie ursprünglich geplant noch Sonntagnacht zurück nach England fliegen konnte.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel