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Projekt Weltmeisterschaft: Sebastian Vettel feiert erstmal den Vize-Titel © getty

Für Sebastian Vettel gibt es kurz nach dem Saisonfinale nur ein Ziel für 2010: Weltmeister werden. Doch leicht wird das nicht.

Von Marc Ellerich

München - Auf Sebastian Vettel ist Verlass. Er werde auch 2010 der Gleiche bleiben, kündigte der junge deutsche Shootingstar im Siegestaumel beim Saisonfinale auf dem spektakulären Kurs in 168333Abu Dhabi an (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

"Volle Attacke", ein anderer Leitspruch komme für ihn auch in der bevorstehenden Saison nicht in Frage. Dasselbe Motto also, das ihn in diesem Jahr zu vier Siegen trug und ihm mit dem letzten Triumph auf dem gigantischen Yas Marina Circuit auch den Vize-Weltmeistertitel hinter Champion Jenson Button einbrachte (DATENCENTER: WM-Stand).

"Mein bestes Rennjahr"

"Ich bin sehr stolz", freute sich Vettel nach seinem gelungenen Abschluss eines Jahres voller süßer Siege, aber auch bitterer Niederlagen: "Ich hatte mein bisher bestes Rennjahr. Wir dürfen stolz sein, was wir bisher geleistet haben." 169434(DIASHOW: Das Rennen).

Doch Vettel ist trotz seiner 22-Jahre viel zu schlau, um nicht zu wissen, dass in dem schnelllebigen Tempo-Geschäft Formel 1 die Karten nach der letzten Zieldurchfahrt nicht sofort wieder neu gemischt werden.

Viel gelernt

Er und sein Team hätten viel gelernt, verkündete das Red-Bull-Talent also noch vor den Feierlichkeiten in der Wüste des arabischen Emirats und vergaß dabei nicht, mahnend den Zeigefinger zu heben: "Aber wir wollen uns steigern und im kommenden Jahr den nächsten Schritt machen. Wir müssen 2010 beweisen, dass wir es besser machen."

Besser, das heißt Weltmeister zu werden, doch dass der Weg zum Titel in der nächsten Saison möglicherweise noch unebener werden könnte als in den vergangenen 17 Grands Prix, das ahnt der ehrgeizige Vettel offenbar bereits.

"Eine Menge zu verbessern"

"Es gibt eine Menge, was wir in Zukunft verbessern können", sprach der Deutsche nach seinem fünften Karrieresieg und schob gleich eine erste Fehleranalyse nach: "Was man zum Gewinn von WM-Titeln braucht sind Zielankünfte bei jedem Rennen. Wir hatten einige kleine Probleme."

Was ein wenig geflunkert war. Konstanz war das größte Problem der Blau-Roten in dieser Saison. Fünf Rennen beendete Vettel aufgrund eigener Fehler oder den Tücken seines Boliden ohne Punkte, hinzu kamen Patzer, wie etwa beim Saisonauftakt in Melbourne oder den Grands Prix in der Türkei und Singapur, die weitere WM-Zähler kosten.

Harte Arbeit an den Schwächen

Vettel, der dennoch als die Entdeckung der Saison zu gelten hat, ist verbissen und wird hart an sich arbeiten, um seine Schwächen künftig noch besser in den Griff zu kriegen.

Zugleich wird er sein Team anspornen, die Schwächen seines Boliden auszumerzen. Dass der Red Bull ab der Hälfte der Saison immer besser in Schwung gekommen ist und er am Ende beinahe sogar dem schnellen KERS-McLaren von Lewis Hamilton folgen konnte, hat Vettel selbstverständlich registriert.

"Wir haben die letzten drei Rennen gewonnen (Teamkollege Mark Webber siegte in Brasilien, d. Red.), für uns ist die Saison eigentlich zu früh vorbei", meinte Vettel halb im Scherz. Ernst gemeint dürfte hingegen seine Ansage kurz nach Ablauf der Rennsaison 2009 gewesen sein: Im nächsten Jahr "werden wir noch schneller sein".

Webers Einschränkung

So muss einer reden, der mit jeder Faser seines Körpers den Titel will - Vettels tiefe Trauer über das verlorene WM-Duell mit Button in Brasilien machte seinen brennenden Ehrgeiz für die Außenwelt deutlich sichtbar.

Dennoch stehen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt, da die alte Saison eben erst abgelaufen ist, einige Fragezeichen hinter dem Projekt WM 2010.

Michael Schumachers erfahrener Manager Willi Weber wird seine Aussage, er traue dem "Baby Schumi" ("Bild") den Titel im neuen Jahr durchaus zu, nicht ohne Hintergedanken mit dem Zusatz verknüpft haben: "Wenn das Paket stimmt."

Geplatzter Motoren-Deal?

Offenbar mussten Vettel und sein Team im Kampf um die Pole Position für das bevorstehende WM-Rennen bereits den ersten Rückschlag hinnehmen. Glaubt man der durchaus seriösen "auto, motor, sport", müssen der Deutsche und sein Team auch 2010 mit den als unzuverlässig geltenden Renault-Motoren vorlieb nehmen.

Ein Wechsel auf die einwandfrei arbeitenden Mercedes-Aggregate sei demnach geplatzt.

Zudem ist völlig offen, wie der filigran gestaltete Red-Bull-Bolide auf die Veränderungen ansprechen wird, die das kommende Jahr mit sich bringen wird.

Whitmarsh warnt

Als gravierendste Veränderung erwartet die Teams 2010 ein Tankverbot während der Rennen. Man braucht also einen deutlich größeren Tank. BMW-Chefingenieur Willy Rampf erwartet deshalb "die längsten Formel-1-Autos, die es jemals gegeben hat".

Und McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh geht nicht davon aus, dass man einen Entwicklungsvorsprung aus der zweiten Jahreshälfte ohne Weiteres in die nächste Saison retten könne: "Einige Dinge kann nicht so einfach auf das nächste Auto übertragen."

Vettel hingegen bleibt optimistisch: "Die Autos bleiben ziemlich gleich, es verändert sich nicht allzu viel. Auf der Basis von diesem Jahr lässt sich aufbauen."

Aufholjagd vor Saisonstart

Ganz anders sieht das der frischgebackene Weltmeister Jenson Button, der in der zweiten Saisonhälfte seine liebe Not hatte, den anstürmenden Vettel auf Distanz zu halten.

Er rechnet noch vor dem Saisonstart am 12. März mit einer massiven Aufholjagd der Konkurrenten: "Es wird kommende Saison wesentlich schwieriger", so der Champion: "Es sollte an der Spitze einen großen Kampf geben, was für uns alle neu sein wird."

Button: Acht WM-Favoriten

Zu seinen Jägern zählt der 29-Jährige, über dessen Verbleib bei Brawn GP weiter spekuliert wird, im Übrigen nicht mehr nur Vettel. Dieser müsse noch viel lernen, stichelte der Champion in einem Interview.

Für Button muss der Anwärterkreis auf den Titel 2010 deutlich weiter gezogen werden: "Ferrari und McLaren werden kommendes Jahr konkurrenzfähig sein. Dass vier Teams und acht Fahrer an der Spitze gegenseitig kämpfen, hat es zuvor noch nie gegeben."

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