Peter Kohl zieht nach der Saison Bilanz. Für den Weltmeister und seinen Verfolger hat er Lob. Eine Legende enttäuscht ihn.

TOPS 2009

Brawn GP: Zwei Weltmeistertitel für ein Team, das bis zu den letzten Testfahrten vor Saisonbeginn nicht einmal wusste, ob es an den Start gehen kann. Mit Jenson Button ein Champion, dem im Dezember noch die Arbeitslosigkeit drohte, mit Barrichello ein Oldie, der viele Punkte fürs Team holte - schlichtweg sensationell!

Red Bull: Adrian Newey war kreativ und effektiv, der RB5 ein Hammer auch ohne Doppeldiffusor und ohne KERS. Die Schwächen des Motors und ein paar Fehler zu viel bei den Teamentscheidungen haben die WM-Titel gekostet. Sebastian Vettel und Mark Webber waren ein Klasse- Fahrer-Duo, 16 Podestplätze sprechen für die beiden, ebenso die sechs Siege. Für ein Team, das unter die ersten Fünf in der Konstrukteurswertung kommen wollte, eine überragende Bilanz!

Williams und Nico Rosberg: Endlich wieder eine Saison ohne Einbruch in der zweiten Saisonhälfte. Nico Rosberg war ein konstanter Punktesammler mit wenigen Fehlern. Angesichts der eingeschränkten Ressourcen dieses Teams eine beachtenswerte Leistung.

McLaren-Mercedes: Das Auto war zunächst ein Rohrkrepierer, aber sie haben sich nicht hängen lassen. Vier Pole Positions in den letzten sieben Rennen, zwei Siege, dazu der erste mit KERS in der Formel-1-Geschichte, das verdient Respekt.

Force India: Zu Saisonbeginn der klassische Hinterbänkler, in Spa und Monza sowie Suzuka plötzlich on Top und siegfähig: trotz finanzieller Engpässe eine bemerkenswerte Performance. Gratulation dafür!

Sebastien Buemi: Vier Mal in den Punkten, den viermaligen Champ-Car-Meister Sebastien Bourdais entzaubert, eine gelungene Debütsaison. Kein glamouröser, charismatischer Typ, aber offensichtlich ein guter Racer.

Kimi Räikkönen: Der Forrest Gump des finnischen Motorsports blieb seinem Charakter treu. Er ließ sich durch die Posse um seinen Rausschmiss bei Ferrari nicht irritieren, schlug immer dann zu, wenn die Möglichkeit sich bot, holte beachtliche Ergebnisse mit einem Auto, das in der zweiten Saisonhälfte nicht mehr weiter entwickelt wurde. Möge er der Formel 1 erhalten bleiben!

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FLOPS 2009

Nakajima, Kovalainen, Badoer, Piquet jr., Grosjean, Alguersuari, Bourdais und am Ende Fisichella bei Ferrari: Sie hatten ihre Chancen, sie haben sie nicht genutzt. Das war eindeutig zu wenig!

Renault: Was für eine Warmluftpumpe, mit der Fernando Alonso sich quälen musste. Dazu die Manipulationsaffäre von Singapur 2008, die vielen Motorprobleme beim Kunden Red Bull. Wenig kreativ der Createur d'automobiles. Es kann nur besser werden.

Ferrari: Ein Holpern und Stolpern durch eine verhagelte Saison, die teamintern frühzeitig abgehakt wurde. Der Mythos hat dabei ein paar satte Lackkratzer abbekommen.

Toyota: Ein starker Anfang, der tiefe Sturz mit einem Teamchef John Howett, der seine Piloten öffentlich bloßgestellt hat - das haben Jarno Trulli und Timo Glock nicht verdient. Erst nachdem man bei der Konkurrenz abgeguckt hat, wie man ein effektives Heck baut, ging es am Ende wieder aufwärts. Keine Bilanz, die zum Weitermachen animiert. Es könnte bei der Vorstandssitzung in wenigen Tagen eng werden.

BMW-Sauber: Der abrupte Ausstieg aus der Formel 1 hinterlässt einen herben Nachgeschmack. Ich verstehe ihn nach wie vor nicht. Da wurde viel kaputt gemacht!

Politik hinter den Kulissen: Eine Saison voller Säbelgerassel und Selbstzerstörungstendenzen, oft motiviert von der Eitelkeit selbstsüchtiger Funktionäre. Das war unappetitlich und extrem störend!

Doch bei aller Kritik: Ich fand die Saison insgesamt unterhaltsam. Schade, dass es fast 130 Tage dauert, bis die Motoren wieder im Rennbetrieb röhren. Ich jedenfalls freue mich schon auf Bahrain und die Saison 2010.

Bis dahin,

Ihr Peter Kohl

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