Mit der Übernahme von Brawn handelt Mercedes konsequent. Der Konzern ist einen schwierigen Partner los - und viele Probleme.

Mercedes verlässt den Beifahrersitz und übernimmt im neuen Mercedes-GP-Team selbst das Steuer.

Aus Sicht des Konzerns ist die spektakuläre Übernahme des britischen Doppel-Weltmeisters Brawn zumindest konsequent. Der andere - ebenso konsequente - Schritt wäre in Zeiten von Wirtschaftskrise, Stellenabbau und Umsatzeinbrüchen nur der - vom Konzern-Betriebsrat geforderte - Ausstieg aus der höchsten Motorsport-Klasse gewesen.

In der bisherigen Form - als finanzkräftiger Junior-Partner von McLaren - war das Formel-1-Engagement für den Stuttgarter Autobauer jedenfalls nicht mehr zu rechtfertigen.

Der Konzern aus Untertürkheim entledigt sich mit dem Schritt vom Co-Piloten zum Cheflenker gleich mehrerer Probleme: Die Frage, weshalb die Schwaben sich im McLaren-Team der grauen Eminenz Ron Dennis lange Zeit mit der Rolle des weitgehend ohnmächtigen Zahlmeisters abfanden - etwa für Fahrergehälter und Motoren - sie wird nun nicht mehr gestellt werden.

[image id="71738e39-65d6-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Auf elegante Art und Weise ist man nun einen schwierigen Partner los, der den Deutschen zwar einen britischen Champion bescherte, aber eben auch wüste Skandale und bitterböse Affären.

Dass auch das neue Team bestenfalls zum Teil "Made in Germany" ist, so das Kalkül der Konzernlenker, wird bald vergessen sein, wenn ab März 2010 ein deutscher Pilot um Siege fährt und anschließend "die deutsche Hymne gespielt" wird, wie es sich Vorstandschef Dieter Zetsche erhofft.

Doch der Imagegewinn, der sich gewiss einträglich vermarkten lässt, ist nicht das einzige Argument, welches die Motorsport-Verantwortlichen konzernintern gegen ein Ausstiegsszenario anführen konnten.

Unter dem Strich erfüllt Motorsport-Chef Haug nämlich eine wichtige Vorgabe seiner Vorgesetzten, die da lautet: Sparen, sparen, sparen. Durch das Brawn-Geschäft und den Verkauf des McLaren-Anteils spart Mercedes in den kommenden Jahren hunderte von Millionen Euro ein.

Und nicht zuletzt beweist Mercedes mit der Brawn-Übernahme viel Mut. Wo andere Hersteller - nicht zuletzt der deutsche Konkurrent BMW - die Segel streichen, zeigen die Stuttgarter Autobauer Flagge.

Das Team mit dem Stern setzt auf die Premium-Marke Formel 1. Ein Risiko gewiss. Doch eines, das sich eines Tages auszahlen könnte.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel