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Bernie Ecclestone kaufte 2007 mit Flavio Briatore die Queenspark Rangers © getty

Kuriose Idee: Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone will künstlich für Spannung sorgen und den Piloten das Abkürzen erlauben.

Madonna di Campiglio - Bloße Ironie oder einfach nur wieder eine skurrile Idee: Das Kuriositäten-Kabinett des Bernie Ecclestone hat wieder geöffnet und erneut einen ungewöhnlichen Vorschlag zur Steigerung der Attraktivität in der Formel 1 hervorgebracht.

Bei der Saison-Präsentation von Ferrari in Madonna di Campiglio erklärte der 79 Jahre alte Brite den erstaunten Journalisten, dass er künftig Abkürzungen an den Rennstrecken einbauen will, "die jeder Fahrer pro Rennen fünfmal verwenden darf". Dann, so Ecclestones Logik, "würde niemand mehr hinter langsameren Autos feststecken. Das wäre auch gut für das Fernsehen."

Kuriose Vorschläge

In den vergangenen Jahren hatte der uneingeschränkte Boss der Formel 1 schon mehrfach durch kuriose Vorschläge auf sich aufmerksam gemacht, die er allesamt nicht gegen den Willen der Teams durchdrücken konnte.

Mal wollte er die Cockpits unter den Fahrern verlosen, dann wollte er das bewährte Punktesystem zur Ermittlung des Weltmeisters durch ein Medaillensystem ersetzen. Der Fahrer mit den meisten Siegen, also Goldmedaillen, sollte dann unabhängig vom Abschneiden in den anderen Rennen Weltmeister sein.

Verdutzte Fahrer

Bei seinem neuerlichen Vorstoß fragte sich dennoch so mancher, ob Ecclestone den Vorschlag ernst meint oder bloß aufrütteln will. Und auch die Fahrer schauten verdutzt. "Bernie hat Ideen, und andere haben eben andere", sagte der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso ironisch: "Es gibt einen Ausschuss, der sich mit dem Theater beschäftigt. Ich bin ein Fahrer, ich konzentriere mich auf meine Aufgabe." 193316(DIASHOW: Ferrari im Schnee)

Klar ist: Ecclestones Plan könnte auch nach hinten losgehen. Wenn in einem Duell beispielsweise ein Fahrer nicht angreift, weil er noch einmal die Abkürzung nutzen darf. Ganz davon zu schweigen, ob der Bau solcher Abkürzungen bei allen potenziellen Formel-1-Strecken logistisch umsetzbar und finanzierbar wäre.

Begeistert von Schumacher

Außerdem müsste der Formel-1-Boss sich nach eigenem Bekunden gar keine großen Sorgen machen. Schließlich steht ihm angesichts des Comebacks von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher die vielleicht spannendste Saison aller Zeiten bevor.

"Dass Michael zurückkehrt, ist einfach wundervoll. Ich kann es auch kaum erwarten, bis die Saison losgeht", sagte Ecclestone: "Wir haben jetzt vier Weltmeister am Start. Ich kann mich kaum erinnern, wann es das zum letzten Mal gegeben hat. Es gibt große Konkurrenz zwischen den Teams und innerhalb der Teams. Deshalb ist eine Prognose diesmal unmöglich."

Missfallen am Punktesystem

Die vom Sport Council des Automobil-Weltverbandes FIA beschlossene Änderung des Punktesystems für 2010 - unter anderem soll der Sieger künftig 25 statt wie bisher zehn Punkte erhalten - gefällt Ecclestone nicht.

"Beim Punktesystem waren wir ganz clever", sagte er ironisch: "Es macht keinen Unterschied zu dem, was wir vorher hatten. Meiner Meinung nach sollte der Abstand zwischen dem Ersten und dem Zweiten sowie dem Zweiten und Dritten vergrößert werden, um einen Anreiz zum Überholen zu geben."

Sorgen um Neulinge

Sorgen macht ihm nur, dass in Campos und USF1 mindestens zwei der Neulinge ernsthafte Probleme haben, das Budget für die Premieren-Saison zu stemmen.

"Ich kann mir schon vorstellen, dass einige beim ersten Rennen nicht dabei sind", sagte der Brite: "Sie sagen, die Lage sei nicht dramatisch, aber ich bin sicher, sie ist dramatisch. Wie jeder weiß, haben wir eine weltweite Finanzkrise, und so ist es für die neuen Teams sehr schwer, selbst das reduzierte Budget zu stemmen."

Die Zukunft der Formel 1 sei dadurch aber nicht gefährdet: "Solange wir zehn solide Teams haben, ist das okay für uns."

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